Kreis Kleve: Grenzüberschreitender Transport von Pferden auf dem Prüfstand

Reitsport : Transport von Pferden auf dem Prüfstand

Ein Memorandum soll das Verbringen insbesondere für Pferdesportveranstaltungen erleichtern.

Es geht um mehr als um die Möglichkeit, grenzüberschreitend reiten zu können. Um vieles mehr. Denn längst schon ist der Pferdesport in der Grenzregion, von Niedersachsen bis Aachen, zu einem starken Wirtschaftsfaktor geworden, in dem ein Jahresumsatz von rund 262 Millionen Euro generiert wird. Heruntergebrochen auf den Kreis Kleve werden entlang der Grenze in der Pferdebranche 67 Millionen Euro umgesetzt. Alles in bester Ordnung, sollte man meinen, wenn da nicht die vor Jahren von der EU beschlossenen Verordnungen und Richtlinien wären, die auch den Transport von Pferden regeln.

Inhaltlich nachvollziehbar wenn es geht darum, die Tiergesundheit zu wahren und  ansteckende Tierseuchen nicht zu verbreiten. Allerdings wurden nicht die Besonderheiten von Sport- und Zuchtpferden gesehen. Denn im Vergleich zu anderen Tieren sind Pferde schlicht öfters für kurze Strecken unterwegs, wobei die Grenze bei Ausritten oder Turnierveranstaltungen nur für eine kurze Zeit passiert wird. Man sollte meinen, dass der Equidenpass ausreicht, über den jedes Pferd verfügen muss. Schließlich werden  Impfungen dokumentiert und die Identifikation des Pferdes sichergestellt. Trotzdem kommt der Pferdesportler so nicht über die Grenze, da der Equidenpass im europäischen Recht keine Aussagekraft besitzt. Kurzum, hier gibt es seit Jahren eine Lücke im Gesetz, die es  in der Grenzregion dringend zu schließen gilt. Bislang ist nämlich jeder deutsche Züchter, Turnierstarter oder Freizeitreiter verpflichtet, beim „Grenzüberschreitenden Verbringen von Equiden“  ein aktuelles EU-Gesundheitszeugnis mit sich zuführen, was auch beim Reiten, Fahren und Führen über die Grenze gilt.

„Da baut die EU wieder einmal Hürden auf, die an Lächerlichkeit kaum zu überbieten sind“, entfuhr es da kürzlich Gochs Bürgermeister Ulrich Knickrehm in der Runde der Zusammenkunft der Vertreter aus der Bundes- und Kommunalpolitik, den Verbänden, unter anderem der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), dem Kreispferdesportverband Kleve, der Landwirtschaftskammer NRW, der Kreiszüchterzentrale, der Euregio auf der Deutschen und deren Gegenüber auf der niederländischen Seite, die sich in den Räumlichkeiten des Reitervereins Weeze trafen. Das Unbegreifliche: Ein solches Dokument ist bei grenzüberschreitenden Transporten in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg oder Frankreich nicht vonnöten, da diese Staaten über ein Sonderabkommen verfügen. Dem sollte Deutschland also so schnell wie möglich beitreten. Es drängt die Zeit, da in Brüssel an einem weiteren EU-Gesetz in Sachen Tiertransport gearbeitet wird. Daher wollen die in Weeze zusammengekommenen Vertreter der Organe ein Gipfeltreffen von Politikern und anderen Gremien beschleunigen das im Ergebnis ein Memorandum hat, das auf Basis der EU-Gesetzgebung den sportlichen, züchterischen und freizeitlichen Transportes von Pferden in die Niederlande und darüber hinaus als innereuropäischen Transport vereinfacht regelt. Zumindest soll Deutschland alsbald dem Sonderabkommen der westlichen Nachbarländer beitreten, wonach Pferdebesitzer, die zu Reitturnieren oder kulturellen Veranstaltungen reisen und  nicht zu kommerziellen Zwecken mit ihren Pferden unterwegs sind, von der EU-Richtlinie ausgenommen werden.

Bis zu diesem Memorandum  gilt jedoch: Vor dem Transport von Pferden in die Niederlande ist eine Untersuchung durch einen amtlichen Veterinär erforderlich. Je nach Anzahl der Pferde werden für diese Bescheinigung Kosten zwischen 50 Euro und 170 Euro fällig, deren Gültigkeit maximal zehn Tage beträgt. Wer allerdings ohne dieses gültige Papier in die Niederlande einreist, dem droht eine Geldbuße, die ab 500 Euro aufwärts beziffert wird. Das gilt insbesondere für die Reiter aus dem Kreis Kleve, die zu den Turnieren im niederländischen Grandrose und de Peelbergen nennen. Übrigens: Das nächste Treffen des „grenzüberschreitenden Netzwerkes“ das sich in Weeze getroffen hat, findet in Kürze in den Niederlanden statt, von wo aus die weitere Vorgehensweise in Sachen Memorandum besprochen wird.

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