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Kommunalwahl 2020 - Zehn Fragen an Bürgermeisterin Sonja Northing (parteilos) aus Kleve

Kommunalwahl 2020 - Zehn Fragen an Sonja Northing (parteilos) : „Das Amt ist für mich eine Berufung“

Seit 2015 ist Sonja Northing Bürgermeisterin in Kleve. Wenn sie bei der Kommunalwahl im September dieses Jahres nicht wiedergewählt wird, gibt es keinen Plan B für die ehemalige Fachbereichsleiterin für Arbeit und Soziales.

Frau Northing, stellen Sie sich doch kurz vor: Wer sind Sie – und was macht Sie aus?

Sonja Northing Seit 2015 bin ich parteilose Bürgermeisterin der Stadt Kleve. Das ist für mich eine Berufung. Ich bin aufgewachsen in dieser Stadt, ich bin hier zur Schule gegangen und ich habe meine Laufbahn hier begonnen. 1987 in der Stadtverwaltung, seit 2009 war ich Fachbereichsleiterin für Arbeit und Soziales. Ich lebe in, für und mit Kleve. Das ist auch mein Motto. Ich bin ehrlich, redlich, ich habe die nötige Kompetenz. Ich bin krisenerfahren, engagiert und arbeite mit Nachdruck an überparteilichen Lösungen. Ich bin Demokratin durch und durch. Ich bin eine Bürgermeisterin für alle Klever. Ich habe offene Ohren und das Herz an der richtigen Stelle.

Was ist ihr wichtigstes Thema im Wahlkampf?

Northing Ich habe viele Themen, der Klimaschutz liegt mir aber besonders am Herzen. Wenn wir uns nicht darum kümmern, haben wir bald überhaupt keine Themen mehr, die es zu bearbeiten gilt. Klimaschutz hört auch nicht an den Stadtgrenzen auf. Zum Beispiel habe ich das kreisweite Stadtradeln auf den Weg gebracht. Dadurch haben wir in den vergangenen Wochen 163 Tonnen Kohlendioxid vermieden. Wichtig auch der Wirtschaftsstandort Kleve. Hier gilt es, Kleve als Einkaufsstadt und die Gewerbetreibenden weiter zu unterstützen. Als ich Bürgermeisterin der Stadt Kleve wurde, betrug die Ausgleichsrücklage 0 Euro, nun haben wir 30 Millionen Euro angespart. Geld für Krisenzeiten wie diese.  Auch der gesellschaftliche Zusammenhalt ist mir wichtig. In Kleve leben Menschen aus 140 Nationen. Friedlich. Das soll auch so bleiben.

Aus welchen Fehlern haben Sie schon einmal gelernt?

Northing Wichtig ist doch, dass man die Fehler eingesteht und nach einer Lösung sucht.

Sehen Sie Möglichkeiten, dem ÖPNV neue Impulse zu geben?

Northing Das Mobilitätskonzept 2030 steht im Haushaltsplan. Das ist ein guter Ansatz. Sehr gut läuft auch der Citybus. Das Projekt „Bus auf Bestellung“ wird eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs bringen. Die Busse fahren dann auf Bestellung zielgenau nach Wunsch der Bürger. Für die Zukunft kann ich mir auch eine Innenstadt mit weniger Autoverkehr vorstellen. Dazu müssten Park&Ride-Plätze vor den Toren der Stadt gebaut werden.  Zudem müssen wir unsere Stadt fahrradfreundlicher machen und die Radwege weiter ausbauen.

Wie wollen Sie bezahlbaren Wohnraum ermöglichen? Braucht sie Verdichtung im Inneren oder die Erschließung neuer Wohngebiete?

Northing Als ehemalige Fachbereichsleiterin Soziales war es mir wichtig, das Handlungskonzept Wohnen auf den Weg zu bringen. Das dient uns nun als Leitlinie. Wer wohnt in der Stadt, wie wohnen die Klever und wie steht es um die Entwicklung? Fest steht: Schon vor der Hochschule Rhein-Waal gab es Wohnungsknappheit in Kleve. Das müssen wir angehen, mit einer Verdichtung der Innenstadt. Wir lassen aber auch die Ortsteile nicht außen vor, setzen sozusagen auf beide Pferde. Ich möchte die Gewoge weiter unterstützen. Zudem kommt es auf die Mischung an. Alt, jung, Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser. Ich befürworte auch Grundstücke auf Erbpacht.

Wie beurteilen Sie die Infrastruktur in Ihrer Kommune, auch digital?

Northing Zunächst einmal möchte ich die hervorragende Infrastruktur unserer Stadtwerke und Umweltbetriebe loben. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass die Stadtverwaltung digitaler werden muss. Auch hier sind wir auf einem guten Weg. Zu einer guten Infrastruktur gehören für mich aber auch gut ausgestattete Schulen sowie genügend Ärzte in der Stadt. In Sachen Breitbandausbau bin ich froh, dass uns der kreisweite Schulterschluss gelungen ist. Dazu muss man aber auch mal sagen: Es kann nicht sein, dass es vom Gesetzgeber keine staatliche Zuständigkeit für den Breitbandausbau gibt und dass Deutschland abhängig von privaten Unternehmen ist. Das ist vergleichbar mit dem Straßen- und Kanalbau. Im Kreis Kleve wurde leider im Südkreis mit dem Ausbau begonnen, Kleve ist noch nicht an der Reihe. Das Gewerbegebiet ist schon versorgt, auch die Rinderner Schulen sollen früher einen Anschluss bekommen.

Viele junge Familien sorgen sich um einen guten Kita-Platz oder um eine gute Schule. Was macht die Kommune da schon richtig – und wo muss dringend nachgebessert werden?

Northing In Sachen Kita-Platz sind wir sehr gut aufgestellt. Wir haben zufriedene Eltern und mit der SOS-InKita ein Modell mit flexiblen Öffnungszeiten. Trotzdem: Wir müssen weiterhin die Bedarfe abfragen. Ich schließe auch eine 24-Stunden-Betreuung nicht aus, wenn sie denn benötigt wird. Zu den Schulen: Hier müssen alle Schulformen gleichberechtigt behandelt und gefördert werden. Jeder Schüler soll seinen Platz bekommen, den er auch benötigt. Aus diesem Grunde müssen wir die Schulen auch weiter aus- und neu bauen. Deshalb habe ich mich als Bürgermeisterin auch für einen Erweiterungsbau an der Realschule Kleve eingesetzt. Die Stadt baut aber auch sukzessive alle Schulhöfe neu, sie sollen ein pädagogischer und grüner Ort werden, hier fangen wir an der Grundschule an den Linden an. Toll wird auch die Bewegungshalle werden, die nicht nur allen Schulen, sondern auch den Vereinen  nach 16 Uhr offensteht.

Sie werden die Bürgermeisterin sein, der die Kommune aus der Corona-Krise führt. Muss in den kommenden Jahren der Gürtel noch enger geschnallt werden? Oder ist jetzt die Zeit der Investitionen gekommen?

Northing Kleve ist bisher gut durch die Krise gekommen. Ich appelliere an alle Bürger, weiterhin vorsichtig zu sein. Zu den Finanzen habe ich eine klare Meinung. Das Geld muss fließen. Wir dürfen uns nun nicht durch Angst leiten lassen. „Sparzwangst“ nenne ich das. Anders als Kämmerer Willibrord Haas hätte ich auch keine Haushaltssperre verhängt.

Wie fanden sie die Planungen vom Minoritenplatz?

Northing Grundsätzlich begrüße ich private Initiativen. Die Planungen lassen sich allerdings nicht mit dem bestehenden Bebauungsplan verwirklichen, dazu müsste dieser geändert werden. Ich habe schon vor Jahren gesagt, dass ich mir nur ein Baufeld auf dem Minoritenplatz vorstellen könnte. Ein Bau, wo die Volkshochschule, die Stadtbücherei und das Innovationszentrum der Hochschule Rhein-Waal untergebracht werden. Dazu Cafés im Erdgeschoss und eine Fahrradtiefgarage, viel Grün bringt Leben in die Stadt.

Und wie steht es um die Ortschaften?

Northing Kleve hat 15 Ortsteile, die Innenstadt ist nur einer davon. Ich bin ein Kind vom Dorf und möchte mch auch weiterhin für die Orte einsetzen. Sie benötigen Raum für Begegnungen.