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Ferdinand Böhmer tritt als CDU-Bürgermeisterkandidat in Kranenburg.

Ferdinand Böhmer : Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Ferdinand Böhmer ist Kämmerer der Gemeinde Kranenburg und Bürgermeisterkandidat der CDU. Der 56-Jährige besitzt gute Chancen, den Chefposten im Rathaus zu übernehmen.

Bitte stellen Sie sich doch kurz vor. Wer sind Sie – und was macht Sie aus?

Ferdinand Böhmer Ich bin 56 Jahre, verheiratet, keine Kinder. Ich arbeite in der Gemeindeverwaltung Kranenburg. Seit über 19 Jahren bin ich hier Kämmerer und seit 17 Jahren allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. In meiner Freizeit wandere ich gerne und fahre gern Motorrad. Als Kontrast dazu liebe ich die Blasmusik, viele Jahre als Trompeter. Christliche Werte haben in meiner Erziehung stets einen großen Stellenwert eingenommen.

Was ist Ihr wichtigstes Thema im Wahlkampf – und wie wollen Sie es anpacken?

Böhmer Ich habe nicht „das“ Thema. Mein und der Ansatz der CDU Kranenburg konzentrieren sich auf eine ganzheitliche Betrachtung der Aufgaben zur Weiterentwicklung unserer Heimat. Die sich hieraus ergebenden Ziele sind dann auch nicht unbedingt in fünf Jahren in Gänze abgearbeitet.

Aus welchem Fehler haben Sie schon einmal gelernt?

Böhmer Fehler habe ich viele gemacht. Wichtig ist, Fehler sofort zu erkennen und sie dann entsprechend zu korrigieren. Tue ich das nicht, kann sich ein riesiges Problem entwickeln.

Sehen Sie Möglichkeiten, dem ÖPNV in Ihrer Kommune neue Impulse zu geben?

Böhmer Verbesserungsmöglichkeiten bestehender Systeme sind grundsätzlich gegeben. Im liniengebunden ÖPNV wäre eine kürzere Taktung schon ein Gewinn. Leider ist dies nicht so einfach, wenn nur die Gemeinde Kranenburg betrachtet wird. ÖPNV-Linienverkehr innerhalb des Gemeindegebietes existiert bis auf den ehrenamtlichen Bürgerbusbetrieb nicht. Die Buslinien sind in Kranenburg allesamt überregional und verbinden die Städte Kleve-Kranenburg-Nijmegen. Hier wirkt sich eine Fahrplanumstellung bis hin zum Fahrplan der NordWestBahn aus.

In Kranenburg werden regelmäßig neue Baugebiete erschlossen, um Familien anzusiedeln. Ist der aktuelle Stand ausreichend?

Böhmer Nein, die bereits beschlossenen Baugebiete und verfügbaren Baugrundstücke Hasenpütt und Auf dem Poll reichen nicht aus. Die vorliegende Warteliste der Interessenten ist dafür zu lang. Die Entscheidung zur weiterhin erforderlichen Ausweisung von Baugebieten gründet aber auch auf amtliche Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung. Eine angemessene Baulandpolitik hat Einfluss auf das bezahlbare Wohnungsangebot für alle Altersgruppen und dadurch werden wiederum die heimische Wirtschaft, der Handel und auch das Handwerk gestärkt. Für die demographische Entwicklung ist die Ansiedlung junger Familien auch positiv.

Wie wollen Sie die Situation des verödeten Ortskerns verbessern?

Böhmer Die Stärkung des Einzelhandels ist und bleibt ein Dauerthema. Der Einzelhandel unterliegt ständigen Veränderungen, neben steigendem Preisdruck insbesondere auch hervorgerufen durch den weltweiten Onlinehandel. Es ist zu überlegen, ob die Funktion der Großen Straße auch aus städtebaulicher Sicht neu geordnet werden sollte. Thematisiert werden muss in diesem Zusammenhang das bisherige baurechtliche Festhalten an den gewerblichen Nutzungen in der Erdgeschosslage. Vorstellbar wäre, diese Räumlichkeiten für eine wohnbauliche Nutzung zu öffnen.

Wie beurteilen Sie die Infrastruktur in Ihrer Kommune, auch digital – und wie wollen Sie dieses Thema vorantreiben?

Böhmer Was etwa den Zustand der Straßen, Radwege, Kanalisation oder Gebäude angeht, klagen wir auf hohem Niveau. Bei der Schaffung digitaler Infrastruktur sind wir weit vorne. 95 Prozent der Haushalte werden, wenn sie wollen, in Kürze über die zukunftsfähige Glasfasertechnologie verfügen. Für die restlichen fünf Prozent wird nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Wir haben die Grundlagen für den von der Bundesregierung beabsichtigten Ausbau des 5 G-Funknetzes geschaffen.

Viele junge Familien beschäftigt erheblich, ob ihr Kind einen guten Kita-Platz bekommt – und wie es danach auf den Schulen weitergeht. Was macht Ihre Kommune da schon richtig – und wo muss nachgebessert werden?

Böhmer Erfreulich ist, dass ausreichend Kita-Plätze zur Verfügung stehen. Dies auch, weil noch zusätzliche Kindertagesstätten in Kranenburg und in Nütterden mit zusätzlichen Gruppen geschaffen werden. Entsprechend dem Kindergartenbedarfsplan sind wir hervorragend mit Kitas für alle Altersgruppen ausgestattet. Die Grundschulen sind aktuell mit einer Bausumme von etwa vier Millionen Euro grundsaniert und erweitert worden. Die baulichen Voraussetzungen zur Nutzung der digitalen Technik sind abgeschlossen. Die Euregio Realschule ist eine Ersatzschule in privater Trägerschaft. Ich freue mich sehr über das Engagement der handelnden Personen, ohne deren Mut das Angebot der Sekundarstufe I in Kranenburg nicht möglich wäre.

Sie werden auch der Bürgermeister sein, der die Kommune aus der Coronakrise führt. Der Bereich Finanzen und Investitionen spielt da eine wesentliche Rolle – zumal viele öffentliche Kassen ohnehin nicht sprudeln. Muss in den kommenden Jahren der Gürtel noch enger geschnallt werden? Oder ist jetzt die Zeit der Investitionen gekommen? Und wenn ja – in was?

Böhmer Wir hatten mit dem Haushaltsplan 2020 ein Investitionsvolumen für bauliche Maßnahmen in Höhe von über sechs Millionen Euro geplant. Mit dem Investitionsprogramm sind für die Folgejahre bis einschließlich 2023 weitere Bauausgaben in Höhe von etwa 12 Millionen Euro geplant. Zusätzlich noch die Anschaffung von beweglichem Vermögen, Stichwort digitale Ausstattung der beiden Grundschulen. Durch die Coronakrise sind wir bei der Umsetzung der Maßnahmen teilweise in Verzug geraten. Die Sanierung, Erweiterung und bauliche Verbesserung der beiden Grundschulen kann aber wie geplant in 2020 abgeschlossen werden. Die Maßnahmen zu Straßenerneuerungen, die Erschließung und Fertigstellung neuer Baugebiete und die Optimierung des Kirmesplatzes in Kranenburg sind im Zeitplan. Der Kreisverkehr am Einkaufszentrum wird Anfang Oktober fertiggestellt sein.

Muss nach weiteren Entwicklungsmöglichkeiten gesucht werden, um Kranenburg für niederländische Konsumenten noch attraktiver zu machen?

Böhmer Bekanntlich wird aktuell eine weitere Ausweitung der Einzelhandelsflächen für Produkte des täglichen Bedarfs im Bereich der Einkaufsarena umgesetzt. Eine darüber hinaus gehende Erweiterung der Verkaufsflächen wird vorerst nicht prioritär angegangen. Sollte jedoch Bedarf an anderen Sortimenten bestehen, muss darüber diskutiert werden. Dies nicht explizit bezogen auf das niederländisches Käuferpotential, sondern allgemein betrachtet zur Weiterentwicklung unserer Gemeinde.

Werden Sie in Ihrer Amtszeit das Thema „Windkraft im Wald“ noch einmal anpacken?

Böhmer Die Erreichung der Klimaschutzziele funktioniert nicht ohne Windkraft. Aktuell lassen die rechtlichen Voraussetzungen keine Windkraftanlagen im Reichswald oder an anderer Stelle im Gemeindegebiet als Konzentrationszone zu. Sollten sich die rechtlichen Vorgaben dementsprechend ändern, muss das Thema Windkraft, egal ob im Wald oder an anderer Stelle, diskutiert werden. Klimaschutz geht alle an.

Das Feuerwehrhaus in Kranenburg weist nach einem aktuellen Gutachten erhebliche Mängel auf. Befürworten Sie einen Neubau oder eine Sanierung im Bestand?

Böhmer Die baulichen Verbesserungsmaßnahmen im Bestandsgebäude der Feuerwehr sind aus Gründen des Arbeitsschutzes nachvollziehbar. Für eine Übergangszeit wird die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen zu angemessenen Bedingungen ausreichen. Bereits im Zusammenhang mit dem städtebaulichen Handlungskonzept in den Beratungen zum Haushaltsplan 2017 habe ich mich für einen Neubau des Feuerwehrhauses ausgesprochen.

An welchen Stellen kann die Gemeinde neue Einnahmequellen generieren?

Böhmer Nicht erst aktuell aufgrund der Coronakrise sondern schon seit Jahren plädiere ich für eine finanzielle Mindestausstattung der Kommunen in NRW. Hier brauchen wir Verlässlichkeit und Sicherheit. Dem Grunde nach hat die Landesregierung diese Notwendigkeit auch erkannt und hilft durch Sonderprogramme. Diese Finanzmittel sind jeweils zweckgebunden.