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Kreis Kleve: Altenheime schotten sich wegen Corona ab

Altenheime im Kreis Kleve : Die Angst in den Altenheimen

Die Altenheime versuchen Besuche bei Bewohnern zu vermeiden. Spaziergänge sind lediglich in Begleitung von Mitarbeitern und ohne Kontakte möglich – sonst ist eine Quarantäne notwendig.

Holger de Lange macht einen gefassten Eindruck: Seine Einrichtung, die Evangelische Stiftung Alten- und Pflegeheim, sieht sich auf die Corona-Krise vorbereitet. Schon geraume Zeit verwehrt die 1853 gegründete Einrichtung zur Pflege alter und gebrechlicher Menschen Besuchern den Eintritt, werden Personal und Angestellte in Fragen zu Corona informiert und geschult. Und nicht zuletzt vermittelt man den Bewohnern der altehrwürdigen Klever Anlage zwischen Hagsche Straße, Feldmannstege, Kolpingstraße und Gartenstege, dass Besuch das lebensbedrohliche Virus einschleppen könnte und deshalb draußen bleiben muss.

„Die Bewohner haben dafür Verständnis“, sagt de Lange. Schwierig sei es allerdings bei Menschen mit Demenz, die nicht verstehen, warum sie keinen Besuch mehr bekommen. Anders als bei den Bewohnern, gebe es bei Angehören allerdings immer noch den einen oder anderen, der die Maßnahmen als übertrieben ansieht, gar von Hysterie rede. „Da versuchen wir im Gespräch die Situation zu klären – aber ins Haus dürfen ausschließlich nur Besucher, deren Angehörige auf der Palliativstation oder auf dem letzten Abschnitt ihres Lebensweges sind“, sagt de Lange. Diese Besucher gehen immer auf direktem Weg zum Zimmer ihrer Angehörigen.

In der „Stiftung“, wie die Einrichtung in Kleve genannt wird, werden momentan keine neuen Bewohner aufgenommen und aus den Doppelzimmern, die es hier noch gibt, wurden Einzelzimmer. Verlassen dürfen die Bewohner die Anlage natürlich trotzdem. „Aber nur in Begleitung von Mitarbeitern, um das Kontaktverbot sicher zu stellen. Wer allein herausgeht und zurückkommt, der  muss dann 14 Tage auf seinem Zimmer in Quarantäne. So sind die Vorschriften“, sagt de Lange.

In den zwölf stationären Seniorenpflegeeinrichtungen unter dem Dach des Katholischen Alten- und Pflegehilfenetzwerkes (KAN) im Kreis Kleve und in Xanten werden aktuell 730 Senioren (inklusive Tagespflege) betreut. „Die Zusammenarbeit mit der zuständigen Heimaufsicht ist sehr gut. Wir haben für die Einrichtungen des KAN frühzeitig ein Betretungsverbot verhängt, der entsprechende Erlass des Ministeriums folgte zwei Tage später. Die Tagespflegen sind geschlossen, in Notfällen bieten wir im Seniorenzentrum St. Nikolaus in Kalkar eine Betreuungsmöglichkeit an“, sagt Christian Weßels, Sprecher der Trägergesellschaft.

Wie de Lange kann auch Weßels bestätigen, dass die Bewohner natürlich sehr verunsichert sind, dabei aber auch sehr verständnisvoll. „Denn sie wissen, dass unsere Pflege- und Betreuungskräfte sich die allergrößte Mühe geben“, so Weßels. Die Angehörigen haben großes Verständnis für die notwendigen Maßnahmen wie etwa das Betretungsverbot. „Es gibt – wenn erforderlich – auch Ausnahmen von der Regel: Bei Sterbefällen ist Besuch möglich. Auch Ärzte, Palliativpfleger, Richter und gesetzliche Betreuer dürfen die Einrichtungen mit den erforderlichen Schutzmaßnahmen betreten“, sagt Weßels. Auch in den zwölf KAN-Einrichtungen müssen die Mitarbeiter bei der Arbeit „am Bewohner“ einen Mund-Nasen-Schutz tragen. „Davon haben wir aktuell noch genug. Für den Fall der Fälle haben wir Notfallboxen, in denen die nötige Ausrüstung gebündelt ist“, sagt Weßels.

Der Caritasverband Geldern-Kevelaer hat einen unternehmensinternen Krisenstab eingerichtet, der seit einem Monat alle Maßnahmen rund um das Thema Corona koordiniert. „So haben wir schon sehr früh ein betriebliches Pandemiekonzept erstellt. Damit entlasten wir die Einrichtungsleitungen und Mitarbeiter vor Ort. So schaffen wir zeitliche Ressourcen für die operative Umsetzung der Maßnahmen in den Einrichtungen und für die intensive Begleitung von Bewohnern und Mitarbeitern“, sagt Caritas-Geschäftsführer Karl Döring, in dessen neun Einrichtungen zwischen Wetten, Nieukerk und Kevelaer 408 Menschen wohnen und betreut werden.

Für die Menschen in den Heimen ist es schwierig, mit der Situation umzugehen. Darauf reagieren die Mitarbeiter in den Einrichtungen. „Für unsere Bewohner werden immer verschiedene Angebote vorbereitet, um den Alltag zu strukturieren und den Spaß am Leben zu erhalten. Neuerdings stehen in den Einrichtungen Tablet-Computer bereit. Damit können die Bewohner ihre Angehörigen per Video-Telefonie anrufen“, sagt Döring. Das werde sehr gut angenommen. „Es ersetzt natürlich nicht den persönlichen Kontakt. Es sind aber alle Beteiligten froh, dass es diese Möglichkeit gibt“, schildert Döring die Ausnahmesituation durch Corona. Die Ostergrüße an die Familien werde es dieses Jahr deshalb leider nur per Videokonferenz und Telefon geben.

Außerdem lassen sich die Mitarbeiter viele Aktionen einfallen, wie in Geldern von der „youngcaritas“ die Aktion „Schreib doch mal ‘ne Karte!“. In vielen Supermärkten der Region sollen Postkarten ausliegen, die an der Kasse mitgenommen werden könnten. „Die Leute können liebe Nachrichten darauf schreiben und bei uns in die Briefkästen werfen“, erklärt Döring.

In allem sind sich die Heimleitungen und Trägerschaften einig: Das Hauptaugenmerk muss auf der Prävention liegen. Und auch wenn alle noch Schutzmasken haben: Man freut sich über die Hilfe und Unterstützung von außen. „Wir sind begeistert über die Ehrenamtlichen, die für uns Mund-Nasen-Schutz in Heimarbeit genäht haben. Das ist eine tolle Solidarität, die wir hier erfahren“, sagt de Lange stellvertretend für alle.