Kreis Kleve: Pofallas versöhnliche Abschieds-Tour

Kreis Kleve : Pofallas versöhnliche Abschieds-Tour

Oft haben sie sich in den letzten Jahren harte politische Auseinandersetzungen geliefert. Bei seinem letzten offiziellen Firmenbesuch im Kreis Kleve zeigte Ronald Pofalla jedoch, dass er inzwischen mit Dr. Barbara Hendricks harmoniert.

Die Ära "Ronald Pofalla" im Kreis Kleve geht langsam aber sicher zu Ende. Bekanntlich wechselt der frühere Kanzleramtsminister und CDU-Generalsekretär auf einen Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn. Zuletzt hatte er bereits Abschied vom Vorsitz des CDU-Bezirksverbandes genommen und war zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden.

Teil einer Abschiedstour vom Niederrhein, die nach den negativen Zwischentönen wegen seines Wechsels zur Bahn doch recht versöhnlich verläuft. Auch gestern stand Harmonie im Mittelpunkt, als Pofalla in seinem Heimatwahlkreis dem Unternehmen Nähr-Engel in Goch seinen letzten offiziellen Firmenbesuch abstattete.

Der Abschluss bei dem führenden Produzenten von Trockenkartoffel-Produkten war bemerkenswert. Denn ausgerechnet Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks hatte Pofalla persönlich zu dem Termin eingeladen. "Es ist mir wichtig, dass wir hier gemeinsam auftreten. Das soll auch ein deutliches Zeichen nach außen sein", sagte die SPD-Politikerin.

Beide seien schließlich über viele Jahre politische Kontrahenten im Kreis Kleve gewesen. "Wir waren hier 20 Jahre lang erst zeitgleich und später dann auch gemeinsam für den Kreis Kleve tätig", meinte sie vielsagend.

Sicher habe sie sich früher mit dem politischen Gegner auch durchaus intensiv "gefetzt", doch das habe sich im Laufe der Zeit gelegt. Vor allem in den letzten Jahren sei das Verhältnis harmonischer geworden.

So sah es auch Ronald Pofalla. "Gerade bei den Koalitionsverhandlungen haben Barbara Hendricks und ich lange zusammen gesessen und unser Verhältnis hat sich sehr entspannt", meinte er gestern.

Vor einigen Jahren wäre eine herzliche "Hallo Ronald"-Begrüßung wie gestern von Seiten der SPD-Politikerin wohl noch nicht möglich gewesen. Bester Beleg für das mittlerweile doch harmonische Verhältnis war gestern die herzliche Umarmung der beiden größten politischen Schwergewichte aus dem Kreis.

Gerade weil es zwei so starke Stimmen in der Region gegeben habe, habe man viel erreichen können, hieß es. "Bei den großen Projekten haben wir immer eng zusammen gearbeitet", meinte Dr. Barbara Hendricks. Sie erinnerte daran, dass sie ebenso wie Pofalla sich immer für den Airport in Weeze eingesetzt hätten. Auch bei der Betuwe hätten die Anlieger in den beiden Politikern gemeinsame Fürsprecher gehabt. "Ich bin absolut davon überzeugt, dass Herr Pofalla, sich auch in seiner neuen Position weiter engagiert für die Belange der Region bei der Betuwe einsetzen wird", sagte die Umweltministerin. Sie sei zuversichtlich, dass man bei dem Thema weiterhin an einem Strang ziehen werde.

Das bestätigte auch Pofalla. Für berechtigte Forderungen der Anlieger-Kommunen an der Bahnstrecke werde er sich auch bei der Bahn weiterhin einsetzen. "Ich werde da meine Hilfe anbieten", sagte er gestern, betonte aber auch, dass diese Forderungen dann realistisch sein müssten.

Bei seinem Abschieds-Firmenbesuch gehörte die Bühne allerdings Dr. Barbara Hendricks. Pofalla hielt sich eher im Hintergrund. Er schüttelte viele Hände, sprach mit Verantwortlichen der Firma. Auf eine offizielle Ansprache verzichtete er. Die hielt seine politische Gegenspielerin. Schließlich stand die Umweltministerin auch im Blickpunkt, weil sie dem Gocher Unternehmen einen Förderbescheid von rund 500 000 Euro übergeben konnte.

(RP)
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