1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve
  4. Kommunalwahl

Rolf Janßen ist Kandidat der Grünen Kleve bei Kommunalwahl 2020

Interview : Kleve voranbringen – jetzt

Rolf Janßen ist der Kandidat der Grünen in Kleve. Für Kleve seien neue Impulse und ein konsequenteres Anpacken und Gestalten angezeigt, sagt der erfahrene Verwaltungsfachmann und Kenner der Kreisstadt.

Bitte stellen Sie sich doch kurz vor. Wer sind Sie – und was macht Sie aus?

Rolf Janßen Ich bin 56 Jahre alt und seit 25 Jahren verheiratet, wir haben drei erwachsene Kinder. Zu meinen Hobbys gehören der Musikverein Zyfflich (Tuba, einige Jahre Vorsitzender), der örtliche Schützenverein (2002 Schützenkönig) sowie der Heimat- und Geschichtsverein. Viele Jahre war ich im Karneval aktiv, in der Bütt und als Sitzungspräsident. Wandern, Fahrradfahren, Skilaufen, Motorradfahren gehören auch dazu. Beruflich verfüge ich über eine umfangreiche Verwaltungserfahrung, in nahezu allen hierarchi­schen Ebenen und Funktionen. Ergänzt wird dies um betriebs­wirtschaft­liche Kenntnisse sowie eine mehr als 17jährige Leitungs­erfahrung auf Geschäfts­führungs­ebene, zum großen Teil in Kleve (USK). Dabei war ich für Kommunal­betriebe von bis zu 500 Mitarbei­tenden verant­wortlich wie in Karlsruhe. Seit März 2018 bin ich Geschäftsführer der Kreis Kleve Abfall­wirtschafts­gesellschaft mbH (KKA). Meine breite Management- und Verwaltungserfahrung, die Fähigkeiten zur Motivation und Moderation sind wichtige Kompe­tenzen für das Amt eines Bürger­meisters. Diese kann ich ergänzen um Krea­tivität, Innovations­bereit­schaft und Agilität.

Was ist Ihr wichtigstes Thema im Wahlkampf – und wie wollen Sie es anpacken?

Janßen Mein Wahlmotto ist „Kleve voranbringen – jetzt!“ Kleve verfügt über aufstre­bendes Potential. Die Veränderungen der letzten Jahre beruhen in wesent­lichen Teilen auf Entschei­dungen und Konzepten, die vor etlichen Jahren entwickelt, teils erst mit Verzöge­rung oder noch gar nicht um­gesetzt wurden. Insge­samt sind neue Impulse und ein konsequentes „Anpacken“ sowie Gestalten angezeigt. Und dies in vielen Bereichen: Umwelt/Klima, Mobilität, Schulen, Betreuung, Wirtschaft, Digitalisierung, Stadtentwicklung, um nur Einiges zu nennen. Wichtig wäre mir auch eine Verwaltungsmodernisierung im Sinne des „Agilen Managementes“. Gerne würde ich meine beruf­liche Erfahrung und Energie dafür einsetzen, zu einem inten­siveren und von Dynamik geprägten Fort­schritt zu kommen. Und damit zu einer positiven Entwicklung der Stadt Kleve beizutragen. Dies vor Allem gemeinsam mit allen Betroffenen.

Aus welchem Fehler haben Sie schon einmal gelernt?

Janßen Ich würde es einmal so formulieren wollen: Ich habe gelernt, dass es von grundlegender Bedeutung ist, in maßgebliche Entscheidungsprozesse insbesondere alle Betroffene einzubeziehen. Deren Bedürfnisse, Erwartungen, Bedenken so gut als eben möglich zu berücksichtigen, im Blick zu halten und offen zu kommunizieren. Es kommt auf ein gutes Zusammenspiel an. Dies ist für den Erfolg von Projekten bzw. Veränderungsprozessen entscheidend. Die Realisierung muss dann konsequent zeitnah erfolgen, da dies sonst nicht mehr als Erfolg wahrgenommen wird.

Kann man dem ÖPNV neue Impulse geben?

Janßen Ohne Einschränkung: Ja! Allerdings ist der ÖPNV nur ein Baustein des Themas Mobilität. Hier haben sich Bedürfnisse und Erwartungen verändert. Früher lag der Fokus auf dem Individual-­Verkehr von Pkw. Vermehrt wird heute jedoch primär erwartet, von A nach B zu kommen, und zwar verlässlich, bequem, zügig, einfach und zeit­gerecht – auch von den Außenortschaften. Dabei möchte man flexibel auf einen geeig­neten „Verkehrs­mittel-Mix“ zu­greifen können. Wir brauchen daher einen übergreifenden „Masterplan Verkehr und Mobilität“. Neben einer besser ausgebauten Infrastruktur für den Radverkehr gehört dazu der Ausbau des ÖPNV, auch unter Einbeziehung von on-demand-Angeboten. Wir brauchen „Mobilitäts-Hotspots“, an denen E-Lademöglichkeiten, Haltestellen ÖPNV, Carsharing, Fahrradpark- und -verleihmöglichkeiten vereint sind. Ich möchte gerne eine Kleve­mobilApp voranbringen, der Park­plätze (Pkw und Fahr­räder) einschließ­lich deren Belegung, barriere­freie Park­plätze, Bau­stellen, E-Lade­stationen, ÖPNV-Halte­stellen, -Fahr­pläne und -Strecken­verläufe entnom­men werden können. Ergänzt um Möglich­keiten zur Anfor­derung des Bus-on-Demand, Routen­empfeh­lungen, Car­sharing-Plätze bis hin zu Möglich­keiten, Park­entgelte oder Fahr­karten mobil zu zahlen.

Wie wollen Sie bezahlbares Wohnen in Kleve ermöglichen? Braucht es Verdichtung im Inneren oder die Erschließung neuer Wohngebiete?

Janßen Wir brauchen vor allem eine Verdichtung des Wohnraums mit mehr Möglichkeiten für Wohnen in der Innenstadt, aber auch den Außenortschaften. Dazu müssen freie Flächen genutzt werden, die wir haben. Die Stadt sollte gezielt auf die Eigentümer von Immobilien und Grundstücken zugehen und mit ihnen erörtern, wie diese entwickelt werden können.

Wie beurteilen Sie die Infrastruktur in Ihrer Kommune, auch digital – und wie wollen Sie dieses Thema vorantreiben?

Janßen Vor allem bei den Schulneubauten hätte ich mir eine viel höhere Dynamik gewünscht. Auch bei der Digitalisierung haben wir viel liegen gelassen. Das rächt sich jetzt, das Thema ist massiv in der Diskussion. Der Unmut aus den Schulen ist deutlich kommuniziert worden. Da, wo es notwendig ist, muss jetzt schnell und pragmatisch gehandelt werden. Der Medienentwicklungsplan muss umgesetzt und angepasst werden. Für den Breitbandausbau müssen wir notfalls nun nach Zwischenlösungen suchen.

Viele junge Familien beschäftigt erheblich, ob ihr Kind einen guten Kita-Platz bekommt – und wie es danach auf den Schulen weitergeht. Was macht Ihre Kommune da schon richtig – und wo muss dringend nachgebessert werden?

Janßen Gerne würde ich mich für eine zeitnahe und forciertere Realisierung der geplanten Neubauten und Sanierungen einsetzen. Denn der Ort des Lernens ist pädagogisch nicht zu unterschätzen. Die Nach­frage nach einem offenen Ganz­tag an den Grund­schulen ist in Kleve deutlich zuneh­mend. Trotz der geplanten Erwei­terungs­bauten ist hier die anvisierte Quote von 75 Prozent noch nicht erreicht. Momen­tan liegt sie bei 62 Prozent. Auch hier ist eine Forcie­rung gefragt

Sie würden der Bürgermeister sein, der Kleve aus der Coronakrise führt. Der Bereich Finanzen und Investitionen spielt da eine wesentliche Rolle – zumal viele öffentliche Kassen nicht sprudeln. Muss in den kommenden Jahren der Gürtel enger geschnallt werden? Oder ist jetzt die Zeit der Investitionen gekommen? Und wenn ja – in was?

Janßen Die wirt­schaft­lichen Folgen der Corona-Pandemie wirken sich in erheb­lichem Maße auf die kommu­nale Finanz­situation aus. Von der allge­meinen positiven wirtschaft­lichen Entwick­lung der letzten Jahre profitierte auch die Stadt Kleve. Sie wird aber jetzt und in der nächsten Zeit mit deut­lichen Ein­nahme­rück­gängen kon­frontiert. Ich bin der Auffassung, im Hinblick auf die Sicherung der städtischen Finanzen meine bisherigen beruflichen Erfahrung einbringen zu können. Ich möchte betonen, dass nachhaltige Wirtschaftszweige gestärkt aus der Krise kommen. Ökologie und Ökonomie muss zusammengebracht werden.

Soll es wieder eine Bahnlinie nach Nimwegen geben?

Janßen Dazu müsste man erstmal den Bedarf bei den Bürgern in beiden Ländern, die Möglichkeiten als auch die finanzielle Realisierbarkeit analysieren. Allerdings ist eine solche Anbindung ist schon wegen der Studenten auf beiden Seiten der Grenze erstrebenswert.

Wie beurteilen sie den jüngsten Entwurf einiger Klever Bürger für den Minoritenplatz?

Janßen Ich finde es positiv, dass es Leute gibt, die sich aus eigenem Antrieb Gedanken zu diesem „Klever Thema“ gemacht haben. Der Ansatz ist eine gute, weitere Diskussionsgrundlage. Nachdenken muss man über die Versiegelung eines 3000 Quadratmeter großen Platzes. Das Thema ist jedoch schon seit 30 Jahren in der Diskussion, also eine „unendliche“ Geschichte! Man sollte in nicht allzu weiter Ferne dann auch zu einer Entscheidung kommen.