Amtsärztin erklärt Zahlen Höchststand an Corona-Patienten in Kreis Klever Krankenhäusern

Kreis Kleve · Die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Kleve ist anhaltend hoch. Fast 100 Menschen liegen mit Corona im Krankenhaus. Amtsärztin Martina Scherbaum erläuterte im Gesundheitsausschuss, wie die Zahlen zu sehen sind.

Die Anzahl der Krankenhauspatienten im Kreis Kleve mit Covid-19 ist derzeit hoch wie nie. 15 Prozent der Intensiv-Patienten haben Corona.

Die Anzahl der Krankenhauspatienten im Kreis Kleve mit Covid-19 ist derzeit hoch wie nie. 15 Prozent der Intensiv-Patienten haben Corona.

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Beim Einkaufen, bei Veranstaltungen oder in Restaurants – nur noch relativ selten sieht man Menschen mit Masken. Doch das Coronavirus verbreitet sich auch nach zweineinhalb Jahren Pandemie weiter – auch im Kreis Kleve. Amtsärztin Martina Scherbaum gab im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Demografie der Politik nun einen Überblick über das aktuelle Corona-Geschehen und einen Rückblick auf die Pandemie in der Zeit von März 2020 bis März 2022.

Die aktuelle Situation stelle sich folgendermaßen da, so Scherbaum: Die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Kleve bewegt sich bei 590. „Das ist ein sehr hoher Wert, aber die Zahlen gehen wieder runter“, sagte sie(*). Besonders auffällig sei die hohe Zahl an Krankenhauspatienten, die mit Corona infiziert seien. Zuletzt lag die Zahl der Krankenhauspatienten bei knapp 100. „Das sind so viele wie noch nie“, betonte die Leiterin des Gesundheitsamts. Das erkläre sich vor allem auch dadurch, dass im Krankenhaus sehr viel getestet werde. „Das geschieht bei jeder Aufnahme“, sagte Scherbaum. Der Anteil an Covid-19-Patienten an betreibbaren Intensivbetten im Kreis Kleve beträgt derzeit 15 Prozent. „Das ist ebenfalls ein hoher Wert. Die Patienten sind oft aus den Jahrgängen 40, 50 oder 60, es sind also nicht die ganz Alten.“ Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen beträgt der Anteil der Intensivpatienten mit Covid-19 8,25 Prozent, bundesweit 7,7 Prozent.

Beruhigend sei, dass mittlerweile 90 Prozent der Menschen eine Immunität gegenüber dem Virus aufgebaut hätten und die Krankheit in der Regel milde verlaufe, so Scherbaum. Die aktuelle Omikron-Variante BA.5 sei inzwischen für 86 Prozent der Fälle verantwortlich. Die Covid-19-Impfung seit hochwirksam, so die Amtsärztin, nur ihr sei es zu verdanken, dass viele schwere Erkrankungen verhindert werden konnten. Studien belegten, dass Patienten, die wegen Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden, in aller Regel ungeimpft seien.

Scherbaum machte auf die Koordinierenden COVID-Impfeinheiten (KoCI) aufmerksam. Sie seien, ergänzend zu den niedergelassenen Ärzten, ein wichtiges Mittel der Impfkampagne. Zielgruppen seien insbesondere muslimische Glaubensgemeinschaften, Obdachlose, Frauen in Frauenhäusern, Studierende, Zeitarbeiter und Zugewanderte. Die Impfungen seien meist terminlos möglich und die Impflinge müssten auch keine Krankenversicherung nachweisen. KoCi unterstütze auch bei Impfangeboten in Flüchtlingsunterkünften für ukrainische Flüchtlinge. „Ukrainische Flüchtlinge haben oft einen sehr schlechten Impfstatus. Dort wurden seit Jahren kaum Impfungen durchgeführt“, sagte die Amtsärztin. Im Zeitraum August 2022 bis 17. Oktober 2022 seien durch KoCi insgesamt 1612 Menschen geimpft worden.

Das Coronavirus habe „unser aller Leben wie kaum ein Ereignis der vergangenen Jahrzehnte auf den Kopf gestellt“, so Scherbaum in ihrem Rückblick auf den bisherigen Verlauf der Pandemie. Am 9. März 2020 wurde im Kreis Kleve der erste Corona-Infektionsfall gemeldet. Ende März 2020 lag die Fallzahl schon bei 249 Indexfällen im Kreisgebiet. „Im Verlauf des Monats März mussten sämtliche Routinearbeiten im Gesundheitsamt des Kreises Kleve für lange Zeit zurückgestellt und alle personellen Ressourcen zur Corona-Bearbeitung herangezogen werden“, sagte Scherbaum.

Bis heute haben sich im Kreis Kleve rund 111.000 Menschen mit dem Virus infiziert und 417 Menschen sind gestorben. Rückblickend ist sich die Amtsärztin sicher: „Die durch das Coronavirus verursachte Krankheitslast und Sterblichkeit rechtfertigte die zwischenzeitlich eingeleiteten Maßnahmen wie zum Beispiel die Isolations- und Quarantäneregeln, die Maskenpflicht, die Kontaktbeschränkungen, die Schulschließungen, Veranstaltungsverbote und Reisebeschränkungen bis hin zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht.“

(*) In einer früheren Version des Textes hieß es: „[...] aber die Zahlen gehen nicht wieder runter“. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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