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Klinik-Bebauung in Bedburg-Hau: Das sagen die Bürgermeisterkandidaten

Politik : Klinik-Bebauung: Das sagen die Kandidaten

Zwei Investoren wollen den Nordteil der LVR-Klinik Bedburg-Hau kaufen und für Wohnen und Gewerbe vermarkten. Eine Bürgerinitiative befürchtet einen Kahlschlag im Wald. So stehen die Bürgermeister-Kandidaten das Thema.

An diesem Vorhaben scheiden sich die Geister: Zwei Investoren wollen bekanntlich den nicht mehr genutzten Nordteil der LVR-Klinik kaufen und anschließend für Wohnbau und die Ansiedlung von Gewerbe vermarkten. Die einen freuen sich, dass die Gemeinde wachsen könnte und neues Leben in das Zentrum Bedburg-Haus kommt, die anderen, insbesondere eine Bürgerinitiative, befürchten, dass für das Vorhaben ein großer Teil des Klinik-Waldes geopfert wird. Die mögliche Bebauung werden jedoch Politik und Verwaltung in neuer Zusammensetzung begleiten, denn am 13. September sind Kommunalwahlen und Bürgermeister Peter Driessen tritt nicht mehr an. Wie aber sehen die Bürgermeisterkandidaten das Thema? Ein Überblick.

Ursula Pitzner (parteilos): Die Bürgermeisterkandidatin, die von den Sozialdemokraten unterstützt wird, hat sich gemeinsam mit Fraktionschef Wilhelm van Beek mit der Bürgerinitiative zum Klinikwald getroffen. Ihr Fazit: Viele sprechen sich für den Ausbau der Klinik entsprechend der Pläne der Verwaltung aus. Sie fänden es gut, dass durch das geplante „neue Quartier“ ein Verfall und Leerstand des Klinikareals verhindert werde. Wichtig sei Ihnen, dass nach vielen Jahren des Stillstands jetzt eine sinnvolle Nutzung mit interessanten Versorgungsangeboten und Mehrwert für die Bürger dort gelingen kann und auch der Charakter des Areals und der Klinikwald, überall wo es nur geht, erhalten bleibt.

„Auch der Gemeinderat vertritt im Großen und Ganzen diese Meinung“ erklärt Wilhelm van Beek von der SPD Bedburg-Hau. Es gibt aber auch ebenso Gegenstimmen von Bürgern, die ihre Skepsis kundtun. Sie möchten den noch gesunden Baumbestand erhalten und stellen seine Bedeutung für Klima, Grundwasser, Böden und Erholungswert in den Vordergrund. „Mir ist es wichtig, auch die Position der Bürgerinitiative kennen und verstehen zu lernen. Denn entscheidend ist die Frage, wie das Beste für die Gemeinde bestenfalls mit den Bürgern realisiert werden kann“, sagt Pitzner. „Grundsätzlich finde ich es wichtig und gut, wenn Bürger politisch aktiv werden, ihre Anregungen und Kritik einbringen und sich einmischen.“

Stefan Veldmeijer (parteilos): Veldmeijer hat sich sowohl mit der Bürgerinitiative als auch mit den  Investoren Dirk Untiedt und Thorsten Brandt getroffen. Er betont: „Ich arbeite seit 1984 bei den LVR-Kliniken und kenne somit das Klinikgelände sehr gut und die bisherige Entwicklung.“ Nach den Gesprächen mit Günther van Meegen von der Bürgerinitiative und den beiden Investoren lautet sein Fazit so: „Da ich nun beide Seiten kenne, ist es wichtig, dass es eine Informationsveranstaltung geben wird, wo alle Bürger eingeladen sind, und die entsprechenden Pläne vorgestellt und diskutiert werden können, um ein Ergebnis zu erzielen, mit dem alle Beteiligten zufrieden sind.“

Veldmeijer hält es es für wichtig, dass die Entwicklung des Geländes weitergeht. „Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, dass wir gemeinsam die einmalige Chance haben, einen (fast) neuen Ortsteil zu entwickeln. Das müssen wir alle gemeinsam zum Erfolg führen. Die Ökologie und der Charme des Geländes darf dabei nicht verloren gehen. Die ist einzigartig“, sagt er.

Stephan Reinders (CDU): Der Kandidat der Christdemokraten würde sich über den Klinikausbau freuen. „Die Vermarktung des Nordteils der Klinik durch den LVR an zwei Investoren steht kurz vor dem Abschluss. Eine sinnvolle Gestaltung ist hier wichtig und muss und wird von mir als Bürgermeister unserer Gemeinde aktiv und überzeugend begleitet werden. Ich bin mir sicher, dass sie sowohl städtebaulich als auch ökologisch attraktiv gelingen kann“, sagt er.

Reinders betont, dass das Verfahren noch in einem frühen Stadium sei. „Mit dem kürzlich im Rat – einstimmig – verabschiedeten Vorentwurf zum Bebauungsplan geht es zunächst um die Prüfung der Machbarkeit, noch nicht um die endgültige Gestaltung des Bereichs. Hier haben alle Parteien ihren unbedingten Willen erklärt, die Bürger mit einzubeziehen. Das finde ich absolut richtig.“

Die Verwaltung stehe in engem Kontakt mit dem Landesbetrieb Wald und Holz. Er betont: „Der Erhalt des Waldes, der übrigens nicht nur aus Bäumen, sondern auch aus Büschen, Hecken und Sträuchern besteht, die gepflegt werden wollen, und damit der Erhalt des früheren Charakters des Geländes hat für mich hohe Priorität.“ Was die unter Denkmalschutz stehenden Bauten der Landesklinik anbelangt, plädiert Reinders dafür, die Stellungnahme der Unteren Denkmalbehörde abzuwarten. „Neue Gebäude müssen sich an den weiterhin bestehenden Bestandsgebäuden orientieren müssen, was Umfang und Höhe betrifft“, sagt er.  Ein Bebauungsplan für den Nordteil der Klinik sei für Reinders eine Chance, die Gemeinde weiter aufzuwerten. Sein Fazit lautet: „Nichts zu unternehmen, macht es leider nicht besser. Genau das – Stillstand und Leerstand und Verrottung – würde aber passieren, wenn die Verwaltung das Projekt nicht angeht. Das Gelände darf insgesamt nicht verkommen und verfallen – dafür ist es viel zu schön.“