Verkehrskontrolle im Kreis Kleve Niederländer ärgert sich über Blitzer – und macht einen teuren Fehler

Kreis Kleve · Eine Polizeikontrolle im Kreis Kleve fand ein Motorradfahrer gar nicht gut. Weil er meinte, geblitzt worden zu sein, reagiert der Niederländer wütend. Und jetzt könnte es richtig teuer werden.

 Wer öffentlich anderen den Mittelfinger zeigt, begeht eine Beleidigung (Symbolfoto).

Wer öffentlich anderen den Mittelfinger zeigt, begeht eine Beleidigung (Symbolfoto).

Foto: dpa/dpa, Jens Büttner

Es war eigentlich ein Schwerpunkteinsatz gegen Raser im Kreis Kleve. An mehreren Stellen kontrollierte die Polizei das Tempo, schließlich führt zu hohe Geschwindigkeit immer wieder zu Unfällen. Weniger begeistert von der ganzen Aktion war aber offenbar ein Niederländer, wie Polizeisprecherin Anna Stammen jetzt berichtet. Der war auf seinem Motorrad hinter einen Auto hergefahren und in eine der Kontrollen gekommen. Weil der Wagen vor ihm offenbar zu schnell war, wurde der Blitzer ausgelöst. Während der Autofahrer weiterfuhr, stoppte der Biker, wendete und fuhr zurück zum Radarwagen. Hier zeigte er den Beamten deutlich, was er von der Aktion hielt: Er streckte ihnen den Mittelfinger entgegen und brauste dann davon.

Die Beamten verständigten einen Motorradpolizisten, der die Verfolgung aufnahm, den Biker vor dem Grenzübergang Wyler abfangen konnte und zu einem der Kontrollpunkte leitete. Hier nahmen die Beamten eine Strafanzeige wegen Beleidigung auf. Die geht jetzt an den Staatsanwalt, der entscheidet, ob eine Anklage erhoben wird. Davon wird dann auch abhängen, wie hoch die Strafe für den Niederländer ausfällt.

Dass der Mann Polizisten den Mittelfinger gezeigt habe, spiele für das weitere Verfahren keine Rolle. Im deutschen Strafrecht ist die Beamtenbeleidigung kein eigener Tatbestand. Ein Beamter ist hier nicht anders gestellt als ein anderer Bürger. Es handelte sich also um eine „gewöhnliche“ Beleidigung gemäß Paragraph 185 Strafgesetzbuch. Und wer einem anderen den Mittelfinger zeigt, bewegt sich im Umfeld einer Beleidigung.

Der Niederländer musste eine Sicherheitsleistung zahlen, damit er weiterfahren durfte. Hätte er das nicht gekonnt, hätte die Polizei einen Richter angerufen, der dann entschieden hätte, wie man weiter vorgehen soll. In diesem Fall konnte der 24-Jährige zahlen, der aus Lingewaard stammt. Ihm tat die Tat nachher offenbar auch leid. Er zeigte sich reumütig und entschuldigte sich bei den Beamten.

Die deutschen Polizisten hätten den Biker auch über die Grenze verfolgen können. Diesmal wäre das ohnehin kein Problem gewesen, da auch vier niederländische Polizeibeamte aus Vught, Oost-Brabant an den Kontrollen beteiligt waren. Die niederländischen Kollegen des „Team Verkeer", darunter zwei Kradfahrer, kontrollierten auch auf niederländischer Seite unter Beteiligung eines deutschen Polizeibeamten. Bekanntlich liegen die niederländischen Bußgeldsätze für Verkehrsverstöße deutlich über den deutschen Richtsätzen. So muss eine junge Frau, die ein Handy während der Fahrt nutzte, demnächst 420 Euro an den niederländischen Staat überweisen.