1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve
  4. Kommunalwahl

Kleve zehn Fragen an Bürgermeisterkandidat Udo Weinrich (Offene Klever).

Zehn Fragen an Udo Weinrich : Klima steht ganz oben auf der Agenda

Der Bürgermeisterkandidat der Offenen Klever sieht sich als Anwalt der Bürger im Rathaus. Bei der digitalen Infrastruktur sei die Stadt Kleve noch Entwicklungsland.

Zur kommenden Kommunalwahl ziehen die Offenen Klever erstmals mit einem Bürgermeisterkandidaten in den Wahlkampf: Udo Weinrich hat seinen Hut in Kleve in den Ring geworden. Der Vorsitzende der Offenen Klever kann auf viele Jahre kommunale Ratsarbeit im Düsseldorfer Raum zurückblicken. Er möchte sich als Anwalt der Bürger im Rathaus verstehen und sieht das Thema Klima ganz oben auf der Agenda der Offenen Klever.

Bitte stellen Sie sich kurz vor. Wer sind Sie und was macht sie aus?

Udo Weinrich Ich bin 62 Jahre alt, habe Germanistik und Philosophie mit Magister-Abschluss studiert und arbeite in Düsseldorf als technischer Redakteur. 2015 bin ich wegen der Liebe nach Kleve gekommen, habe geheiratet und bin umgezogen. Und die Kommune in der ich lebe, die interessiert mich. Vor allem Kleve mit seiner unvergleichlichen Lage.

Was ist ihr wichtigstes Thema im Wahlkampf - und wie wollen Sie es anpacken?

Weinrich Der Bürgermeister ist nur einer von 45 Menschen im Rat. Ich sehe mich als Anwalt der Klever und Kleverinnen im Rathaus. Die Verwaltung muss Dienstleister sein. Ein ganz wichtiges Thema wird für mich sein, die Dinge nicht durch irgendeine Parteibrille zu betrachten. sondern alle an einen Tisch zu bringen. Wir werden das Thema „Klima“ ganz oben auf der Agenda haben. Und das kann man nur angehen, wenn man Parteigrenzen überwindet, denn niemand hat ein Patentrezept. Da möchte ich die guten Gespräche, die wir bis jetzt geführt haben, fortsetzen. Wir können den Klimawandel gewiss nicht in Kleve stoppen, aber wir können dazu beitragen. Dazu müssen, wie gesagt, alle an einen Tisch, beispielsweise sollte man auch die Landwirtschaft einbinden. Eigentlich müsste Kleve beim Klimaschutz „Modellkommune“ sein, wo die Grünen doch zusammen mit der CDU seit 16 Jahren die Mehrheit stellen.

Aus welchen Fehlern haben sie schon einmal gelernt?

Weinrich Ich war mit 17 schon bei der SPD engagiert, war sehr ungeduldig, wollte alles sofort und musste erkennen, wie mühselig Politik ist. Jetzt schaue ich nach Skandinavien, wo man gewohnt ist, sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam einen Kompromiss zu finden, der dann auch trägt. Das sollten wir auf den Klever Alltag übertragen.

Kann man dem ÖPNV in ihrer Kommune neue Impulse geben?

Weinrich Ich fahre jeden Tag mit dem Niersexpress nach Düsseldorf und zurück, bin fünf Stunden unterwegs. Die Taktung der Züge und Busse stimmt nicht, man kommt kaum ohne Taxi vom Bahnhof nach Materborn – zum Glück fahre ich da mit dem Fahrrad. Es gibt eigentlich keinen Anreiz, tatsächlich auf den ÖPNV umzusteigen. Wer älter ist, kommt nicht mehr weg, das müssen wir dringend verbessern, vor allem müssen wir es endlich schaffen, die Fahrpläne an den Bedürfnissen von Berufstätigen, Senioren und Schülern zu orientieren. Auch sollten wir die Stadtbuslinie verlängern.

Wie wollen Sie bezahlbares Wohnen in Kleve ermöglichen? Braucht es Verdichtung im Inneren oder die Erschließung neuer Wohngebiete?

Weinrich Wir müssen den Fraß in die ländlichen Gebiete verhindern, die Fläche der Stadt als solche wächst ja nicht. In Materborn wohnen viele ältere Menschen allein in großen Häusern mit großen Gärten alleine - da könnten Menschen mit Kindern hinziehen, wenn die älteren Menschen in die Stadt ziehen könnten. Wir müssen auch unsere Bodenpolitik verändern und Grundstücke nicht mehr an Investoren verkaufen, sondern nur noch in Erbpacht abgeben. Es ist keine Lösung, wenn die Stadt Geld braucht, den Boden zu verkaufen. Mit Erbpacht haben wir auch Zugriff auf das, was dort passiert. Wenn wir in der Innenstadt altersgerechte Wohnbebauung ermöglichen, wird „draußen“ Wohnraum für junge Familien frei.

Wie beurteilen Sie die Infrastruktur in ihrer Kommune, auch digital – und wie wollen Sie dieses Thema vorantreiben?

Weinrich Bei der digitalen Infrastruktur ist Kleve noch Entwicklungsland. Wir müssen es ermöglichen, dass man für Anträge nicht mehr ins Rathaus gehen muss, sondern vieles komplett online erledigen kann. Diesbezüglich hat die Stadt einen großen Nachholbedarf. Bei der Digitalisierung der Schulen hat der Rat zum Beispiel zwei Jahre zugeschaut, wie nichts seitens der Verwaltung passierte.

Viele junge Familien beschäftigt erheblich, ob ihr Kind einen guten Kita-Platz bekommt – und wie es danach auf den Schulen weitergeht. Was macht ihre Kommune da schon richtig, was muss dringend angepackt werden?

Weinrich Die Stadt hat schon rund 1500 Kita-Plätze, 570 für Kinder unter drei Jahre, da müssen wir mehr Plätze schaffen. Nachholbedarf gibt es vor allem auch bei inklusiven Kindergärten. Auch muss es eine größere Flexibilität bei den Betreuungszeiten geben. Wenn eine Stadt Zukunft haben will, sollten die Kinder ganz vorne stehen.

Sie würden der Bürgermeister sein, der Kleve aus der Coronakrise führt. Finanzen und Investitionen spielen eine wesentliche Rolle. Muss in den kommenden Jahren in den Kommunen der Gürtel enger geschnallt werden? Oder ist jetzt die Zeit der Investitionen gekommen?

Weinrich Wir müssen klug sparen und nachhaltig investieren. Wir brauchen eine bessere Infrastruktur, da gilt es zu investieren. Wir sollten nur nachhaltige Schulden machen: Mit Infrastruktur schafft die Stadt ja auch Vermögen. Und Investitionen in Schulen sind selbstverständlich. Aber man muss auch sparen: So fragt man sich doch, warum es für jede Kultureinrichtung einen eignen Verwaltungschef geben muss. Und für die Finanzen brauchen wir keinen Beigeordneten.

Was halten sie von den jüngsten Planungen für den Minoritenplatz

Weinrich Ich finde es sehr positiv, dass diese Diskussion von Bürgern wieder angestoßen wird. Was dort vorgestellt wurde, ist für mich ein realistischer Kompromiss. Ich fände es gut, wenn dort Kultur- und Weiterbildung untergebracht würde, und ich begrüße es, dass Bürgerengagement zu solchen Ergebnissen führt. Aber ich trau dem Braten nicht, solange CDU und andere sich nur auf dem Papier dazu bekennen. Ich will endlich Taten sehen. Eigentlich muss man froh sein, dass bis jetzt dort nichts gebaut worden ist, denn dieser Platz muss kreativ gestaltet werden.

Was ist mit den Ortschaften?

Weinrich Als Bürgermeister wäre ich regelmäßig dort. Ich halte es für wichtig, vor Ort Einwohnerversammlungen zu machen und mit einem mobilen Rathaus zu erscheinen. Die Ortschaften müssen besser angebunden werden. Es gilt, den ÖPNV vor allem auch am Abend zu verbessern und gut ausgebaute Fahrradstrecken zu den Ortschaften zu führen. Der Verzicht aufs Auto muss attraktiv werden. Es braucht in Ortschaften zudem Treffpunkte; man muss Gespräche mit den Nachbarn führen und hören können, woran es mangelt. Das ist wie bei den Bank-Filialen: Nicht jeder kann oder will Online-Banking machen. Und da fehlen die Filialen im Außenbereich.