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Kranenburger Siegel nach 75 Jahren wieder zurück

Kranenburg : Siegel ist nach 75 Jahren wieder zurück

Ein Niederländer hatte den Typar im Nachlass gefunden und nach Kranenburg zurückgebracht.

(RP) Ein Stück Kranenburger Geschichte ist zurückgekehrt. Gemeint ist das Siegel der Kanoniker, das seit dem Zweiten Weltkrieg als verschwunden galt. Hens Jordaan aus Naarden bei Amsterdam hat es in dem Nachlass seines Vaters gefunden und jetzt – rund 75 Jahre später – der Gemeinde zurückgegeben. 

Jordaan wollte, so schreibt es das Museum Katharinenhof am Montagabend, dass das historisch bedeutsame Zeugnis zurück an den Ort gelangt, an den es gehört. Nicht nur darüber sind die Kranenburger froh, sondern auch über den hervorragenden Zustand des Siegels. In einer Führung durch das Museum und die Kranenburger Kirche wurde den niederländischen Gästen der historische Kontext, dem das Siegel entstammt, nähergebracht.

Ein Stück Geschichte ist zurück. Foto: Museum Katharinenhof Foto: katharinenhof

Zum Hintergrund: Als die Kanoniker im Jahr 1436 an die Kranenburger Pfarrkirche übersiedelten, hatten sie eine Menge zu organisieren. Eine ihrer wichtigsten Neuanschaffungen war ein Siegel, das sie zur Beglaubigung ihrer Urkunden benötigten. Die Stiftsherren nutzten die Gelegenheit, ihr neues Siegel nicht nur ganz dem Geschmack ihrer Zeit anzupassen, sondern auch die Geschichte der Kirchen von Zyfflich und Kranenburg in der bildlichen Darstellung zu vereinigen: Im Mittelpunkt der Darstellung steht der Stiftspatron, der Heilige Martin. In einer Nische unterhalb des Bischofs ist der Bettler zu erkennen, dem Martin die Hälfte seines Mantels schenkte. Rechts und links stehen die Apostel Petrus und Paulus, die ehemaligen (und seit 1802 wieder aktuellen) Patrone der Kranenburger Pfarrkirche. Überragt werden diese Heiligen von einem Kruzifix, das an die Kreuzwallfahrt erinnert, der Kranenburg seinen Aufstieg im späten Mittelalter verdankte. Bis zur Aufhebung des Stifts im Jahr 1802 blieb das Siegel im Gebrauch, aber auch danach wurde der Stempel, man spricht auch von einem Typar, im Kranenburger Pfarrhaus sorgfältig aufbewahrt. Hier war es 1938 definitiv noch vorhanden, im Zweiten Weltkrieg verliert sich jedoch seine Spur. Wahrscheinlich ist, dass es im Winter 1944/45 von alliierten Soldaten mitgenommen wurde.

Die Kranenburger Kirchengemeinde, in deren Eigentum das Typar nun nach einem Dreivierteljahrhundert zurückgekehrt ist, ist überglücklich. Für die Öffentlichkeit ausgestellt wird das Siegel im Museum Katharinenhof.