Kleve: Kosten kommen auf den Tisch

Kleve: Kosten kommen auf den Tisch

Kleves Unterstadt wird neu erfunden. Der Technische Beigeordnete Jürgen Rauer über Masterpläne, Finanzen, das laufende Verfahren und Bauen als Wirtschaftsförderung sowie Arbeitsplatzsicherung.

Nach dem Werkstattverfahren zur Bebauung der Klever Unterstadt blieben drei Teams übrig, die bald zur Wahl stehen werden. Über das Verfahren, seine Fortsetzung und hohe städtische Investitionen in der Krise sprach RP-Redakteur Matthias Grass gestern mit Kleves Technischem Beigeordneten Jürgen Rauer.

Die Stadt hat drei Entwürfe ausgewählt. Warum ist es sinnvoll, eine solche Vorauswahl zu treffen?

Jürgen Rauer Wir haben das Verfahren von vornherein so vorgestellt, dass wir zu drei Varianten jeweils zwei Teams antreten lassen und davon drei ausgewählt werden. Das machten Fachleute nach sachlichen Kriterien. Die Lenkungsgruppe stellte auch sicher, dass sich alle an die Vorgaben ihres Fachgebietes halten. Das war alles vorher bekannt — auch mit der Auswahl. Das lässt sich dann auch nicht, wenn alle gute Entwürfe vorgelegt haben, im Laufe des Verfahrens ändern. Uns wäre es sogar noch lieber, wenn wir nur zwei Entwürfe hätten — dann würde man ein einstimmiges Ergebnis erhalten. Deshalb gibt es auch kein Bürgerreferendum, sondern eine Bürgerbefragung. Das Gesamtverfahren ist durch das Europarecht stark reglementiert.

Werden Sie nach Ablauf der Einspruchsfrist auch die Kosten und die Auswahlkriterien öffentlich vorstellen?

Rauer Wir werden dann sowohl die Kosten als auch die Kriterien, nach denen wir ausgewählt haben, vorstellen und dokumentieren.

Wir haben es mit ganz verschiedenen Gebäuden und Konzepten zu tun. Wie kann man diese Kosten vergleichbar machen?

Rauer Zunächst wird die Funktionalität geprüft, dann werden die vermietbaren und anmietbaren Flächen und der Bedarf an Flächen berechnet. Zusätzlich haben die Teams die Kosten nach den Quadratmeterpreisen selber angesetzt. Da lässt sich ablesen, ob das hoher Standard oder weniger hoher Standard ist. Hinzu kommt die Frage nach den Folgekosten — auch dazu sind in den Teams entsprechende Fachleute. Diese Erstellungs- und Betriebskosten werden auf eine 25-jährige Nutzung hochgerechnet. Das ergibt den Barwert eines Hauses, mit dem wir die Lebenszykluskosten bekommen, der kurz- und langfristige Kosten vergleichbar macht.

Der Bürgermeister hat mehrfach versprochen, das Verfahren zeitnah umzusetzen. Wie erreicht die Stadt die entsprechenden Investoren?

Rauer Es folgt ein Investorenverfahren. Auch das muss europaweit ausgeschrieben werden.

Was bedeutet Investorenverfahren?

Rauer Wir bieten ja Grundstücke zum Verkauf mit der Sanierung oder dem Neubau eines Rathauses. Das müssen Investoren auch leisten können. Wir gehen aber davon aus, dass sich viele melden werden, die das können. Zumal, wenn verschiedene Bauabschnitte gebildet werden können.

Mit dem Büro Scheuvens+Wachten hat die Stadt einen Masterplan erarbeitet. Liegen die Entwürfe in dessen Rahmen?

Rauer Die drei Entwürfe liegen nicht nur im Rahmen des Masterplans von Scheuvens+Wachten, sondern auch im Rahmen des lange diskutierten Einzelhandelskonzepts für die Stadt Kleve.

Kann die Stadt die darin genannten 5000 Quadratmeter zusätzlicher Einzelhandelsfläche vertragen?

Rauer Das Einzelhandelskonzept ist erst 2007 bestätigt worden. Die Zahlen sind ohne weiteres vertretbar. Zumal wir mit den neuen Planungen im mittelgroßen Bereich von Geschäftsflächen liegen, die es auf der Großen Straße kaum gibt. Wir haben in der 1-A-Lage leider vor allem kleinere Flächen. Sicher wird es im Zuge der Unterstadt-Bebauung zu Bereinigungen kommen. Dann müssen die Vermieter ihre Flächen vermietbarer machen — beispielsweise durch Kooperationen und Zusammenlegungen.

Werden die drei verbliebenen Teams noch einmal vorgestellt — mit Kosten und Plänen?

Rauer Ja — wir werden am 12. und 25. Mai zwei große Bürgerpräsentationen veranstalten, in denen auch die Kosten und die Wirtschaftlichkeit der Projekte vorgestellt werden. Das wird wieder in der XOX sein.

Sie investieren mitten in der Krise — was sagen die Erfahrungen, inwieweit profitiert überhaupt die hiesige Wirtschaft davon?

Rauer Bautätigkeit ist Wirtschaftsförderung und Arbeitsplatzsicherung. Zu einem großen Prozentsatz bleiben auch die europäischen Ausschreibungen in der Region. Aber selbst wenn der Rohbau an eine große auswärtige Firma gehen sollte, die Nachfolgeaufträge bleiben hier — wie Maler und Trockenbauer. Dazu werden Beton und all die anderen Arbeitsmaterialien vor Ort besorgt. Es bleibt also sehr viel Geld in der Region. Es ist gerade in Krisenzeiten wichtig, a-zyklisch zu investieren. Hinzu kommt, dass wir mit dem Bau der Unterstadt Ende 2010 beginnen, wenn die Mittel aus dem Konjunkturprogramm ausgelaufen sind.

(RP)
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