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Silke Gorissen (CDU) will Landrätin für den Kreis Kleve werden

Silke Gorissen (CDU) will Landrätin werden : „Ich stehe für Kommunikation“

Sie hat sich gegen einen parteiinternen Mitbewerber durchgesetzt und tritt an gegen den amtierenden Bürgermeister ihres Wohnorts sowie gegen einen „Unparteiischen“. Wir sprachen mit der Landratskandidatin.

Bitte stellen Sie sich doch kurz vor. Wer sind Sie – und was macht Sie aus?

Silke Gorißen Ich bin 48 Jahre alt, geboren in Kleve als erstes von sechs Kindern einer Kaufmannsfamilie. Nach meinem Abitur am Freiherr-vom Stein-Gymnasium in Kleve habe ich in Bonn Rechtswissenschaften studiert und mein Referendariat im Landgerichtsbezirk Kleve gemacht. Mit zwei Anwaltskollegen arbeite ich als selbstständige Rechtsanwältin in einer Klever Kanzlei. Ich bin seit elf Jahren Fraktions- und Parteivorsitzende der CDU Bedburg-Hau, war von 2009-2014 Mitglied des Kreistages und bin seit drei Jahren stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende. Mit meinem Lebensgefährten und unserem gemeinsamen Sohn lebe ich in Bedburg-Hau. In meiner Freizeit bin ich mit Familie und Hund viel per Rad oder zu Fuß unterwegs.

Was ist Ihr wichtigstes Thema im Wahlkampf – und wie wollen Sie es anpacken?

Gorißen Viele wichtige Themen will ich angehen. Ich möchte eine Top-Wirtschaftsregion mit einem starken Mittelstand und Handwerk und einer leistungsfähigen Landwirtschaft. Die Menschen sollen bei uns im Kreis Arbeit haben und eine hohe Lebensqualität vorfinden. Dazu gehören gute Betreuungs- und Bildungsangebote, wohnortnahe ärztliche Versorgung und kulturelle Vielfalt.  Die Kreispolizeibehörde muss sehr gut aufgestellt sein, um die Sicherheit für die Bevölkerung zu gewährleisten. Die Kreisverwaltung möchte ich zu einer serviceorientierten Behörde weiterentwickeln mit umfangreichen digitalen Angeboten. Die Verkehrsinfrastruktur muss modern und zuverlässig sein.

Aus welchem Fehler haben Sie schon einmal gelernt?

Gorißen Aus vielen Fehlern habe ich gelernt. Wichtig ist, sein eigenes Handeln zu reflektieren und sich auch einzugestehen, wenn man selbst etwas falsch gemacht hat.

Sehen Sie Möglichkeiten, dem ÖPNV im Kreis neue Impulse zu geben?

Gorißen Ja, definitiv. Der ÖPNV muss zuverlässig sein und Menschen berzeugen, öfter das Auto stehen zu lassen. Dafür müssen aber auch die Anbindungen attraktiv sein und ermöglichen, dass man unproblematisch von A nach B kommt. Auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes halte ich es für wichtig, die Weichen für die Zukunft hier und da neu zu stellen. Dazu gehört auch, dass die Nutzung des ÖPNV kostentechnisch attraktiv sein sollte. Dies kann aber nur in Zusammenarbeit mit den Kommunen geschehen.

Wie wollen Sie bezahlbares Wohnen im Kreis ermöglichen? Setzen Sie auf Verdichtung im Inneren oder auf neue Wohngebiete?

Gorißen Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum in unseren Städten und Gemeinden. Der Bedarf ist jedoch unterschiedlich hoch. Der Kreis Kleve muss unterstützen bei der Bewilligung von Fördermitteln für die Schaffung von preisgünstigem Mietwohnraum für einkommensschwache Haushalte, Familien und Senioren. Die Kreis Klever Bauverwaltungs-GmbH hat ihren Geschäftsbereich ausgeweitet, um die Entstehung neuer Wohnungen aktiv zu unterstützen.

Wie beurteilen Sie die Infrastruktur im Kreis, auch digital – und wie wollen Sie dieses Thema vorantreiben?

Gorißen Wir verfügen im Kreis Kleve über eine gute Infrastruktur, die aber weiter ausgebaut werden muss. Dies gilt insbesondere für den flächendeckenden Glasfaserausbau und die Digitalisierung der Kreisverwaltung, um den Bürgern eine schnellere und serviceorientierte Dienstleistung zu bieten. Aber auch die Zusammenarbeit mit den Kommunen muss durch die Digitalisierung erleichtert werden.

Viele junge Familien beschäftigt, ob ihr Kind einen guten Kita-Platz bekommt – und wie es danach auf den Schulen weitergeht. Wo muss dringend nachgebessert werden?

Gorißen Der Kreis Kleve ist gut aufgestellt bei der Betreuung. Er betreut als Jugendhilfeträger elf Kommunen. Für jedes Kind steht ein qualifiziertes Betreuungsangebot zur Verfügung. Wichtig ist mir jedoch der Ausbau der Tagesrandzeitenbetreuung. Viele Familien haben ein Problem, wenn zum Beispiel im Schichtdienst gearbeitet wird. Dann reichen die bisherigen Angebote oftmals nicht aus.

Muss nach der Corona-Krise in den kommenden Jahren der Gürtel noch enger geschnallt werden? Oder muss nun investiert werden? Und wenn ja – in was?

Gorissen Der Kreis Kleve hat in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen getätigt: Die Neubau- bzw. Umbaumaßnahmen bei den Berufskollegs sind eines von vielen Themen. Wir werden auch künftig investieren müssen, zum  Beispiel in Digitalisierung und energetische Gebäudesanierungsmaßnahmen. Wer notwendige Investitionen liegen lässt, steht für Stillstand und damit Rückschritt, der am Ende teurer wird. Selbstverständlich muss aber wirtschaftlich vernünftig investiert werden. Nach der Corona-Pandemie muss dafür Sorge getragen werden, dass wir die Haushalte konsolidieren und an nachfolgende Generationen denken.

Der Flughafen Weeze ist ein Streitthema: wichtiger Wirtschaftsfaktor oder Fass ohne Boden? Wären Sie bereit, in Zukunft neue Millionen zuzuschießen – und wie muss sich der Flughafen entwickeln?

Gorißen Die Auswirkungen der Corona-Krise haben alle Flughäfen stark getroffen. Vor Herbst werden wir vermutlich keine Prognosen dazu erhalten, wie sich der Flugverkehr in den kommenden Jahren entwickeln wird. Viele Arbeitsplätze sind mit dem Flughafen verbunden. Wir haben ein Interesse daran, eine genehmigte Verkehrsinfrastruktur nicht einfach aufzugeben. Das Land hat den Flughafen Weeze als landesbeutsam eingestuft.  Daran muss es sich messen lassen, wenn es um eine notwendige finanzielle Unterstützung geht. Wenn belastbare  Prognosen vorliegen, muss genau überlegt werden, wie man sich in finanzieller Hinsicht zum Flughafen positioniert.

Immer wieder hat es in den vergangenen Jahren öffentlich auch Kritik an der Führung des Landrats gegeben. Stichworte: Kita-Streiks, Flüchtlinge, zuletzt die Leiharbeiter-Diskussion. Braucht es einen neuen Stil im Kreishaus?

Gorißen Ich stehe für Kommunikation, Teamarbeit und Transparenz. Mir ist wichtig, dass die Kreisverwaltung sich als Dienstleister am Menschen versteht und für seine Kommunen da ist. Ich möchte klare Vorgaben formulieren und gemeinsam mit den Mitarbeitern der Kreisverwaltung die Umsetzung angehen und an einigen Stellen neue Wege beschreiten. Nicht zuletzt ist ausschlaggebend, dass die Mitarbeiter der Kreisverwaltung gerne arbeiten - Motivation und ein gutes Betriebsklima sind wichtige Bedingungen für eine starke, bürgerfreundliche Kreisverwaltung.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Stärken des Kreises Kleve - und was wollen Sie in den nächsten Jahren gezielt anpacken?

Gorißen Der Kreis Kleve ist gut aufgestellt und hat  sich sehr gut weiterentwickelt. Die Wirtschaft  mit ihren mittelständischen Unternehmen und ihren Handwerksbetrieben wurde gestärkt, die Finanzen sind solide. Der Kreis Kleve bietet seinen Menschen eine liebens- und lebenswerte Heimat mit hoher Lebensqualität, einer ausgezeichneten Infrastruktur, einer hervorragenden Bildungslandschaft und vielfältigen Möglichkeiten der Lebensgestaltung. Man darf sich aber nicht auf den Erfolgen ausru­hen. Auch gibt es Bereiche, in denen Verbesserungsbedarf besteht: die Digitalisierung, der Klimawandel,  der demographische Wandel, die Bewältigung der Corona-Krise. Bei der Lösung dieser Zukunftsaufgaben möchte ich mit unseren 16 Kommunen eng und partnerschaftlich zusammenarbeiten.