Klever Schulen machen Montag und Dienstag früher Schluss.

Kleve : Hitzefrei liegt in der Luft

Die Auswirkungen von mehr als 30 Grad Celsius über Tage hinweg sorgen nicht allein für früheren Schulschluss. Straßenarbeiter verschieben ihren Dienst. Geschäfte schließen eher. Jugend-Fußballspiele noch nicht abgesagt.

Tropische Nächte, Tageshöchsttemperaturen bis zu 40 Grad sagt der Deutscher Wetterdienst  vorher. Der Höhepunkt soll Mittwoch erreicht werden. Nicht allein Schüler sind von der anhalten Hitzewelle betroffen. Unsere Redaktion zeigt, wo der rasante Temperaturanstieg für Probleme sorgt.

Schulen: Die Gocher Arnold-Janssen-Grundschule wird bis mindestens Mittwoch um 11.45 Uhr den Unterricht einstellen. Einige Kinder nutzen im Anschluss die Betreuung.

Timo Bleisteiner, Schulleiter des Klever Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, sagt: „Wir haben Montag und für die Unter- und Mittelstufe nach der fünften Stunde Hitzefrei gegeben.“ Heute und Mittwoch wird nach der vierten Schulstunde Schluss sein und dann darüber beraten, wie es für die kommenden Tage aussieht. Die Regelung beim Konrad-Adenauer-Gymnasium ist für Montag und Dienstag dieselbe. Fest steht allein, dass der Unterricht in der Oberstufe wie geplant stattfindet.

An der Gesamtschule am Forstgarten gibt es bis einschließlich Donnerstag für Unter- und Mittelstufe ab 13.10 Uhr hitzefrei. Die Joseph-Beuys-Gesamtschule lässt für alle Stufen den Nachmittagsunterricht ab 14.30 Uhr ausfallen. Alle Schulen, die Ganztag anbieten, müssen den Eltern auch bei großer Wärme Betreuungssicherheit bieten. Auch, wenn um 12 Uhr Unterrichtsschluss ist oder es Kurzstunden gibt wie an der gebundenen Ganztags-Hauptschule in Goch – kein Kind wird nach Hause geschickt, wenn dort seine Versorgung nicht gewährleistet ist. Abgesagt wurde das für Dienstag angekündigte Fußballturnier der Klever Grundschulen in Reichswalde.

Wald: Noch sieht Revierförster Joachim Böhmer (53) den bevorstehenden heißen Tagen gelassen entgegen. Was jedoch nicht passieren darf: „Dauerhaft wären derart hohe Temperaturen schädlich. Es gibt immer noch ein Wasserdefizit“, sagt er. Sorgen bereiten ihm dann die Altbuchen und Alteichen. „Das Wasser hat die Wurzeln nicht erreicht. Die Auswirkungen wären der Verlust der Blätter.“

Straßenarbeiten: Die bei der Straßenmeisterei Kleve Beschäftigten können in den kommenden Tagen mit der Arbeit zwei Stunden früher beginnen und um 4.45 Uhr starten. Betriebsleiter Jörg Manten (53) erklärt: „Ich lasse den Männern das offen. Aber den ganzen Tag in der Sonne stehen ist eine Herausforderung.“ Flüssigasphalt werde derzeit aufgetragen. Auch können jetzt Überstunden abgefeiert werden. Diese stammen aus dem Winter vom Schneeräumen. In Goch kommt in diesen Tagen Bitumen auf den neuen Kreisverkehr – der Zeitplan der ausführenden Firmen lässt keine Pausen zu.

Sport: Bereits am vergangenen Wochenende war es für den Fußball-Nachwuchs eine Qual, auf dampfenden Kunstrasenplätzen zu spielen. Und das bei geringeren Temperaturen als für den Wochenverlauf vorhergesagt. Beim Fußball-Verband rechnet man offensichtlich mit einem Temperatursturz. Vor Freitag werde nichts abgesagt, außerdem könnten Trinkpausen eingelegt werden. Auch die Spiele würden größtenteils erst um 11 Uhr beginnen, da sei es noch kühler hieß es, so der Verband. Der Klever Tischtennisverein Weiß-Rot-Weiß rät seinen jungen Akteuren, in dieser Woche besser Schwimmen zu gehen. In der Halle sei es viel zu heiß: Mit dem Training geht es in der kommenden Woche weiter.

Alte Menschen Viel trinken, stets im Schatten aufhalten, wenig körperliche Anstrengung – darauf kommt es besonders bei älteren Menschen an. Angelika Jacobs, Leiterin der Tagespflege der Diakonie in Goch, veranstaltet mit ihren Gästen (alkoholfreie) Trink-Spiele und bietet an, sich mit einem Stuhl an ein Wasserbecken zu setzen und die Füße ins kühle Nass zu tauchen.

Klever Tiergarten: Mensch und Tier stellen sich auf die große Hitze ein. „Wir verzichten auf alles, was für die Tiere und die Pfleger zu anstrengend ist“, sagt Leiter Dietmar Cornelissen. Sprich: In der Mittagshitze vierbeinige Bewohner einfangen, um ihre Klauen zu schneiden oder sie zu entwurmen, ist keine gute Idee. Das geschieht derzeit am frühen Morgen, wenn es noch kühl ist. Einige Tiere müssen sich jetzt auf veränderte Essenszeiten einstellen.

„Unsere Reiher bekommen nun zwei bis drei Mal statt wie sonst nur ein Mal am Tag ihre Fische und Eintagsküken, ansonsten würde das viel zu schnell verderben“, erläutert Cornelissen. Den Erdmännchen als südafrikanische Steppentiere macht die Hitze nichts aus. Den Katzenbären sind die Temperaturen hingegen ein Graus. „Sie liegen jetzt nur faul im Baum, am liebsten wäre ihnen Null Grad“, sagt der Tiergarten-Leiter. Weidetiere erhalten weniger Kraftfutter und weniger Heu.

Ein Besuch im Tiergarten ist derzeit doppelt empfehlenswert. Zum einen stehen dort viele Schatten spendende Bäume, zum anderen gab es ein freudiges Ereignis. Am vergangenen Freitag wurde ein Lama-Fohlen geboren. „Es steht aber schon mit Mama und Papa auf der Weide und freut sich auf Besucher“, sagt Cornelissen.

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