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Kleve: Kleves Bürgerstolz wecken

Kleve : Kleves Bürgerstolz wecken

Die Zukunftswerkstatt von Volksbank Kleverland und Rheinische Post diskutierte über Schmuckkästchen und Schandflecken in Kleve. Experten an einen runden Tisch setzen und einen Fassadenwettbewerb ins Leben rufen.

Alt oder neu, historisch oder modern? Für Kleve ist die Diskussion alt wie der Wiederaufbau der Stadt: Anfang der 50er Jahre favorisierte man noch großbürgerliche Backsteinhäuser mit ihren zur Straße stehenden schmucken, oft sogar geschwungenen Giebeln. Gleich nebenan gab's das, was als modern galt: Quer liegende Fenster, verputzte Fassaden. Diese Häuser sollten leicht wirken, viel Schaufensterfläche haben. Später riss man auch den Backstein-Giebeln die "Füße" weg: Die Geschäftsfassade sollte eben breit sein, mit durchgehenden, möglichst ungeteilten Fensterflächen. In jüngster Zeit baut man vieles wieder zurück.

Die Gestaltung

In der Klever City hat man alles: Die Giebel, Häuser mit weit aufgerissenem Erdgeschoss, 1950er-Jahre-Moderne, schmale Häuser, breite wie den Kaufhof mit seiner jetzt alten, aber immer noch modernen Fassade. "Der Wunsch nach einer Gestaltungssatzung für die City ist verständlich — aber die Häuser in der Innenstadt sind so unterschiedlich, dass wir als Stadt keine Beispiele vorgeben können, an der man eine solche Gestaltung festmachen könnte", brachte Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer das Thema der Zukunftswerkstatt von Volksbank Kleverland und Rheinische Post von den Schmuckkästchen und den Schandflecken in Kleve auf den Punkt.

Dem pflichtete auch Heinz Scholten, Ehrenvorsitzender des Klevischen Vereins, bei: "Wir können nicht einzelne Bauten als gut oder schlecht bezeichnen. Aber wir müssen ein Gefühl für die richtigen Proportionen vermitteln, für eine sensible Sanierung der Gebäude in der City. Schließlich ist die City die Visitenkarte jeder Stadt", sagt Scholten. Ihm gefiel das Beispiel aus Nimwegen, dass man dort nicht nur an neue Viertel denke, sondern auch Anreize gebe, die umliegenden Straßen auf Vordermann zu bringen. "Im Mittelalter waren die Städte auch so schön, weil sie Ausdruck des Bürgerstolzes waren. Den müssen wir wieder wecken. Zumal die Große Straße in die Jahre gekommen ist und eine Sanierung vieler Gebäude vor der Tür steht", sagt Scholten.

Tatsächlich stehen bei 60 bis 70 Prozent der Gebäude die fälligen Sanierungsintervalle an. "Die sind Ende 1950, Anfang 1960 gebaut", sagt Rauer. "Wenn sanieren, dann jetzt! Die Zinsen liegen unter vier Prozent, und KfW-Mittel vergünstigen das Ganze noch mals", urteilt Volksbank-Vorstandschef Frank Ruffing. Dann aber mit Gefühl für die Proportion, wirft Julia Blanck, Sprecherin der Architekten, ein: "Wir sollten einen Konsens finden, die einzelnen Häuser wertig, gefühlvoll zu sanieren und nicht einfach nur einWärmedämmsystem über die Fassade setzen!", sagt sie. Scholten schlug vor, dass das Klever City Netzwerk, der Klevische Verein und die Klever Architekten sich mit der Stadt an einen Tisch setzen und Vorschläge ausarbeiten. Kontakte sollen schon kommende Woche geknüpft werden, versprach Alwine Strohmenger-Pickmann, Vorsitzende des Klevischen Vereins, Sie betonte, wie wichtig auch hier eine Vernetzung der handelnden Personen sei.

Jürgen Rauer kam auf die Anregungen zurück: "Geld wie in Nimwegen werden wir nicht haben — aber wir könnten eine Plakette vergeben. Und vielleicht loben die beiden Klever Kreditinstitute ja einen Preis für einen Fassadenwettbewerb aus . . ." Julia Blanck appellierte an Bauherrn, sich von Architekten beraten zu lassen. Letztlich gelte es doch, Klever und Touristen eine attraktive Innenstadt zu bieten.

(RP)