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Kreis Kleve: Nabu sammelt Unterschriften für Artenvielfalt

Für Artenvielfalt : Radeln für 100.000 Unterschriften

Die Nabu-Landesvorsitzende Heide Naderer wirbt für die Volksinitiative Artenvielfalt NRW. Nun machte sie auch in Kleve Halt. Die Unterstützung für die Aktion ist insbesondere am Niederrhein groß.

Gewissermaßen dreht Heide Naderer mit ihrem E-Lastenrad dieser Tage Ehrenrunden. Das Ziel hat die vom Naturschutzbund maßgeblich mitunterstützte Volksinitiative Artenvielfalt nämlich längst erreicht. 95.000 Bürger haben bereits unterschrieben. 66.000 Unterschriften wären nötig gewesen, um eine Debatte im Düsseldorfer Landtag zu erzwingen. „Wir wollen die 100.000 als symbolische Grenze knacken und damit ein deutliches Signal an die Landesregierung senden“, sagt Naderer.

Nun machte die Nabu-Landesvorsitzende auf dem Weg gen Xanten, Wesel und Haltern am See auch bei der Naturschutzstation Niederrhein in Rindern Halt. Heide Naderer macht Kilometer – und das bei Wind und Wetter. „Das Bewusstsein dafür, wie wichtig Klimaschutz ist, ist mittlerweile in vielen Köpfen angekommen. Das gilt für das Thema Artenvielfalt und Erhalt der Biodiversität leider noch nicht in dem Maße“, sagt sie. Die nordrhein-westfälische Volksinitiative, die auch von der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) sowie vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) getragen wird und im Juli 2020 gestartet ist, enthält im Kern acht Forderungen. 

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So soll der ungebremste Flächenverbrauch gestoppt werden. Außerdem sollen wilde Wälder zugelassen und Schutzgebiete wirksam geschützt werden. „Die Wenigsten wissen, darunter übrigens auch Landtagsabgeordnete, dass auch in Naturschutzgebieten intensive Landwirtschaft unter Einsatz von Pestiziden betrieben wird“, sagt Heide Naderer, einst Präsidentin der Klever Hochschule Rhein-Waal. Zudem fordern die Naturschützer eine landesweite Förderung nachhaltiger Landwirtschaft, die Sicherung von lebendigen Gewässern und Auen, einen Nationalpark in der Senne und die Festsetzung eines Netzes verbundener Biotope, das bis 2025 mindestens 20 Prozent der Landesfläche umfasst. Außerdem soll der Artenschutz in den Städten gestärkt werden, indem Lichtverschmutzung und Vogelschlag an Fassaden vorgebeugt werden. Fassaden und Dächer sollen stärker begrünt werden.

„Wir merken, dass die Rückendeckung insbesondere am Niederrhein sehr groß ist. Immerhin ist auch der Nabu hier sehr stark: Mit unseren 3000 Mitgliedern können wir uns mit den Volksparteien messen“, sagt Volkhard Wille, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein. Und auch Heide Naderer bestätigt: Aus den Kreisen Wesel und Kleve kamen bislang die meisten Unterschriften. „Allerdings sind die Probleme fast überall gleich – egal, wohin ich komme“, sagt die Landesvorsitzende. Dass die Forderung nach mehr Artenschutz insbesondere im ländlichen Raum so viel Rückenwind bekommt, liege wohl auch an der intensiven Landwirtschaft mit den daraus resultierenden Folgen, so Volkhard Wille. „Außerdem sinkt der Grundwasserspiegel auch hier stark ab. Gleichzeitig verabschiedet die Landesregierung ein Landeswassergesetz, das die Grundwasserentnahme vereinfacht. Da ist die Landesregierung auf völlig falschem Wege“, sagt Wille.

Noch bis Anfang Juni sind die Aktiven drauf und dran, weitere Unterstützer zu gewinnen. 60 Kilometer legt Heide Naderer dafür täglich unermüdlich mit ihrem E-Lastenrad zurück. Nach dem Schlussdatum werden die gemeldeten Autogramme dann von den Verbänden mit den Daten der Einwohnermeldeämter abgeglichen. Wenn das geschafft ist, soll die Volksinitiative im Juli dem Landtag vorgelegt werden. Weil mindestens 0,5 Prozent der Stimmberechtigten in Nordrhein-Westfalen unterschrieben haben, muss sich dann NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser mit der Initiative auseinandersetzen – und kritische Fragen im Landtag aushalten.