Kranenburg: Bauern kämpfen auch für Bienchen

Landwirte Kranenburg : Bauern kämpfen auch für Bienchen

Kranenburger Landwirte haben im Zuge der Aktion "NRW blüht auf" Saatgut gegen das Insektensterben verteilt. Ihre Mission: das Gespräch mit Bürgern. Von denen wünsche man sich mehr Respekt, von der Politik weniger Aktionismus.

Die Bauern machen dort weiter, wo sie im vergangenen Jahr aufgehört haben: Am Freitagvormittag protestierten deutschlandweit erneut Tausende Landwirte gegen die neue Agrarpolitik von Bund und EU. So auch die Kranenburger Milchviehhalter. Nun aber nicht mit Kundgebungen vor den Ministerien in Bonn und Berlin, sondern mit insektenfreundlichen Blühmischungen – in der Frischearena. „Wir sind nicht alleine verantwortlich für den Rückgang der Insekten, das müssen wir den Leuten erklären“, sagt Arno Bienenscholt. Hinter der landesweiten Aktion steckt die Gruppe „Land schafft Verbindung“, eine Vereinigung von knapp 40.000 Landwirten, die zuvorderst über soziale Netzwerke zueinander gefunden haben. Anlass der Protestaktion ist die Landwirtschafts-Messe „Grüne Woche“, die am Freitag in Berlin eröffnet wurde.

Doch den Landwirten geht es nicht nur um Bienchen und Blümchen. Bienenscholt und Kollegen nutzen die Bühne der Frischearena, um ihrem Unmut freien Lauf zu lassen. „Wir haben es Jahr für Jahr mit immer höheren Auflagen zu tun, dennoch sind wir der Sündenbock für alles – Insektensterben, Klimawandel, Umweltverschmutzung. Das kann doch nicht wahr sein“, sagt Ulrich Heesen. Es werde kaum mehr mit Daten und Fakten argumentiert, dafür mit Vorurteilen und Halbwahrheiten. Das Beispiel Nitratbelastung im Grundwasser zeige genau das. „Da wird bei heutigen Auflagen mit Messwerten aus dem Jahr 2012 gearbeitet. Außerdem muss man doch betrachten, dass es Jahrzehnte dauert, bis das Grundwasser durchsickert. So macht man uns jetzt für Fehler verantwortlich, die vor 15 oder 20 Jahren gemacht worden sind“, sagt Bienenscholt. Zudem würden, so sagt er weiter, die Kranenburger Milchviehhalter beweisen, dass konventionelle Landwirtschaft mit der Schonung des Grundwassers vereinbar sei: „In Kranenburg werden die Nitrat-Grenzwerte überall deutlich unterschritten.“

Auch von der Politik fühle man sich im Stich gelassen. „Man kann nicht immer nur sagen, die EU wäre schuld. Da muss auch mal der Bund ran“, sagt Heesen. Es brauche im Landwirtschaftsministerium mehr Verständnis für die von Auflagen gegängelte Landwirtschaft – siehe Mercosur-Abkommen. Der Handelsvertrag sorgt für einen gemeinsamen Markt der EU-Staaten und den Ländern Südamerikas. Die Sorge der Bauern: laxere Kontrollstandards bei Lebensmittelimporten könnten für den heimischen Agrarsektor einschneidende Folgen haben. Der Markt könne überflutet werden, kleinere Höfe würden verschwinden. „Das Wichtigste ist aber, dass die Verbraucher umdenken. Wir bemerken mittlerweile auch bei der Landbevölkerung, dass es wenig Verständnis für unsere Arbeit gibt. Die Verbraucher fordern viel von uns, wollen aber möglichst wenig zahlen“, sagt Heesen. Es sei ein Irrglaube des Konsumenten, man könne mit Vieh genauso umgehen wie mit dem Haushund, der im Bett des Herrchens schlafen darf. „Das heißt nicht, dass wir nicht gut zu unseren Tieren sind, ganz im Gegenteil“, sagt Bienenscholt.

Vor Ort aber fällt auf: Allzu negativ scheint zumindest die Kranenburger Landbevölkerung den Anliegen der Bauern nicht gegenüber zu stehen. „Von eurer Sorte bräuchte es mehr“, ruft eine Passantin den Bauern im Vorbeigehen zu. Ein anderer sagt: „Bleibt am Ball, dass die Politik euch endlich hört.“ Auch die Blumensamen sind schnell vergriffen. Das Ziel: Bürger sollen von Steinwüsten im Vorgarten Abschied nehmen, stattdessen sollen neue Lebensräume für Insekten geschaffen werden. „Um dem Insektenrückgang entgegenzuwirken, müssen alle mitanpacken. Wir leisten unseren Beitrag, aber auch die Verbraucher und die Politiker müssen ran“, sagt Bienenscholt.