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Kranenburg: Benefiz-Boule-Turnier für das Hospiz​ in Kleve

Kranenburg-Nütterden : Benefiz-Boule-Turnier für das Hospiz

Die Boule-Abteilung richtete am Sportplatz des SV Nütterden das Turnier für das Hospiz in Donsbrüggen, das in Teilen vom Förderverein finanziert wird, aus. Bei dem französischen Präzisionssport braucht es starke Nerven.

 Manfred Gossen geht seinen Sportskollegen bereitwillig auf die Nerven. Es ist sogar seine größte Qualität auf dem Bouleplatz. „Es ist meine Aufgabe, den Gegner so gut es geht zu ärgern“, sagt Gossen, einer von 35 Aktiven der Boule-Abteilung des SV Nütterden. Immerhin ist der Sportler ein sogenannter Schießer. Manfred Gossen geht es nur selten darum, die Kugel möglichst nahe an das Schweinchen, also die Zielkugel, zu werfen. Stattdessen soll er die bisher beste Kugel der Konkurrenz aus dem Rennen kicken. „Wenn das klappt, wird es schonmal laut“, so Manfred Gossen.

Am Samstag ging es bunt zu auf dem Sportplatz des SV Nütterden. Die Aktiven der Abteilung hatten zu einem Benefiz-Turnier zu Gunsten des Hospizes in Donsbrüggen eingeladen. „Ich habe das Gefühl, dass halb Nütterden einen Kuchen gebacken hat. Das ist wirklich sensationell“, sagt Angelika Mosch-Messerich, Vorsitzende des Hospizvereins. Anfang April wurde die Einrichtung offiziell eröffnet, in Donsbrüggen sollen Sterbende auf ihrem letzten Lebensabschnitt würdevoll begleitet werden. 

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Für das Hospiz wurde das ehemalige Donsbrügger Pfarrhaus kernsaniert. Die zwölf Einzelzimmer haben in einem modernen Anbau Platz gefunden. Insgesamt 2,9 Millionen Euro wurden investiert. Doch damit nicht genug. Der Förderverein muss sich an knapp fünf Prozent der Betriebskosten beteiligen, das sind jährlich bis zu 60.000 Euro. Den Löwenanteil davon übernimmt zwar die Zevens-Stiftung. Mosch-Messerich aber sagt: „Auch wir müssen uns immer wieder etwas einfallen lassen, um an Spendengelder zu kommen. Ein solches Benefizturnier hier in Nütterden ist eine tolle Sache. Wir könnten uns sehr gut vorstellen, diese Veranstaltung jährlich auszurichten“, so die Vorsitzende. 

Doch auch der SV Nütterden profitierte von der Veranstaltung. „So können wir darauf aufmerksam machen, dass es uns gibt. Und beim Boule kann wirklich jeder dabei sein: jung, alt, sportlich oder unsportlich“, sagt Manfred Gossen. Und tatsächlich: Niedrigschwelliger könnte ein Sport kaum sein. Interessierte sind gleich mit Eifer dabei, der Ehrgeiz ist schnell geweckt. Schließlich sind die Regeln des Sports, der ursprünglich aus Frankreich stammt und dort auf beinahe jedem Marktplatz gespielt wird, einfach erklärt. Das Schweinchen wird in eine Entfernung von sechs bis zehn Metern geworfen. Danach versuchen Spieler beider Teams, die Kugel so nah wie möglich an der Zielkugel zu platzieren. 

Einen Vorsprung kann man sich beim Boule kaum erarbeiten. Der letzte Wurf der Kontrahenten kann gleich mehrere eigene Kugeln wieder entfernen, es bleibt bis zum Schluss spannend. Genau deshalb sind die „Schießer“ nicht allzu beliebt. Der „Leger“ gilt da schon eher als Feingeist, immerhin gestaltet er das Spiel. Ein Leger kann an das Schweinchen spielen und damit ein Hindernis für den Gegner legen. Legt er die Kugel an das Ziel, setzt er den Gegner unter Druck. Eine Kugel hinter dem Schweinchen bringt Punkte, wenn die Sau bewegt wird und die meisten anderen Kugeln davor liegen. „Es gibt kaum eine Sportart, bei der sich so schnell grundlegende Änderungen ergeben. Nach jedem Wurf ist die Spielsituation eine ganz andere. Darauf muss man sich immer wieder neu einstellen“, so Gossen. 

Und wer genau hinsieht, der erkennt: Tatsächlich ist Boule echte Präzisionsarbeit. Nuancen in der Körperhaltung können den Unterschied machen. Technik und Ballgefühl sind alles. Der eine verharrt fast aufrecht, der andere beugt den gesamten Körper. So mancher holt weit aus, der nächste dreht etwas die Hand, die knapp seitlich an der Hüfte vorbeizieht. Er nimmt sich viel Zeit, sie schießt sofort. Es gibt Spieler, die beim Wurf das Gesicht dramatisch verziehen und andere, die gänzlich ohne Mimik auskommen. Die meisten stehen aufrecht, andere gehen leicht in die Knie. Die Kugel kann mittig im Handballen gehalten werden, bisweilen wird sie aber auch nur mit den Fingerspitzen berührt. Eines aber eint die Boule-Aktiven: Wenn der Schießer mit dem letzten Wurf das ganze Spiel auf den Kopf stellt, verfallen sie in Ekstase. Den Moment liebt Manfred Gossen, dafür kommt er zum Boule-Platz.