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Kreis Kleve: Kleinunternehmer freuen sich über schnelle Corona-Soforthilfen

Unbürokratische Unterstützung in der Corona-Krise : Schnelle Hilfe für Kleinbetriebe in Not

Viele Solo-Selbstständige und Kleinunternehmer sind derzeit auf finanzielle Unterstützung angewiesen, um den Laden sprichwörtlich am Laufen zu halten. Drei Unternehmer berichten von ihren positiven Erfahrungen – aber auch Ängsten.

Anne van Bebber hatte es sich gut und lange überlegt. Etwa ein Jahr lang tüftelte sie an ihrem Vorhaben, hatte die entscheidenden Strukturen geschaffen und ein klares Ziel vor Augen. Im vergangenen September dann wagte sie schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit – und eröffnete ihr Tee- und Geschenkartikel-Geschäft „Mittendrin Anne vB“ an der Klever Kavarinerstraße. „Ich hatte einen Plan, den habe ich gerne. Und es lief alles so, wie ich es mir vorgestellt hatte“, berichtet die 52-Jährige.

Doch wie so viele andere Selbstständige und Kleinunternehmer im Kreis Kleve zwangen die Auswirkungen der Corona-Krise auch Anne van Bebber dazu, ihren Laden für Laufkundschaft zu schließen. Und weniger Kunden bedeuten auch immer weniger Umsatz. Um nicht sofort in den finanziellen Ruin zu schlittern, stellte van Bebber einerseits vorläufig auf einen Lieferservie um, beantragte gleichzeitig aber auch finanzielle Soforthilfen beim Kreis Kleve. Und erhielt prompt Unterstützung. „Das war sehr menschlich und unbürokratisch, noch am selben Tag erhielt ich eine Rückmeldung.“ Inzwischen hat sie einen Bewilligungsbescheid über 3500 Euro erhalten.

 Bettina Hebben ist froh, dass sie neben ihrem Schaustellerbetrieb noch die Bürgerstube in Bedburg-Hau betreibt. Doch auf Dauer reiche diese Einnahmequelle nicht aus, um die Krise zu überstehen, sagt sie.
Bettina Hebben ist froh, dass sie neben ihrem Schaustellerbetrieb noch die Bürgerstube in Bedburg-Hau betreibt. Doch auf Dauer reiche diese Einnahmequelle nicht aus, um die Krise zu überstehen, sagt sie. Foto: Markus van Offern (mvo)

Sie war damit – Stand Freitag – eine von 908 Kleinunternehmern und Freischaffenden aus dem Kreis Kleve, die die Soforthilfe des Kreises inzwischen beantragt haben. 629 Anträge wurden bewilligt, die Höhe der Auszahlungen lag bei knapp 2,5 Millionen Euro. Maximal wird ein Zuschuss von 7500 Euro pro Antragsteller gewährt. Da dieses Angebot offenbar vielen temporär weiterhilft, hatte der Kreis die Gesamtsumme erst kürzlich um weitere zwei auf vier Millionen Euro aufgestockt (wir berichteten). Und die Nachfrage ist weiter ungebrochen hoch.

Zu den ersten, die von der unbürokratischen Hilfe profitierten, zählte Diego Piva, der gemeinsam mit seinem Sohn in Kevelaer das gleichnamige Eiscafé betreibt. Und auch er kann von dem Prozess von der Beantragung bis zur Auszahlung ebenfalls nur Positives berichten. „Das lief mehr als gut, ich war wirklich beeindruckt. Am 2. April habe ich den Antrag gestellt, fünf Tage später hatte ich die 3000 Euro bereits auf dem Konto“, sagt Piva. Das Geld helfe ihm in der derzeitigen Situation enorm. Denn gerade bei den sommerlichen Temperaturen in den vergangenen Tagen hätte sich der fehlende Umsatz schon bemerkbar gemacht. „Das Geld vom Kreis hilft, um zumindest die Fixkosten im April zu decken.“ Damit er sein Geschäft aber auch künftig noch betreiben kann, hat er zusätzlich die Soforthilfen des Landes NRW beantragt, deren Auszahlung aufgrund der jüngsten Betrugsversuche derzeit allerdings gestoppt ist. „Das habe ich im Antrag an den Kreis auch angegeben. Und wenn die Landesmittel noch kommen, kann ich auch den Mai und Juni noch irgendwie überleben.“

Nicht ganz so rosig sieht es derweil bei Bettina Hebben aus. Die Schaustellerin, die als zweites Standbein die Bürgerstube in Bedburg-Hau betreibt, leidet immens unter den aktuell abgesagten Großveranstaltungen und dem fehlenden Kirmes-Geschäft. „Ich habe 14 Anhänger und fünf Angestellte, die Einnahmen aus der Bürgerstube reichen leider nicht, um das alles zu bezahlen.“ Daher suchte sie Hilfe bei der Volksbank und beantragte einen Hilfskredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Am 20. März hatte sie den Antrag gestellt, Ende des Monats lief das Geld auf ihrem Konto ein. „Ich bin dankbar, dass es so schnell gegangen ist und die Volksbank mich in dieser Sache wirklich unterstüzt hat.“

Doch auch in ihrem Fall ist das Geld eigentlich nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein. „Wenn sich die Lage bis Ende Mai nicht ändert, wird es kritisch.“ Wenn sie die Bürgerstube-Einnahmen derzeit nicht hätte, wüsste sie gar nicht, wie es weitergehen sollte. „Ich führe unser Familiengeschäft in dritter Generation, das tut schon weh, plötzlich am Abgrund zu stehen.“

Gedanken um die Zukunft macht sich auch Anne van Bebber. „Ich bin dankbar, dass viele Kunden derzeit den lokalen Handel vor das Internet stellen und etwas bei mir ordern.“ Nun hat die Bundesregierung zwar angekündigt, dass Geschäfte bis maximal 800 Quadratmeter Größe ab Montag wieder öffnen dürfen – und damit auch Anne van Bebber unter Berücksichtigung einiger Auflagen ihr Ladenlokal wieder aufsperren darf. Dennoch ist sie nur vorsichtig optimistisch: „Es schreien jetzt bestimmt nicht alle Einzelhändler ,Hurra’. Denn die vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen müssen ja auch erst einmal organisiert und umgesetzt werden können.“ Daher sei positives Denken gefordert. „Wir fahren den Betrieb jetzt langsam wieder hoch. Ich bin gespannt, wie sich die Situation weiter entwickelt.“