Kleve: Klever Köpfe im Haus Koekkoek

Kleve: Klever Köpfe im Haus Koekkoek

Walter Brüx gehört zu den Gründern des Niederrheinischen Künstlerbundes, er schuf wunderbare Porträtbüsten, prägte Generationen von Schülern und war streitbarer Politiker im Rat der Stadt Kleve. Haus Koekkoek widmet dem Bildhauer und Künstler Brüx eine Ausstellung.

Die Kopfbedeckung bleibt vage – eine Kappe vielleicht, vielleicht ein Tuch. Darunter ein nachdenkliches Gesicht, wie nach Innen gekehrt den nächsten Satz formulierend, die Augen halb geschlossen. Ein Mund mit vollen Lippen. 1946 schuf Walter Brüx wohl sein Meisterwerk – die Porträtbüste des 25jährigen Joseph Beuys, der sich in diesem Jahr an der Kunstakademie Düsseldorf eingeschrieben hatte. Beuys war damals auch Mitglied des Niederrheinischen Künstlerbundes geworden. Jener Bund, den Walter Brüx soeben mit Hanns Lamers gegründet hatte.

Lamers, der nach dem Krieg im Koekkoek-Atelierturm lebte und arbeitete hatte stets eine offene Tür für kunstsinnige Menschen. Sein Kopf-Porträt steht nur wenige Meter neben dem von Beuys im Klever Künstlerhaus Koekkoek. Wie die Büsten vieler Klever – von Oberkreisdirektor Rudolf Kersting über Dr. Heidemarie Schmidt bis zu RP-Karikaturist Walter Flinterhoff oder Bernd Schulte zur Wissen. Kleve findet sich wieder im Werk des Bildhauers.

Künstlerische Laufbahn

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Aber Walter Brüx war mehr, als nur der Porträtist Klever Bürger. 1917 in München geboren, wuchs er in der Klever Werkstatt seines Vater Gerd auf, der bis zum ersten Weltkrieg vor allem neuromanische Altäre für die Region fertigte. Er studierte Bildhauerei an der Akademie für bildende Künste in München bei Bernhard Bleeker und später an der Technischen Hochschule das künstlerische Lehramt. Erste Erfolge mit Ausstellungen bei München ließen Brüx auf eine künstlerische Laufbahn hoffen. Doch als er aus dem Krieg, in dem er schwer verwundet wurde, ins völlig zerstörte Kleve kam, gab es zwar Aufträge für den Künstler in der Werkstatt seines Vaters. Aber seine Familie konnte Brüx nicht davon ernähren. Er entschied sich nach wenigen Jahren als freischaffender Künstler für das Lehramt. Brüx unterrichte fortan am Klever Johanna-Sebus-Gymnasium, so Kleves Museumsdirektor Drs. Guido de Werd. Der künstlerische Leiter des Hausses Koekkoek lädt zur ersten großen Einzelausstellung mit Arbeiten von Walter Brüx ein. Valentina Vlasic, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums Kurhaus, hat die Ausstellung im Haus Koekkoek mit viel Arbeit und Liebe eingerichtet. "Größtenteils kommen die Werke aus dem Nachlass, der ans Kurhaus ging. Museumsfotografin Annegret Gossens hatte den Kontakt zu Brüx weiter gepflegt, als ich krank war", so de Werd.

Brüx gehöre zu den wichtigen Künstlerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit – gewiss könne man ihn neben Gieseler, Gorissen und Getlinger stellen, so der Museumsdirektor. Als Mann, der den Künstlerbund belebte und sich stets streitbar, manchmal auch querdenkend in die Klever Kulturpolitik mischte: Er war gegen das Kurhaus als Museum, wollte eine Straße auf Stelzen statt des Klever Rings, der für ihn immer Kliver-Ring nach dem damaligen CDU-Fraktionschef hieß, reichte einen Gegenentwurf für die Gestaltung des Synagogenplatzes ein. Haus Koekkoek zeigt Brüx' bildhauerische Arbeit, viele seiner Porträt-Büsten, Zeichnungen und Aquarelle.

(RP)
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