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Kreis Kleve: Landwirte sind in der Krise

Dürre und Corona : Landwirte in der Krise

Zwei historische Ereignisse treffen zusammen und machen den Bauern im Kreis Kleve schwer zu schaffen. Die Corona-Pandemie und eine noch nie dagewesene Trockenheit lassen erste Landwirte aufgeben.

Josef Peters ist ein Landwirt mit viel Erfahrung. Doch solch eine Situation wie zurzeit ist auch für ihn Neuland. „Ich bin jetzt 69 Jahre alt, aber so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Kleve. Zwei historische Ereignisse kommen laut Peters zusammen und zerstörten die Existenzen vieler Landwirte: Die Corona-Pandemie und die beispiellose Dürre, die den unteren Niederrhein nun schon drei Jahre in Folge trifft. Da helfen auch ein paar klägliche Regentage im August nicht viel.

„Wir bekommen zurzeit durchschnittlich fünf Anfragen pro Woche von Kollegen, die ihren Betrieb aufgeben wollen und Beratungsbedarf haben“, sagt Peters. Es komme einfach alles zusammen: Durch die Corona-Krise, während der die Gastronomie stark zurückgefahren ist,  sei ein wichtiger Absatzmarkt von Lebensmitteln weggebrochen. Jetzt noch die Trockenheit, die sich regional zwar sehr unterschiedlich darstelle, aber im Kreis Kleve extrem ausfalle und nun schon im dritten Jahr in Folge anhalte. „Die Tiere schreien nach Futter und die Landwirte haben kaum noch etwas, mit dem sie die Biogasanlagen füttern können“, sagt Peters. Durch ausbleibende Regenfälle sei das Gras auch in diesem Jahr kaum gewachsen. „Der erste Schnitt ging noch, der zweite war schon eine Katastrophe und der dritte war praktisch schon nicht mehr zu machen.“ Peters schildert eine Lage, die in seinen Augen dramatisch ist: „Wir Milchviehalter mussten unsere Tiere schon mitten im Sommer in den Stall holen, weil die Weiden verdorrt waren. Viele Landwirte wissen nicht, woher sie Futtervorräte für den Winter holen sollen“, sagt Peters.

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Bis März habe man noch von der Winterfeuchtigkeit profitieren können, sagt Landwirt Bernd Hesseling. Getreidesorten wie Wintergerste seien demnach nicht so stark betroffen. „Ab April bis in den August hinein hat es aber viel zu wenig Wasser gegeben, die Ausfälle sind groß“, sagt Hesseling. Pro Quadratmeter würden im Kreis demnach rund 200 Liter fehlen. Die Folgen: verheerend. Beim Weizen gebe es einen Einbruch von 30 Prozent, bei den Industriekartoffeln von bis zu 50 Prozent. Und die machen einen Großteil des Kartoffelanbaus in der Region aus, wie Hesseling sagt. „Da trifft Trockenheit voll auf Corona.“

Wer seine Feldfrüchte gut bewässern kann, hat zumindest bei der Ernte einen Vorteil. Obstbauern zum Beispiel. Die Massen an Wasser, die dafür zusätzlich ausgebracht werden müssen, schlagen aber finanziell ins Kontor. „Der Gemüseanbau hat ganz schwer gelitten“, sagt Hesseling.

Sollten auch die kommenden Jahre so trocken werden, müsse der Anbau komplett neu gedacht werden. „Wir haben eigentlich sehr gute Böden, aber selbst die versteppen mittlerweile“, sagt der Landwirt. „Bisher konnte man bestimmt zweimal ernten, das würde künftig nicht mehr so einfach möglich sein.“ Das lässt sich am Beispiel Mais zeigen. Auf den Feldern, auf den Nachbau betrieben wurde, hatte der Mais praktisch keine Chance. Beim Nachbau wird zunächst Gras gesät und geschnitten, dann der Mais ausgebracht. „Der hat aber nicht mehr funktioniert, in dieser Zeit war es viel zu trocken“, sagt Hesseling. Anders sehe es bei Hauptfruchtmais aus. Der sei zumindest einigermaßen über die Runden gekommen.

Auch Josef Peters von der Kreisbauernschaft zeichnet ein düsteres Bild. Die Stimmung bei den Berufskollegen sei äußerst bedrückt. „Die Landwirte sind derzeit so deprimiert, wie ich sie noch nie erlebt habe“, sagt Peters. Er sieht einen großen Strukturwandel hereinbrechen. „Die Tierhaltungsverordnung, die Düngeverordnung, der Bienenschutz und jetzt auch noch die Corona-Pandemie. Viele Landwirte wollen jetzt aufgeben“, sagt Peters. Die wahrscheinliche Folge sei, dass sich die landwirtschaftliche Produktion in anderen Regionen verlagere. „Das kann eigentlich kein Verbraucher wollen. Aber er entscheidet an der Supermarktkasse.“