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Kreis Kleve in Corona-Zeit: Mehr Arbeitslosigkeit, weniger Nachfrage

Kreis Kleve : Arbeitsmarkt leidet unter Corona-Krise

Inbesondere Branchen wie der Einzelhandel, das Gastgewerbe sowie Arbeitsnehmerüberlassung und das verarbeitende Gewerbe sind von der Krise betroffen. Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit für Beschäftigte sind die Folgen.

Die Corona-Pandemie und die mit ihr verbundenen Maßnahmen zur Eindämmung schlagen sich deutlich auf den Arbeitsmarkt im Kreis Kleve nieder. „Die Arbeitslosigkeit ist sprunghaft angestiegen“, berichtet Barbara Ossyra, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Wesel. „Die meisten Arbeitslosmeldungen kamen von Beschäftigten aus dem Einzelhandel, dem verarbeitenden Gewerbe, dem Gastgewerbe und der Arbeitnehmerüberlassung.“ Im April sind im Kreis Kleve 847 Personen mehr arbeitslos gemeldet als März. Das ist ein Anstieg um 10,4 Prozent auf 8963 Personen. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,5 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent. Im Vorjahresmonat lag sie mit 173 Arbeitslosen weniger bei 5,3 Prozent.

Aus einer Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt meldeten sich im April 1049 Personen arbeitslos. Eine Steigerung um 463 Personen oder 79 Prozent zum Vormonat. Gleichzeitig meldeten sich 397 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab, um eine Beschäftigung aufzunehmen. Das ist zum Vormonat ein Rückgang um 212 Personen oder 34,8 Prozent.

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Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (Agentur für Arbeit, SGB III) nahm die Arbeitslosigkeit um 608 Personen oder 18,8 Prozent auf 3849 Personen zu. Gegenüber dem Vorjahresmonat sind es 888 Personen mehr. Im Bereich der Grundsicherung (Jobcenter, SGB II) werden aktuell 5114 arbeitslose erwerbsfähige Hilfebedürftige betreut. Das sind 239 Personen (4,9 Prozent) mehr als im März – aber 715 (12,3 Prozent) weniger als im April 2019.

„Es gibt noch einen Bedarf an Arbeitskräften, aber auf einem recht niedrigen Level“, berichtet Barbara Ossyra weiter. Im April meldeten die Arbeitgeber im Kreis Kleve insgesamt 269 neue Stellen – das sind 164 Stellen oder 37,9 Prozent weniger als im März und sogar 339 Stellen (55,8 Prozent) weniger als im April 2019.

Weiterhin herrscht eine „enorme Nachfrage“ der Unternehmen nach Kurzarbeit, so Ossyra. Vom 1. März bis zum 26. April gab es insgesamt 2461 Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit im Kreis Kelve. Betroffen sind 27.740 Personen und somit rein rechnerisch jeder vierte sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Ossyra betont aber: „Ich bin froh, dass Unternehmen diesen Weg wählen, denn Kurzarbeit vermeidet Arbeitslosigkeit und hält bewährte Beschäftigte im Unternehmen.“

Auch der Ausbildungsmarkt wird durch die Pandemie gebremst. Seit Oktober haben sich 1387 Bewerber bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Wesel gemeldet. Das ist ein Rückgang um 364 oder 20,8 Prozent zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Im Kreis Kleve sind 1512 Ausbildungsstellen von Arbeitgebern gemeldet worden. „In den letzten Monaten zeigten sich die gemeldeten Ausbildungsstellen auf einem stabilen Niveau. Diese Entwicklung ist nun erst einmal gestoppt“, sagt Barbara Ossyra. Grund sei die Corona-Krise. „Es ist nachvollziehbar, dass viele Betriebe gerade keinen Kopf für das Thema Ausbildung haben. Aber es gibt eine Zeit nach Corona, in der Fachkräfte genauso wichtig sein werden, wie sie es heute sind“, mahnt Ossyra. Es sei jetzt wichtig, die bestehenden Ausbildungen nach Möglichkeit zu Ende zu führen und auch in diesem Jahr junge Menschen als Nachwuchskräfte einzustellen. „Das Interesse der Jugendlichen ist da.“