Klever Kirmes: Mitarbeiter für einen Tag

Klever Kirmes : Zwischen Walzen und Hamsterrädern

Eine Kirmes ist bei den Menschen in erster Linie mit Spaß verbunden. Dass sie aber auch anstrengend sein kann, erfuhr unser Reporter hinter den Kulissen des Fahrgeschäfts „Viva Cuba“. Er durfte einen Nachmittag aushelfen.

Ist das wirklich nichts für Erwachsene? Das ist die Frage, die in mir kreist, bevor ich den Hindernisparcours „Viva Cuba“ betrete. Schnell ist mir klar: Nein. Es macht wirklich Spaß sich den Hindernissen zu stellen, durch Walzen zu rollen, über Drehplatten zu laufen oder am Ende des Parcours Wasserspritzern auszuweichen. Und auch in der Rutsche erreicht man ein gutes Tempo. Zudem stimmt die Atmosphäre. Überall gibt es etwas zu entdecken, das an Kuba erinnert: Bilder von Che Guevara, Palmen, die Nationalflagge. Auf der höchsten Etage hängen sogar Badesachen an Wäscheleinen. Auch die Farben, blau, rot, weiß und gelb, erinnern an die Insel.

Doch bevor ich überhaupt zu dem Spaß komme, muss ich erstmal arbeiten. Da sitze ich nun also. Ganz alleine in „meinem“ Kassenhäuschen auf einem Ledersessel. Ich trage einen Strohhut, über mir surrt die Klimaanlage. Die Musik, die im Hintergrund dudelt, erinnert mich an einen Tag am Strand. Rechts neben mir steht eine Kasse mit silbernen und goldenen Euromünzen, dahinter sind Geldscheine aufgereiht. Mein Wechselgeld. Eine rote Papageienfigur starrt mich an. Auf der anderen Seite hinter einem großen gelben Schild „Eintrittspreis vier Euro“ liegen rund 100 grüne, bedruckte Chips. Es sind die Chips, die den Kindern, ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Pünktlich um 14 Uhr startet meine Schicht bei der „Viva Cuba“ auf der Kleve Kirmes. Dabei handelt es sich um ein vier Stockwerke hohes Laufgeschäft mit Kuba als thematischem Hintergrund. Innen müssen verschiedene Hindernisse wie große Hamsterräder, sich bewegende Treppen, drehende Walzen und eine Rutsche bewältigt werden.

Bei einem Gang durch den Hinderniss-Parcours kommt richtig Freude auf. Es geht durch Hamsterräder, drehende Walzen, über bewegliche Bodenplatten und ganz oben wartet eine Rutsche. Foto: Markus van Offern (mvo)

Für mich ist aber erstmal der Dienst an der Kasse vorgesehen. Zunächst bleibt es ruhig. Die Sonne knallt, der Schweiß läuft. Noch ist es recht leer auf der Kirmes, aber trotzdem laut: Die typische Kirmesstimme ist über den ganzen Platz zu hören: „Gleich geht’s lo-lo-lo-los“, höre ich vom Breakdancer-Fahrgeschäft. Dazu immer wieder ein paar Schreie von den Gästen der Schiffsschaukel neben meinem Kassenhäuschen. In der Luft liegt der kirmestypische Geruch von frittierten Pommes.

Kurz  bevor der erste Kunde des Tages kommt, gesellt sich Dennis Hartmann, Chef der „Viva Cuba“, zu mir ins Kassenhäuschen. Er hat ein paar Regeln für mich. „Egal, wie schlecht es dir geht oder wie deine Laune ist: Freundlich sein, das ist das Wichtigste. Bitte, Danke.“ Ein kleiner Junge ist heute der erste Kunde. Er gibt mir einen Zehn-Euro-Schein. Während ich mich krampfhaft bemühe beim Wechselgeld keinen Rechenfehler zu machen, vergesse ich schon einmal mich zu bedanken. Und ein weiterer Fauxpas unterläuft mir. Ich gebe dem Kind erst das Geld und dann die Chips. „Wir geben den Kunden zuerst die Chips, dann haben sie schon einmal was in der Hand“, erklärt mir Hartmann.

Beim nächsten Mal klappt es besser, obwohl gleich eine kleine Gruppe von Kindern vor dem Kassenhäuschen steht. Ich merke wie die Nervosität abfällt, die Lockerheit kommt zurück. Ich lächle die Kinder an, gebe ihnen das Wechselgeld und wünsche „Viel Spaß!“. „Jetzt hast du es raus, das klappt doch schon sehr gut“, lobt mich Hartmann.

Seit mehr als 40 Jahren ist die Familie Hartmann schon im Kirmesgeschäft, im sogenannten Schau- und Belustigungsgeschäft. „Wir machen das schon seit Generationen. Aktuell haben meine beiden Brüder und ich jeweils so ein Laufgeschäft wie hier“, sagt er. Von April bis Weihnachten sind sie in ganz Deutschland unterwegs. „Wir sind ja auch auf Weihnachtsmärkten. Spätestens am 23. Dezember ist dann aber Ruhe“, erklärt Hartmann. Fast überall war er schon mit seinem Stand zu Gast: Auf den Stuttgarter Vasen, der Kranger Kirmes und der Rheinkirmes in Düsseldorf. Ein Ziel hat er aber noch: „Einmal auf dem Oktoberfest ausstellen. Beim Gedanken daran kribbelt es schon in mir.“

So geht meine Schicht an der Kasse schnell herum. Eines ist über den Nachmittag auffällig: Es sind ausschließlich Kinder, die an die Kasse kommen und sich in die „Viva Cuba“ trauen. Eltern oder Großeltern halten sich meist im Hintergrund auf, kramen in ihrem Portmonee und geben den kleinen ein paar Münzen in die Hand. Selbst ausprobieren will anscheinend keiner.

Nachdem ich die Kunden eine Weile an der Kasse bedient habe, soll ich den Kindern auf der Attraktion bei eventuellen Problemen helfen. Da die Kinder sich aber deutlich geschickter im Parcours anstellen als ich, und über Hilfeangebot nur müde Lächeln, endet mein Tag auf der „Viva Cuba“ etwas früher als geplant. Der Ansturm hielt sich heute Nachmittag in Grenzen. Das wird spätestens zum Familientag am heutigen Donnerstag anders sein. Dann sind die Preise bei allen Fahrgeschäften ermäßigt. Zum Abschluss der Kirmes erwartet die Gäste am Sonntag zudem als Höhepunkt ein Feuerwerk.

Als ich die Attraktion verlasse, bleibe noch einmal davor stehen. Wieder fällt mir beschriebene Szene auf: Ein Kind bezahlt alleine, der Vater steht weit im Hintergrund. Man sollte sich viel öfter trauen, wieder Kind zu sein.

(se)