Kleve: Kleverin findet in den USA ihr Glück

Kleve : Kleverin findet in den USA ihr Glück

Die Kleverin Kira Janßen entdeckte in einem High-School-Jahr ihre Liebe für den amerikanischen Lebensstil. Ihr Studium in Iowa schloss sie mit summa cum laude ab - obwohl sie in der Schule nie eine Überfliegerin war.

Man hört es Kira Janßen an: wie sie Sätze beendet, Wörter betont, ihr Singsang. Die 24-Jährige spricht hauptsächlich Englisch, sie lebt seit mehr als drei Jahren in den USA. Dabei ist Deutsch ihre Muttersprache, Kleve ihre Heimatstadt. Doch schon früh wusste Kira Janßen, dass sie raus will.

In der elften Klasse am Konrad-Adenauer-Gymnasium verschlug es sie erstmals für ein Jahr auf die andere Seite des Atlantiks. "Ich konnte damals gar nicht begründen warum, aber ich wollte unbedingt in die USA", sagt sie heute. "Ich war fasziniert von den Filmen, die ich gesehen hatte: große Städte mit Hochhäusern und High-School-Leben." Also bewirbt sie sich für den Auslandsaufenthalt, doch von der Großstadt bleibt sie weit entfernt. Die damals 17-Jährige landet bei einer Gastfamilie in einem Dorf mit 300 Einwohnern in Iowa.

Dennoch erfüllt sich zumindest der Traum von der Highschool. Die Kleverin findet sich wieder zwischen Football-Teams, Cheerleadern und geht zum Prom - dem traditionellen Abschlussball. Für ihr Abitur im Jahr 2013 kommt sie aber zurück zum Konrad-Adenauer-Gymnasium und beginnt danach eine Ausbildung bei einer Versicherung. "Ich wusste nicht, was ich machen wollte, und habe mich dann für den sicheren, deutschen Weg entschieden", sagt sie.

Die USA habe sie aber nie aus dem Kopf bekommen und nur wenige Monate später sei es aus ihr "herausgeplatzt". Sie wollte zurück und in Amerika studieren. In Iowa hatte sie eine Universität mit dem Studiengang Luftverkehrsmanagement gefunden. Das große Hindernis: Die Studiengebühren. Die Grundkurse am Kirkwood Community College kosten umgerechnet 6000 Euro im Jahr, das Studium an der Uni in Dubuque 25.000 Euro. "Ich hatte während der Ausbildung Geld zurückgelegt und zusammen mit den Ersparnissen meiner Eltern hat es für das erste Jahr gereicht", sagt Janßen. Trotzdem arbeitet sie zusätzlich in einem Café, später in einem Fitnessstudio.

Zwischenzeitlich wird es finanziell trotzdem knapp. Heute sagt sie, hätte sie alles eigentlich besser planen müssen. Doch das Glück ist auf ihrer Seite: Sie bekommt ein Stipendium und damit monatlich 500 Dollar. Während eines Praktikums arbeitet sie am Flughafen in Pittsburgh, sammelt erste Erfahrung mit der Arbeit am Airport.

Ihre Eltern waren skeptisch. "Ich war nie eine besonders gute Schülerin, darum haben sie daran gezweifelt, dass ich in den USA gute Leistungen bringe." Doch entgegen ihrer eigenen Erwartung passiert genau das. An der Uni schreibt sie sehr gute Noten. In der Schule war sie immer eine "Dreier- bis Vierer-Schülerin", wie sie sagt. Der Unterschied liegt, so glaubt sie, im Teamgeist, den es an Schulen und Universitäten in den USA gibt. Und daran, dass die 24-Jährige endlich machen konnte, was sie wollte. Im Dezember schließt Kira Janßen ihr Studium mit summa cum laude ab - als Einzige ihres Studiengangs. "Wäre ich in Deutschland geblieben, hätte ich wahrscheinlich nie studiert."

Nun wartet die Kleverin auf die Verlängerung ihres Studienvisums, mit dem sie sich dann einen Job an einem großen Flughafen in Chicago, Pittsburgh oder Houston suchen kann. Das ist aber noch keine Garantie, um dauerhaft in den USA zu bleiben. Dafür bräuchte sie ein Arbeitsvisum oder eine Greencard.

Ob Kira Janßen überhaupt für immer bleiben will, weiß sie nicht. Noch ist sie nicht fertig mit den USA, sagt sie selbst. Wenn sie von ihrem "Zuhause" spricht, meint sie damit ihre Wohnung in Madison in Wisconsin, wo sie zusammen mit ihrem Freund JJ lebt. "Ich mag die Kultur in den USA, die Fröhlichkeit und Gelassenheit der Amerikaner." Ihre zwei besten Freundinnen aus Schulzeiten vermisst sie trotzdem, genau so wie ihre Familie, Weinabende mit Mama, ihre Hunde und natürlich deutsche Brötchen.

(veke)
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