Konzertkritik - So war das Dreikönigskonzert des Collegium Musicum Kleve

Konzertkritik : Glanzvolles Dreikönigskonzert des Collegium Musicum Kleve

In einer vollbesetzten Christuskirche spielte das Collegium Musicum Kleve ein beeindruckendes Dreikönigskonzert. Im Fokus standen Stücke von Antonio Vivaldi und Johann Sebastian Bach, die die Künstler trotz hoher Anforderungen zu meistern wussten.

Zur Tradition im Klever Musikleben gehört sicherlich das Dreikönigskonzert des Collegium Musicum Kleve. Im diesjährigen Konzert, bei dem sich die Ausführenden über eine vollbesetzte Christus-König-Kirche freuen durfte, dominierten die Werke der Meister des Barock, Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi. Am Beginn stand der Eingangschor aus der Kantate „Wie lieblich sind auf den Bergen“ von Johann Michael Bach, der – wegen seiner Tätigkeit als Kantor der Stadt Tann in der Rhön – auch den Beinamen „Bach in der Tanne“ erhielt und dessen 200. Todestag sich heuer jährt.

Als die ersten Takte der Kantate erklangen, fühlten sich die Zuhörer für einen Augenblick an den Mittelrhein versetzt, zeigte doch die Melodie des Eingangschores eine starke Ähnlichkeit mit dem Volkslied „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten?“, das – nach einem Gedicht von Heinrich Heine – aber erst 1838 durch Friedrich Silcher vertont wurde. Der für das Dreikönigskonzert gebildete Projektchor von rund 40 Stimmen zeigte sich von Anfang an präsent und konzentriert und brachte die Versvertonung aus dem Buch Jesaja mit klarer Stimmführung, aufmerksam begleitet vom Collegium Musicum (Konzertmeisterin: Marie-Luise Hartmann), zum Klingen.

In der Mitte des Konzertes stand die Orchestersuite C-Dur BWV 1066. Eine gewaltige Ouvertüre zu Beginn des Werkes, das – wegen der Komplexität der Bachschen Kompositionskunst – besonders im Fugato-Mittelteil hohe Anforderungen an das Zusammenspiel des Orchesters stellt. Das Collegium zeigte sich – trotz einiger kleiner Tempoverschiebungen zu Beginn in den Streichern – diesem hohen Anspruch unbedingt gewachsen. Besondere Erwähnung verdient hier das hervorragende Spiel der beiden Oboistinnen Christiane Karagaschki und Britta Butgereit, die sich beim Spiel ablösten, ohne dass ein Wechsel zu hören war; sie prägten  das Konzert maßgeblich mit. Ähnliches gilt auch für die beiden Fagotti, mit Fabiola Hallen und Gerrit Gehnen besetzt, in engem Kontakt mit dem Kontrabassisten Rüdiger Gonnert und Wim Wijting an der Orgel.

Das Konzert beendete eine Vertonung des 110. Psalms des Venezianers Antonio Vivaldi (RV 807). Die Sopranistin Mirjam Hardenberg, zuvor bereits im Collegium als Cellistin aktiv, die Altistin Tamar Sharon Hufschmidt sowie die Tenöre Felix Schmidt und Johannes Mang übernahmen die Solopartien im Wechsel mit dem Chor. Vivaldis Komposition ist gekennzeichnet von vielen sehr unterschiedlichen musikalischen „Gefühlszuständen“: Von sehr getragen bis hoch dramatisch. Auch dies eine besondere Herausforderung für Chor und Orchester. Solisten und Chor gelang hier eine sehr gute Wiedergabe dieser unterschiedlichen „Stimmungen“. Maßgeblichen Anteil am hervorragenden Gesamteindruck, den das Dreikönigskonzert hinterließ, hatte Kantor Johannes Feldmann, der mit klarem und einfühlsamen Dirigat die „Fäden“ in der Hand hielt und souverän durch das Konzert führte.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer dankten den Ausführenden mit langanhaltendem und begeistertem Applaus in der weihnachtlich geschmückten Christus-König-Kirche. Wolfgang Dahms