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Kreis Kleve: der Kommunalwahl-Krimi im Klever Land 2020

Kommunalwahl : Der Kommunalwahl-Krimi 2020

Wer einen Ausblick auf das Jahr 2020 wagt, der kommt an dem Datum der Kommunalwahl am 13. September nicht vorbei. Die CDU will ein Desaster wie 2015 natürlich verhindern.

Welche Daten des Jahres 2020 Historiker Geschichtsbuch-würdig einstufen, weiß zwei Tage vor dem Beginn des neuen Jahrzehnts kein Kaffeesatzleser. Zwei historische Daten stehen hingegen fest: Am 8. Mai jährt sich zum 75. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieg und am 13. September werden bei der Kommunalwahl der Landrat, 16 Bürgermeister sowie alle Politiker von Kreistag und Gemeinderäten bestimmt. Was nicht ganz korrekt ist, denn die gerichtlich verfügte Wiedereinführung der Stichwahl hat die Rechenkunststücke aller Polit-Strategen über den Haufen geworfen und wird dafür sorgen, dass es zwei Wochen später in vielen Orten, in denen keiner die Marke von 50 Prozent plus einer Stimme erreichen konnte, zum Duell der beiden Bestplatzierten kommt.

Wer beerbt Landrat Wolfgang Spreen? Eine Frage, deren Antwort eine historische Dimension annehmen könnte, denn die CDU darf nicht mehr auf ihren Erfolgsgaranten bauen, der 15 Jahre lang Rekord-Resultate einfuhr. Die beiden CDU-Bewerber Silke Gorißen aus Bedburg-Hau und Dominik Feyen aus Kleve touren gerade durch die 16 kommunalen CDU-Verbände, ehe Mitte Januar die Entscheidung fällt, wer antritt. Der Gegner hat es in sich: Der parteilose Bürgermeister von Bedburg-Hau, Peter Driessen, geht mit Unterstützung von SPD, Grünen und FDP ins Rennen. Mit Vorsprung: Denn während die CDU noch grübelt, versucht Driessen längst, auch die Wählergemeinschaften im Kreis hinter sich zu versammeln und reist in einer Art von Vor-Vor-Wahlkampf bereits durch einige Kommunen. Im Falle eines Sieges wäre er der erste Mann an der Kreis-Spitze ohne CDU-Parteibuch – historisch..

Wird es in der Kreis­stadt Kleve wieder eine Stichwahl geben? Ganz ohne eine Glaskugel zu bemühen, kann die Verwaltung schon mal die Wahlhelfer für die Stichwahl am 27. September verpflichten. Amtsinhaberin Sonja Northing, nur noch von einem Teil der SPD unterstützt, wird ebenso wenig eine absolute Mehrheit erzielen wie CDU-Hauptkontrahent Wolfgang Gebing oder FDP-Zählkandidat Daniel Rütter. Erst recht nicht, weil noch ein Grünen-Bewerber (der ehemalige USK-.Chef Rolf Janssen wird gehandelt, obwohl er von Anfang an gesagt hat, nicht nur für eine Partei ins Rennen gehen zu wollen) die Runde vergrößern könnte und es auch nur logisch wäre, wenn der nach parteiinternem Streit mit fünf Kollegen aus der SPD-Fraktion ausgetretene Michael Kumbrink ebenfalls Nägel mit Köpfen macht. Dann gibt es auch noch die Offenen Klever (OK) und die Unabhängigen Klever (UK), mögliche Aufnahmelager der SPD-Abtrünnigen. Ein Duell in der Stichwahl ist mehr als realistisch, am wahrscheinlichsten zwischen Amtsbonus-Inhaberin Northing und CDU-Mann Gebing, dem dann die Grünen-Unterstützung sicher sein dürfte.

Kommt es in Goch zu einer Neuauflage der Sensation von 2015? Vor fünf Jahren war er der erste Nicht-CDU-Bürgermeister von Goch, gewann die Stichwahl mit einem von ihm selbst nicht für möglich gehaltenen Kantersieg: Ulrich Knickrehm, Kandidat des Bürgerforums Goch (BFG), das einstmals von lauter SPD-Entsagern gegründet worden war. Was seinerzeit einer Sensation gleichkam, wäre in neun Monaten aber keine mehr: Der ehemalige Richter Knickrehm tritt wieder an, die in Goch vormals Sieg-gewohnte CDU setzt nicht mehr auf einen aus der Garde der Altgedienten, sondern hofft mit dem Juristen Jan Baumann auf eine frische Kraft. Ansonsten herrscht noch Schweigen im Walde, aber es ist zu vermuten, dass es nicht bei diesen Bewerbern bleiben wird. Aber wie auch immer: Die Entscheidung fällt zwischen diesen beiden Männern.

Hat sich Kalkars CDU vom Desaster 2015 erholt? Das größte Debakel erlebte vor fünf Jahren die CDU in Kalkar, die nicht nur den Bürgermeister-Sessel verlor, sondern sogar die Mehrheit im Rat. Schuld war das Forum Kalkar, denn die von unzufriedenen Bürgern ins Leben gerufene Partei ist zur Nummer 1 in der Nicolaistadt geworden und stellt mit Britta Schulz auch die Bürgermeisterin. Bisher gibt es bei der CDU mit Sven Wolff einen ersten Bewerber, der sich der fürs Forum erneut antretenden Britta Schulz stellen möchte. Will er eine Chance haben (sofern er aufgestellt wird), muss es ihm gelingen, das zweifellos vorhandene CDU-Potenzial zu mobilisieren. Was die anderen machen? Schweigen ist erste Parteienpflicht.

Und wer füllt das Vakuum von Bedburg-Hau? Nur Menschen oberhalb der 20-Jahre-Marke wissen, dass es in Bedburg-Hau mal andere Bürgermeister als Peter Driessen gab. Aber der geht: Entweder als Landrat oder als Pensionär. Das Vakuum gilt es zu füllen, zumal die CDU-Chefin Silke Gorißen im Kreis antritt und nicht ins Rathaus in Schneppenbaum einziehen möchte. Es ist alles offen. Die CDU hat verkündet, dass mit Hans-Gerd Perau, Stephan Reinders und dem parteilosen Bernd Zacharias drei Bewerber sich der Mitgliederversammlung zur Wahl stellen. Die anderen Parteien schweigen sich aus, wobei derzeit zu vermuten ist, dass die FDP unter ihrem „Kreis-Häuptling“ Stephan Haupt alles daran setzen wird, auf kommunaler Ebene einen ähnlichen Driessen-Coup zu landen wie auf Kreisebene. Sprich: Einen gemeinsamen Kandidaten aller Parteien – genau so, wie (der damalige Standesbeamte) Driessen 2004 seinen Sensationscoup gegen CDU-Bürgermeister Hans Geurts landete.

Bleibt Kranenburg als aktuell einzige Kommune fest in CDU-Hand? Ja, wer daran zweifelt, hat ein Wahrnehmungsproblem. CDU-Mann Günther Steins hat es in 15 Jahren Arbeit geschafft, das von Pleite-Geiern eingekreiste Grenzstädtchen zu entschulden. Wenn er jetzt in den selbst-gewählten Ruhestand geht, dann weiß er seinen Kämmerer Ferdinand Böhmer als Nachfolge-Kandidat hinter sich – ein Garant zumindest für die Fortsetzung der soliden Finanzpolitik. Gegner? Der von der SPD auserkorene Kontrahent sagte kurz vor der Präsentation ab. Fortsetzung folgt – oder auch nicht.

Und Uedem, die Sphinx? Der seit 15 Jahren amtierende und parteilose (von der CDU unterstützte) Bürgermeister Rainer Weber ist nicht nur in die Kritik geraten, sondern wird gar in Frage gestellt. Nun gut, die SPD wird aus ihrem Debakel mit der Aufstellung des „wahnsinnigen Puppenspielers“ Heinz Bömler vor fünf Jahren gelernt haben. Aber alle schweigen – auch die CDU, auch Rainer Weber. Der aber mit seinem Amtsbonus selbst ohne Partei im Rücken gewinnen dürfte.