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Kreis Kleve: Sanitär-Innung stellt Nachwuchs-Kampagne vor

Wirtschaft im Kreis Kleve : Im Handwerk läuft‘s – sagt das Handwerk

Eine groß angelegte Imagekampagne soll helfen, den Betrieben der Innung Sanitär, Heizung und Klima im Kreis Kleve mehr Auszubildende zu bringen. Es gibt Ausbildungsbotschafter – und einen neuen Instagram-Kanal.

Stell dir vor, Dein Abfluss ist verstopft, und keiner kommt. Diese leicht abgewandelte Version einer pazifistischen Parole aus den frühen 80er Jahren, könnte noch in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts Realität werden. Denn dem Handwerk fehlt der Nachwuchs. „Das Thema brennt seit Jahren, und es wird immer schwieriger, an geeignete Bewerber für eine Ausbildung zu kommen – oder überhaupt an Bewerber“, sagt Richard Thielen, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Kleve. Zum einen konkurriere das Handwerk mit Gastronomie, Dienstleistern und der Pflege um Auszubildende, zum anderen rieten zu viele Eltern ihren Kindern dazu, lieber das Abitur zu erlangen und ein Studium zu absolvieren, statt eine Lehre zu machen. „Hinzu kommt der demografische Wandel: In den nächsten Jahren werden viele Handwerker in Rente gehen und es kommen wenig junge Menschen nach“, sagt Thielen. Deswegen haben die Kreishandwerkerschaft Kleve und die Innung Sanitär, Heizung und Klima (SHK) nun die Zügel in die Hand genommen, und eine, wie sie sagen, bundesweit einmalige Imagekampagne ins Leben gerufen.

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„Läuft bei uns“, lautet ihr Titel. Gemeint sei, dass die Auftragslage derzeit sehr gut sei, dass es vielfältige Karrierechancen gebe und dass die Zukunftsaussichten für die Sanitärbranche dank gestiegener Anforderungen an den Klimaschutz sehr gut seien, erläutert Michael Janßen, Obermeister der SHK-Innung. „Die Energiewende geht nicht ohne die SHK-Branche. Unsere Fachkräfte müssen freitags nicht fürs Klima demonstrieren, wir schrauben täglich an der Energiewende“, sagt er.

Klaus van Straelen vom gleichnamigen Sanitärbetrieb aus Uedem unterstreicht, dass sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in den vergangenen Jahren verbessert habe. „Seit wir verstärkt in die Schulen gegangen sind, um für eine Ausbildung zu werben und seitdem wir Kinospots geschaltet haben, haben wir unsere Ausbildungszahlen innerhalb von drei Jahren fast verdoppeln können“ sagt er. Aber das reiche noch lange nicht, um den Fachkräftebedarf zu decken. Deswegen nun die groß angelegte Imagekampagne.

Umgesetzt wurde sie vom PR-Büro document1 aus Uedem. Die Firma hat Plakatwände entworfen, die ab Ende der Woche an verschiedenen Stellen im Kreisgebiet aufgestellt werden. Auf ihnen werden drei Gesellen aus Sanitärbetrieben der Region zu sehen sein, die sozusagen als Ausbildungsbotschafter fungieren. Eine von ihnen ist die 27-jährige Michelle Tempel, die im Beruf „ihre Frau steht“. Sie wird in Kürze zweifache Mutter sein und will nach der Schwangerschaft so früh wie möglich wieder in den Job einstiegen, weil er ihr so großen Spaß macht. Kevin Buchenau (34) ist bei der Firma Giesen in Kleve angestellt. Ihn faszinieren die modernen technischen Möglichkeiten zur Steuerung der Haustechnik. „Wir brauchen Leute, die wirklich Lust auf diesen tollen Job haben“, sagt er. Justin Scholz arbeitet für die van Straelen GmbH. „Ich bin durch ein Praktikum an die Ausbildung gekommen. Der Job bietet mir viel Abwechslung, man verrichtet täglich unterschiedliche Aufgaben“, sagt der 24-Jährige. Stichwort Praktikum – das ist ein zentrales Element der Imagekampagne. Die Innung wirbt bei den Jugendlichen dafür, in den Osterferien ein Praktikum in ihren Betrieben zu absolvieren.

Dafür werden nun auch Flyer entworfen, die an den Schulen und im Kino ausgelegt werden. „Wir haben den Instagram-Kanal shk_kleve geschaffen, um gezielt junge Leute anzusprechen“, sagt Matthias Wenten von document1. Auf der Internetseite shk-kleve.de können sich Interessenten ebenfalls über eine Ausbildung im Sanitärhandwerk informieren, dort kommen auch wieder die drei „Ausbildungsbotschafter“ zu Wort, unter anderem in kurzen Videos. Und Vertreter des Handwerks werden in den nächsten Wochen und Monaten verstärkt Schulen besuchen, um direkt mit den Schülern ins Gespräch zu kommen. Hierbei wünscht sich Klaus van Straelen noch mehr Unterstützung, insbesondere von den Gesamtschulen. „Die Lehrer sind immer ganz überrascht, wenn wir in den Vorträgen von den vielfältigen Karriere- und Verdienstmöglichkeiten im Handwerk berichten. Und trotzdem geben sie ihren Schülern meist die Empfehlung, das Abitur zu machen, statt eine Lehre zu beginnen“, sagt er.