Autobahnen zu den Niederlanden Grenzkontrollen zur EM sorgen für lange Staus – erste Festnahmen

Kreis Kleve · Die Bundespolizei macht zum Auftakt der Fußball-EM ernst und intensiviert die Kontrollen an den Grenzen zu den Niederlanden. Am Freitag kam es zu langen Staus, auf der A57 bei Goch klickten die Handschellen.

Die Bundespolizei kontrolliert derzeit verstärkt an den Grenzen. Auch im Kreis Kleve ist das zu spüren.

Die Bundespolizei kontrolliert derzeit verstärkt an den Grenzen. Auch im Kreis Kleve ist das zu spüren.

Foto: dpa/Harald Tittel

Wer am Freitag über die A3 aus den Niederlanden nach Deutschland einreisen wollte, der benötigte eine Menge Geduld. Von Arnheim in Richtung Kreis Kleve gab es zeitweise 13 Kilometer Stillstand, über 80 Minuten mehr musste man einplanen, meldeten die holländischen Verkehrsdienste in der Mittagszeit und lieferten den Grund gleich mit: Politiecontrolepost. Polizeikontrolle.

Mit Beginn der Fußball-Europameisterschaft machen die Behörden ernst und intensivieren ihre Maßnahmen. Möglich machen das wiedereingeführte Binnengrenzkontrollen zu den Niederlanden und Belgien. Nicht nur an den Autobahneinfahrten, sondern zum Beispiel auch in Zügen, die die Grenze passieren, finden derzeit Kontrollen statt. Mit einer intensiven Überwachung des grenzüberschreitenden Verkehrs wolle man die Anreise gewaltbereiter oder die Veranstaltungen gefährdender Personen verhindern, wie es offiziell heißt. „Wir haben all jene im Blick, die zum Fußball wollen, aber dort nicht hinsollen“, sagt ein Sprecher unserer Redaktion. Seit dem 7. Juni wird offiziell kontrolliert. Nun, mit Beginn des Turniers, werden die Kontrollen entsprechend verschärft.

Dabei hat es auch schon Zugriffe gegeben. So etwa ein Fall am Freitagvormittag, den man vielleicht als Beifang bezeichnen könnte: Die Beamten kontrollierten einen 64-jährigen Bulgaren bei der Einreise aus den Niederlanden auf der A57 am Grenzübergang Goch. Ein Abgleich der Personalien in den polizeilichen Fahndungssystemen ergab, dass er durch die Staatsanwaltschaft Kempten mit einem Haftbefehl wegen Diebstahl gesucht wird. Hiernach musste der Verurteilte noch eine Restfreiheitsstrafe von zehn Tagen verbüßen. Der Mann wurde vor Ort verhaftet und zum Haftantritt in das Gefängnis in Kleve gebracht. Der Verurteilte war bis zu seiner Abschiebung im Juni 2019 in der Justizvollzugsanstalt Kempten inhaftiert.

Bereits am Mittwoch ging den Beamten auf der A3 in Emmerich ein Mann aus Rumänien ins Netz, der durch die Staatsanwaltschaft Osnabrück mit einem Vollstreckungshaftbefehl wegen Urkundenfälschung und Betrug gesucht wird. Auch er wurde zum Haftantritt in das Gefängnis in Kleve gebracht, da er die fällige Geldstrafe nicht bezahlen konnte.

Die Bundespolizei hat sich lange auf das Großereignis vorbereitet. „Umfangreiche Maßnahmen sind in den vergangenen Monaten vorbereitet, abgestimmt, geübt und umgesetzt worden, um zur größtmöglichen Sicherheit bei diesem Sportevent beizutragen“, heißt es. So gibt es während des Turniers eine Urlaubssperre für die Angehörigen der Bundespolizei. In der Spitze werden in NRW über 3000 Kräfte eingesetzt, die dafür auch aus anderen Teilen des Bundesgebietes entsandt werden. Und das nicht nur in Uniform: Die Beamten fahnden in diesen Tagen auch verdeckt.

Der Einsatzleiter, der Vizepräsident der für NRW zuständigen Bundespolizeibehörde, Helge Scharfscheer, betont, man habe die Maßnahmen eng mit der Landespolizei, den Polizeibehörden der Niederlande und Belgiens, der Deutschen Bahn, den Flughafenbetreibern und anderen relevanten Sicherheits- und Ordnungspartnern abgestimmt. Am Flughafen Weeze gibt es zum Beispiel eine Direktverbindung nach Edinburgh. Nach dem Auftaktspiel gegen Deutschland müssen die Schotten am Mittwoch gegen die Schweiz antreten. Austragungsort: Köln.

Für den Zeitraum der insgesamt 20 in NRW auszutragenden EM-Spiele hat die Bundespolizei eine Allgemeinverfügung zum Verbot der Mitnahme von gefährlichen Gegenständen wie Messern in den Spielort-Bahnhöfen erlassen. Dies sei nur eine von vielen Maßnahmen, „um ein Höchstmaß an Sicherheit an den Bahnhöfen, den Spielorten sowie bei der An- und Abreise zu gewährleisten“.

Übrigens: Für die Beamten der Bundespolizei im Kreis Kleve gibt es nach der Europameisterschaft nur kurz Zeit, durchzuschnaufen. Denn mit Parookaville im Juli steht bereits das nächste Großereignis in der Region an.