Kreis Kleve Das sagen die Kandidaten zum Ergebnis der Landratswahl

Kreis Kleve · Während sich die einen über einen Platz bei der Stichwahl freuen können, beginnt bei den anderen die Aufarbeiten der Wahlniederlage. Und erste Kandidaten sprechen bereits Empfehlungen aus. Die Stimmen zur Wahl.

Jubel und Frust bei der Wahlparty im Klever Kreishaus
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Jubel und Frust bei der Wahlparty im Klever Kreishaus

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Foto: Markus van Offern (mvo)

Die Wähler im Kreis Kleve haben entschieden – und werden in zwei Wochen erneut an die Wahlurnen gerufen. CDU-Kandidat Christoph Gerwers hat die Landratswahl am Sonntag gewonnen. Allerdings blieb der Bürgermeister aus Rees mit 45,02 Prozent der Stimmen unter der Hürde, die für eine direkte Entscheidung notwendig gewesen wäre. Mit 27,53 Prozent – und damit deutlich – auf dem zweiten Platz landete Stefan Welberts, der für SPD und Grüne kandidiert. Somit kommt es am 11. Dezember zur Stichwahl zwischen Gerwers und Welberts.

Der parteilose Kandidat Guido Winkmann landete mit 19,92 Prozent abgeschlagen auf dem dritten Platz. Wie erwartet spielten die drei weiteren Kandidaten keine Rolle beim Kampf um die Stichwahl im Kreis Kleve. FDP-Kandidat Ralf Klapdor landete mit 2,88 Prozent noch hinter Heinz Ferdinand Straeten von der AfD (4,02 Prozent). Die parteilose Kandidatin Jale Solan kam auf 0,62 Prozent.

Im Lager der CDU war die Laune am Sonntag gut. „Es ist wichtig, dass wir als Erste durchs Ziel gekommen sind. Mein Ziel war, mehr als 45 Prozent zu holen. Das ist ein gutes Ergebnis“, sagte Kandidat Christoph Gerwers. „Wir sind auf eine Stichwahl vorbereitet und werden noch einmal alles geben, um die Wähler zu mobilisieren.“

Sein letzter verbliebener Konkurrent im Kampf um die Spitze im Kreishaus ist Stefan Welberts. „Wir werden in den kommenden zwei Wochen noch einmal Vollgas geben“, kündigte Welberts an. „Ich möchte auch alle Wähler, die mir am Sonntag noch nicht ihre Stimme gegeben haben, überzeugen.“ Damit wendet sich Welberts auch explizit an die Wähler von Guido Winkmann.

Der Schiedsrichter und Polizeibeamte hatte die Stichwahl vor zwei Jahren nur um Haaresbreite verpasst. Nun war der Abstand deutlicher. „Ich wollte das Ergebnis von der Wahl 2020 übertreffen. Das ist mir offensichtlich nicht gelungen“, sagte Winkmann. „Offenbar habe ich meine Themen beim Wähler nicht rüberbringen können. Die Idee, die Verwaltung auch abends öffnen zu lassen, ist zum Beispiel offenbar nicht so angekommen, wie ich mir das gedacht hatte.“ Wird sich Winkmann vor der Stichwahl in zwei Wochen noch positionieren? „Ich weiß nicht, ob ich eine Empfehlung abgeben werde“, sagte er am Sonntag.

Einen durchweg gebrauchten Abend hatten die FDP und ihr Kandidat Ralf Klapdor. „Es kann nicht unser Anspruch sein, hinter der AfD zu landen“, sagte Klapdor. Er sei enttäuscht vom schwachen Abschneiden. „Das ist absolut nicht die Region, in der wir zufrieden gewesen wären“, sagte er.

Zufriedener zeigte sich da Heinz Ferdinand Straeten (AfD) mit seinem Ergebnis. „Ich liege klar vor der FDP, das sagt ja schon viel“, sagte der Wachtendonker. In zwei Wochen könne Christoph Gerwers mit seiner Stimme rechnen. Er halte ihn für einen kompetenten Bewerber.

Betroffen zeigten sich die Bewerber durch die Bank von der rekordverdächtig schlechten Wahlbeteiligung von 27,6 Prozent. Klapdor und Winkmann urteilten unisono: „Das ist eine Katastrophe.“ Auch Stefan Welberts sprach davon, dass er „tief enttäuscht“ sei. „Es gibt Länder, in denen müssen sich Menschen das Recht auf freie Wahlen erkämpfen. Da sind solche Zahlen bei uns schon bitter“, sagte Christoph Gerwers. Sowohl CDU als auch SPD und Grüne kündigten noch am Abend an, die Bemühungen zur Mobilisierung von Wählern in den kommenden zwei Wochen nicht abreißen lassen zu wollen. Sonst droht die Wahlbeteiligung am 11. Dezember auch noch einmal in den Keller zu gehen.

Ebenfalls rekordverdächtig war, wie schnell ausgezählt wurde: Dadurch, dass es jeweils nur eine Stimme zu verteilen gab und die Wahlbeteiligung so gering ausfiel, stand das vorläufige Endergebnis schon um 19.37 Uhr fest. Also gut eineinhalb Stunden nach Schließen der Wahllokale. Dem Ergebnis entgegen gefiebert haben am Sonntagabend auch wieder zahlreiche Besucher im Klever Kreishaus. Darunter auch NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen. Die bisherige Landrätin hatte im Wahlkampf aktiv Christoph Gerwers unterstützt. Auch sie beobachtete die niedrige Wahlbeteiligung mit Sorge. „Die Menschen verbinden mit dem Amt nicht so viel wie etwa mit dem eines Bürgermeisters“, sagte sie.

Viele Fragen sind noch offen bis zum 11. Dezember. Eine Antwort gab es am Sonntagabend bereits sicher: Die nächste Landrätin im Kreis Kleve wird ein Landrat.