Kleve: "Kommunikationspanne" bei Rodungen

Kleve: "Kommunikationspanne" bei Rodungen

Ein PR-Berater sagte im Umweltausschuss, dass die Informationspolitik über die Baumfällungen für die e-Radbahn schlecht war. Weil viele dachten, der Radweg dürfe nur mit E-Bikes befahren werden, heißt er jetzt Europaradweg.

Die e-Radbahn soll ein Vorzeigeprojekt werden. Eine schnelle, umweltfreundliche Verbindung für Radfahrer von Kleve über Kranenburg bis nach Nimwegen. Doch als bekannt wurde, dass für den Bau 1500 Bäume gefällt werden müssen, verstummte der Applaus. Beim Umweltausschuss, der gestern erstmals unter Beteiligung von Kranenburger Politikern im Klever Rathaus stattfand, bemühte sich die Verwaltung, den Radweg wieder ins positive Licht zu rücken.

Unterstützung gab es von einem PR-Berater: Volker Meier von der Firma Horschler Kommunikation GmbH aus Unna warb für die e-Rad-Bahn. Die sei nicht nur "komfortabel", "attraktiv" und "schnell", sondern auch "umwelt- und klimafreundlich". Allerdings sollte sie künftig besser anders heißen, schlägt der Fachmann für Öffentlichkeitsarbeit vor. "Alle dachten, dass das ,E' für E-Bikes steht und man die Strecke nur mit diesen Rädern befahren darf. Das ist aber nicht so", sagte Meier. "Die Lösung: Aus ,e' für Elektro wird Europa", so Meier weiter. Diese sei eine Verbesserung in der "Wort-Bild-Marke". Als "Sub-Slogan" (Untertitel, d. Red.) schlug er vor: "Grenzenlos fietsen", wobei er einräumte, diesen niederländischen Ausdruck bis vor kurzem noch nie gehört zu haben.

Um die Europaradbahn besser vermarkten zu können, dürfe man nicht nur die Umweltaspekte bewerben, so Meier. "Radfahren muss Spaß machen", sei die zentrale Botschaft. Außerdem verbinde die Trasse "wichtige Punkte im Alltag". Die Europaradbahn erhält auch eine eigene Internetseite. Unter www.europa-radfahren.de können sich Interessierte demnächst Interviews mit "Bekennerinnen und Bekennern", so Meier, also begeisterten Nutzern des Radwegs, ansehen.

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Der PR-Berater ging auch auf die Baumrodungen, die bereits bis kurz vor die Gemeindegrenze zu Kranenburg fortgeschritten sind, ein. "In der Kommunikation ist ein Fehler passiert. Das war eine Kommunikationspanne. Da müssen wir deutlich anders mit umgehen." Wie viele Gehölze im Bereich der Trasse wachsen, wie dick die Bäume sind und wie viele fallen müssen, das erfuhr die Politik eher tröpfchenweise. Letztendlich kam heraus, dass die Stadt ein auswärtiges Büro bestellt hatte, die Bäume zu zählen. Demnach müssen rund 1550 Gehölze auf einer Fläche von 35.500 Quadratmetern entfernt werden. Meier hätte "das Thema nicht so hoch gehängt", betonte er. "Es war doch klar, dass Bäume fallen müssen."

Bernhard Klockhaus, Leiter des Fachbereichs Tiefbau, erläutere die Planungen für den Radweg. Demnach soll es einen Fahrradverleih, Rastplätze und eine Beleuchtung innerorts geben. Der Radweg soll auf drei Metern in beide Richtungen befahrbar und Überholen möglich sein. Auf Klever Seite soll er innerorts von einem Gehweg begleitet werden. Wenn der Weg auf untergeordnete Straßen trifft, sollen die Radler Vorfahrt haben, bei übergeordneten Straßen Induktionsschleifen für eine "grüne Welle" sorgen. Die Fertigstellung soll im Sommer 2019 sein. Hinsichtlich der Baumrodungen sprach auch Klockhaus von einer Kommunikationspanne. "Wir haben das Thema nicht transparent genug behandelt", sagt er. Die Maßnahmen würden aber unter Aufsicht und nach den Vorgaben des Naturschutzbeirats des Kreises Kleve geführt. Man werde dokumentieren, wie und wo aufgeforstet wird.

Auf Seiten der Kranenburger Politik sorgte man sich vor allem um "Horden von Rennradfahrern", die den E-Rad-Weg "unsicher" machen könnten. Dazu Klockhaus: "Die Straßenverkehrsordnung muss eingehalten werden. Der Radweg ist für alle Fahrräder da."

(RP)