Kreis Kleve: Konkurrenz aus Eindhoven

Kreis Kleve: Konkurrenz aus Eindhoven

Weil die deutsche Luftverkehrsabgabe die Gewinnspanne für Fluggesellschaften deutlich verkleinert, ist der grenznahe Raum für Ryanair und Co. unattraktiver geworden. Ludger van Bebber hofft auf bessere Zeiten.

Ludger van Bebber, der Geschäftsführer des Airport Niederrhein, rechnet 2011 mit einem deutlich schlechteren Geschäftsergebnis als im Vorjahr. Bei 26 Prozent weniger Passagieren im August im Vergleich zum Sommer 2010 bleibt das nicht aus.

Die Schuld an der Entwicklung gibt er vor allem der Einführung der Ticketsteuer, die kleine Airports in Grenznähe viel härter treffe als andere. Bei aller Unzufriedenheit über die derzeitige Situation motiviert sich van Bebber jedoch selbst: "Es handelt sich um eine Momentaufnahme. Wir hatten schon weitaus ernstere, ja existenziell bedrohliche Phasen zu überstehen."

Marktbedingungen

Im Fluggeschäft (wie in jedem anderen auch) muss man die Marktbedingungen kennen. "Jeder hatte zum Beispiel zurecht mit einem Ölpreisanstieg gerechnet, aber nicht damit, dass die Politik mit einer neuen Steuer unsere Entwicklung bremst." So ist es aber gekommen. Van Bebber hofft nach wie vor, die Bundesrepublik möge die Sache noch einmal überdenken. Auch die Niederlande und Irland hätten die Steuer schließlich schon einmal eingeführt und wieder abgeschafft, als die Fluggäste ins Ausland abwanderten.

  • Fotos : Das ist der Airport Weeze

Dass auch die (bislang) zur Hälfte niederländischen Kunden des Weezer Flughafens jetzt wieder aus dem Heimatland abfliegen, hat eine Befragung einer unabhängigen Firma kürzlich ermittelt. Danach sagten 58 Prozent der befragten Niederländer aus, sie würden nicht mehr ab Weeze fliegen, 25 entschieden sich zuletzt für Eindhoven. "Aus den Niederlanden starten und sparen" — so oder ähnlich werben derzeit Veranstalter, die ihre Gäste aus dem Grenzraum wieder gerne in Amsterdam oder Rotterdam an Bord gehen lassen. Ob das Ticket in Eindhoven für den Fluggast tatsächlich günstiger ist, ist dabei eine andere Frage.

Wer das herausfinden möchte, muss im Internet Probe-Buchungen vornehmen. Und wird herausfinden, dass auch jetzt noch einige Ziele günstiger ab Weeze zu erreichen sind. Beispiele: Ein Shopping-Wochenende nach Mailand im November ist ab Weeze für 56 Euro zu haben, ab Eindhoven für 63 Euro. Auch Faro — vor den Herbstferien — kostet ab Weeze weniger. Ein Stockholm-Besuch über den Jahreswechsel hingegen ist ab Weeze teurer (167 gegenüber 113 Euro). Für das Sonnenziel Malaga — selbst im Februar sehr beliebt — müssen Passagiere ab Niederrhein deutlich tiefer in die Tasche greifen.

"Für Ryanair ist es ein Riesenunterschied, ob sie von einem Ticketpreis acht Euro für die Steuer weitergeben müssen oder nicht. In unserer Region kann der Preis nicht über ein bestimmtes Level hinaus angehoben werden. Wenn die Buchungen nicht ausreichen, nimmt die Airline die Strecke raus." Das hat Ryanair bekanntlich im Frühjahr getan mit der Folge, dass im Winterflugplan 31 gegenüber 44 Ziele im Vorjahr angeflogen werden. Eindhoven hat "nur" 22 Ryanair-Ziele, dafür aber noch eine Reihe anderer Airlines im Angebot.

(RP/rl/jul)
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