Kleve: Koekkoeks Luxemburg trifft Turner

Kleve : Koekkoeks Luxemburg trifft Turner

Mit "Gemalt für den König" endet das Koekkoek-Jahr in Kleve. Im Museum Haus Koekkoek werden die Luxemburg-Bilder des niederländischen Landschaftsmalers gezeigt und durch Skizzen, Aquarelle, Zeichnungen sowie weitere Koekkoek-Gemälde ergänzt.

Als Willem II., König der Niederlande, den Landschaftsmaler Barend Cornelis Koekkoek zu einer Reise in sein geliebtes Luxemburg einlud, sollte das eine der berühmtesten Kunstreisen des 19. Jahrhunderts werden. Denn Willem II. vermisste die südlichen Niederlande, das sich als Belgien abgetrennt hatte, es blieben ihm nur noch die Ländereien in Luxemburg. Und die wollte er "porträtiert" haben. Für seine Sammlung. Dazu wählte er den bekanntesten und kostbarsten Maler seiner Zeit — Koekkoek eben.

Die beiden fuhren in das Herzogtum, Koekkoek blieb wohl länger. Zeichnete, schuf Aquarelle, brachte Skizzen mit nach Hause. Denn er hatte vom König den Auftrag, neun große Landschaften aus Luxemburg zu liefern. Acht Bilder wurden es, zwei gingen verloren, zwei sind unbekannt verschollen. Die vier noch bekannten Gemälde führt jetzt das B. C. Koekkoek-Haus zu einer beeindruckenden Schau im alten Künstlerpalais zusammen. Dazu gesellen sich die Skizzen, die frischen Aquarelle, Bilder zeitgenössischer Künstler, Services, Porträts des Königs und nicht zuletzt Zeugnisse des Endes der königlichen Sammlung. Die wurde nämlich nach dem frühen Tod des Königs 1849 versteigert. Mit den Koekkoeks, mit den Rubens, den van Eycks in alle Winde zerstreut. Der König hatte sich so verschuldet, dass das Ergebnis der Versteigerung die Schulden nicht deckte, die Bilder waren für die Niederlande verloren.

Willem II. war verliebt in seine Schlösser, in die wilden Landschaften, in Ruinen. Koekkoek malte sie. Seine Gemälde spiegeln die Vernarrtheit des Königs in die romantischen Landschaften wider. Wunderbar belegen die Skizzen und Zeichnungen, wie Koekkoek arbeitete, wie seine Gemälde entstanden. Seine Aquarelle strahlen noch heute Frische aus.

Doch den Kuratoren der Ausstellung, Drs. Guido de Werd und Dr. Asker Pelgrom, gelang noch ein regelrechter Coup. Kein Geringerer als William Turner hatte ebenfalls wie Koekkoek luxemburgische Landschaften geschaffen. Wie Koekkoek komponierte auch er seine Landschaften, machte Täler enger, Berge höher. Und doch können die beiden verschiedener nicht sein.

De Werd und Pelgrom konnten zwei kleine, herausragende Aquarelle des Briten nach Kleve holen, deren ungemeine Strahlkraft auch im kleinen Format begeistert. So trifft hier Turner auf Koekkoek, die künftige Moderne auf einen Meister des 19. Jahrhunderts.

Für de Werd ist "Gemalt für den König", wie die Ausstellung heißt, der Höhepunkt und zugleich der Schluss des Koekkoek-Jahres in Kleve. Eine Ausstellung, die man nicht versäumen sollte.

(RP/rl)