Kreis Kleve: Die gute Form der Tischler

Kreis Kleve: Die gute Form : Die schönsten Möbel der Tischler

Sie müssen Eckverbindungen können, ein Schloss richtig einsetzen und stabile Tische und Stühle bauen können. In der Ausstellung „Die gute Form“ zeigen die neuen Tischlergesellen im Berufskolleg Kleve ihre Gesellenstücke.

Hugo heißt er, sieht blendend aus und fühlt sich gut an. Hugo ist ein hängender Schreibtisch. In seine Tischplatte ist geschmeidiges Linoleum eingelassen, so dass eine Schreibunterlage überflüssig wird, der Korpus ist aus Massivholz, die Fronten sind mit Eiche furniert. Kurz: Hugo ist ein edles Stück. Jonathan Hellebrand hat den hängenden Tisch geschaffen. Er ist frisch gebackener Tischler-Geselle und hat bei Schlichtenbrede in Emmerich gelernt. Mit dem hängendem Schreibtisch hat er den Wettbewerb „Gute Form“ gewonnen. Hier kann jeder Jahrgang der neuen Gesellen zeigen, was er kann. Und dass die Gesellen in der Lage sind, schicke Möbel zu entwerfen.

In diesem Jahr waren wieder viele gute Stücke aus der Vorauswahl in die Endausscheidung gekommen, in der eine siebenköpfige Jury, darunter auch zwei Vertreter der Hochschule Rhein-Waal, die besten Stücke auswählen sollte. Das Auswahlkriterium war einfach: „Welches der Stücke würden Sie sich ins Wohnzimmer stellen?“, fragte Innungsmeister Heinz-Josef van Aaken die Juroren. Doch der Einfachheit der Frage stand die Qual der Wahl gegenüber, denn die Tischlergesellen hatten gute Arbeit abgeliefert: Es war nicht einfach, zwischen den Hängebords, Vitrinen, Schreibtischen und Schränkchen zu wählen. Wobei sich van Aaken besonders auch über eine Tür freute, die seit langem wieder einmal zur Ausstellung gehörte.

„Hugo - der Hängende“  ist ein Schreibtisch von Jonathan Hellebrand: Erster Preis der Jury. Foto: Markus van Offern (mvo)

Die Möbelstücke haben die Gesellen selbst entworfen und gebaut. Sie beinhalten alle eine ganze Reihe von kniffligen Schwierigkeiten und Technik, sind alle mit tollen Materialien und sichtlicher Freude am Handwerk entworfen und gebaut. Die oft auch nicht billigen Materialien werden in der Regel vom Ausstellungsbetrieb gestellt, erklärte van Aaken.

Nachdem die Jury getagt hatte, standen neben Hugo zwei weitere Preisträger und drei Belobigungen fest. Der zweite Preis ging an ein minimalistisch-schlankes Sidebord mit Holzklappe aus massiver Eiche und schönem Maserungs-Bild. Gefasst hat Tischlergeselle Tom van der Mark die Eiche mit Licht: Die „Schattenfuge“ zwischen den verschiedenen Materialien des Korpus und der Klappe leuchtet, der Korpus umrahmt Licht und Eiche mit grau lackierten Platten. Ein ebenfalls schmaler, langer Griff aus mattem Stahl unterstreicht die gestreckte Form des Bords. Van der Mark hat bei der Becker Innenausbau GmbH in Rees gelernt.

Der dritte Preis ging an einen Schrank. Alexander Iding taufte das von ihm gebaute Unikat „Der Verschlossene“. Das scheinbar schlichte Hängeschränkchen mit dem dicken, stilisierten Holzschloss auf der Front lässt sich nur per Trick öffnen: Man muss schon den ganzen Schrank nach vorne ziehen, der auf einem dicken Rundstab aus Rüster ruht. Wie auch der Korpus in Rüster furniert ist – einem Holz von der Ulme. Damit das Holz für sich sprechen kann, hat Iding das Holz geölt und nicht lackiert. Das Schränkchen gleitet auf Kugellagern nach vorne, wenn man hinter den Schrank greift. Gelernt hat Iding bei Elbers Holzdesign.

Belobigt wurde eine Musiktruhe, die es funkelnd aus den 1950er Jahren ins Hier und Jetzt geschafft zu haben scheint, tatsächlich aber neu gebaut ist – inklusive Röhrenradio und Plattenspieler. Julian Michel Boßmann von Winkels Interieur-Design schuf das Musikmöbel. Maurice Giesen von K3 Raumkonzept bekam für seinen Schrank Dark Tower eine Belobigung und Tiemo Maes von der Johann Bergers GmbH für ein Hängebord.

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