Neue Präsentation Im Friedrich-Wilhelm-Bad Kleves kostbarste Kunstwerke

Kleve · Mit seiner neuen Ausstellung blickt Kleves Museumsdirektor Harald Kunde tief in die Sammlung und holt viele Schätze auf die Wand: Wie die beiden Bilder von Gerhard Richter. Titel der Ausstellung: „Sammlung Gegenwart.“

Kurhaus-Volontärin Annemarie Gareis vor den beiden Bildern des Malers Gerhard Richter in der neuen Sammlungspräsentation.

Kurhaus-Volontärin Annemarie Gareis vor den beiden Bildern des Malers Gerhard Richter in der neuen Sammlungspräsentation.

Foto: Matthias Grass

Es sind zwei der kostbarsten Gemälde aus der Sammlung des Museum Kurhaus Kleve, die den Besucher in der neuen Einrichtung des Museums Kurhaus im Trakt des Friedrich-Wilhelm-Bades begrüßen. Das eine ist eine Dauerleihgabe, das andere eine Schenkung, beide vom Maler Gerhard Richter. Das kleine umgeschlagene Blatt gehört inzwischen zu den großen Ikonen des Klever Museums, ist für Ausleihen zu Ausstellungen des bekanntesten deutschen Malers der Gegenwart begehrt wie kaum ein anderes Bild aus dem Besitz des Museums. Auch wenn es nur ein kleines Bild auf Leinwand ist, das eine weiße Fläche über einer weißen Fläche aufschlägt, umblättert. Das graue Richter-Bild ist ebenfalls eine kleine Arbeit, auf dem sich grob gespachtelt eine lebendige Landschaft aus Grau entwickelt, mit Schattierungen, Erhebungen, Graten.

„Sammlung Gegenwart“ hat Museumsdirektor Harald Kunde die gar nicht kleine Schau über drei Säle mit dazugehörigen Balkonen betitelt. Sie ist eine Bestandaufnahme der Bandbreite, die das Haus zu bieten hat. Mit Ikonen eben, mit Bildern, die den Blick erwidern (so Kunde), mit Werken, die aufzeigen, dass Kunst nicht immer nur männlich ist: Wie bei der Becher-Schülerin Tata Ronkholtz, von der Kunde ihre wunderbar-sachlichen Fotografien der Trinkhallen-Kultur aus der Sammlung holte. Ronkholtz, die mit Thomas Struth von 1979 bis 1980 den Düsseldorfer Rheinhafen vor dem Abriss und Umbau dokumentierte, folgte wie die Bechers den Prinzipien der strengen Frontalität und Schwarz-Weiß-Ästhetik.

Ronkholtz besetzt den hinteren Saal des alten Bad-Traktes zusammen mit andere Fotografie-Größen aus der Sammlung. Gurskys großformatiges Foto eines Polock-Gemäldes in einem Museum besetzt dort stark eine Wand. Andreas Gursky war wie Ronkholtz ein Schüler der Bechers und gehört zu den bekanntesten Fotokünstlern der Gegenwart. Auch das Foto gehört zu den ganz wertvollen Kunstwerken in der Sammlung. Kunde setzte mit den beiden Nacht-Bildern der Krefelder Bauhaus-Denkmälern Haus Esters und Haus Lange und einem Akt aus der Nude-Serie von Thomaes Ruff einen weiteren Künstler der Düsseldorfer Fotoschule dazu. Außerdem fehlen nicht die Leuchtkästen des Kanadiers Jeff Wall, die schon zur Eröffnung des Museums 1997 in Kleve begeisterten. Ein  runder Blick durch die Fotosammlung ebenso wie ein tiefer Einblick in die jüngere Geschichte der Fotokunst.

Nebenan sind es die Patrone des Klever Kurhauses, die vom Balkon hinein in den Raum schauen - Mäzene des Museums, die der israelische Künstler Ori Gersht porträtierte im Sinne des Rembrandt-Schülers Govert Flinck. In der Mitte wird der Saal von den Faltungen des Dresdner Künstler Olaf Holzapfel bestimmt, vorne, kommt man die Treppe herauf, die beiden jüngeren Ankäufe der Sammlung, die großformatigen abstürzenden Himmelstürmer von Pia Fries, nebenan eine sehr schöne Dauerleihgabe einer Skulptur von Andreas Schmitten, dessen große Zeichnungen auf dem Balkon zu sehen sind. Und dann nicht zu vergessen, die jüngsten Zugewinne aus der Portigon-Sammlung: Zwei Bilder von Andy Warhol. Bunt, poppig, knallig.

„Ich wollte die drei Räume als Beispiel für unsere Gegenwartskunst zeigen - natürlich die Klassiker mit Richter und Uecker, Fundamente unserer Gegenwartssammlung, dann die Fotografen und die Künstlerinnen - wie Charlotte Posenenske, die wunderbare minimal-art-Arbeiten schuf und zeigt, dass minmal-art nicht allein eine Domäne der Männer war“, sagt Kunde. Und dabei wolle er auch zeigen, wie die Bestände des Hauses aufgebaut sind - die eigene Sammlung, die Werke des Freundeskreises und nicht zuletzt die Dauerleihgaben von Mäzenen als eine wichtige Säule des Hauses. Das sollen auch die Patrone Gershts zeigen, die dem Museum eng verbunden sind. Bleibt zuletzt das Land NRW, das jüngst mehrere wertvolle Arbeiten an das Kurhaus gab, darunter eben die beiden Warhols.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort