1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Klever Hochschschule Rhein-Waal wegen Corona im Notmodus

Interview Oliver Locker-Grütjen : Digitalisierung bekommt großen Schub

Die Hochschule Rhein-Waal ist im Corona-Modus auf Notbetrieb. Die Forschung läuft auf Sparflamme, die Studierenden engagieren sich caritativ.

Die Hochschule Rhein-Waal verlängert wegen der Corona-Krise wie alle Universitäten und Hochschulen in der Bundesrepublik die vorlesungsfreie Zeit, verschiebt den Semster-Start zunächst auf den 20. April und geht in einen so genannten „geregelten Notbetrieb“. Wir sprachen mit Präsident Oliver Locker Grütjen darüber, wie ein solcher Notbetrieb  aussieht.

Herr Locker-Grütjen – die Hochschule hat viele ausländische Studierende aus den ersten Krisengebieten wie China  – wie steht es mit der Angst um Ansteckung auf dem Campus?

OliverLocker-Grütjen Es ist richtig, wir haben sehr viele ausländische Studierende. Doch das Risiko-Gebiet ist derzeit halt auch Europa, im Prinzip „die Welt“. Im Moment habe ich eher Sorge, dass die Studierenden, die auch über die Semesterferien in Deutschland geblieben sind, in Teilen sehr alleine und unsicher  sind.

Was ist mit Studierenden, die nach den Semesterferien wieder zurück kommen?

Locker-Grütjen Die sind umfassend informiert, und natürlich überwachen wir unsere Studierenden nicht, wer wann nach Hause fährt und wann zurück kommt.  Da gelten für die Studierenden dieselben Rechte und Regeln wie für andere Einreisende aus dem Ausland. Aber mir ist im Zusammenhang mit der Hochschule und der Corona-Krise nur ein Fall bekannt, dass jemand zurück musste – und das war eine Gruppe Wissenschaftler aus dem europäischen Ausland. Das hatte der Deutsche Akademische Auslandsdienst vorsorglich eingeleitet.

Die Hochschule Rhein-Waal ist eine forschende Hochschule mit spannenden Projekten auch für die Bio-Medizinische Forschung. Muss die Forschung jetzt pausieren?

Locker-Grütjen Zunächst einmal ist Forschung auch ein Austausch zwischen Personen – und dieser Austausch geht natürlich weiter. Nur eben nicht von Angesicht zu Angesicht. Da sind unsere Kollegen sehr gut vernetzt und tauschen ihre Ergebnisse und Denkanstöße aus. Und Wissenschaftler unserer Hochschule sind derzeit gefragt: So wie z. B. Professor Dirk Bockmühl als herausragender Hygiene-Forscher. Gerade bei Corona ist Hygiene ein ganz wichtiger Faktor.

Und wie wirkt sich der Notbetrieb in den Laboren aus?

Locker-Grütjen Die sind natürlich auf das Nötigste zurückgefahren, nötiges Personal ist vor Ort und wir achten unter anderem darauf, dass angesetzte Versuche zum Beispiel mit Bakterienkulturen nicht verloren gehen.

Wie sieht das denn dann mit den hohen Fördergeldern aus, die Sie für diese Forschung bekommen haben – sind die verloren?

Locker-Grütjen Nein. Bund und Land werden diese Projekte sicherlich nach hinten verlängern. Das betrifft ja alle anderen Hochschulen und Universitäten auch.

Die Mitarbeiter haben Sie ins Home Office geschickt?

Locker-Grütjen Die meisten sind im Home Office, nur die, die für die jeweilige Forschung und auch Administration nötig sind, sind kurz auch mal vor Ort sind. Wir bereiten jetzt viel für die digitale Lehre vor.

Das Semester startet dann Ende April?

Locker-Grütjen Bis jetzt soll es tatsächlich einen Monat später als von Hochschulen gewohnt starten, am 20. April. Wir werden zudem alles Erdenkliche tun, um digitale Lehre anbieten zu können. Vieles wird digital laufen müssen. Aber das ist auch eine Chance, die Digitalisierung voranzutreiben.

Sie sagten zu Beginn, dass manche Studenten zu vereinsamen drohen. Was unternimmt die Hochschule?

Locker-Grütjen Wir haben unter anderem dazu eine Task Force um Christian Schoofs, dem Leiter Studienangelegenheiten, geschaffen und eine E-Mail-Adresse eingerichtet. Da geht es natürlich nicht nur um Studienfragen, auch soziale Fragen werden besprochen. Aber auch der AStA (Allgemeiner Studierenden Ausschuss) ist sehr gut aufgestellt und hilft - und das nicht nur bei Studierenden. Das ist schon sehr gut, was die auf die Beine stellen, so wie sie beispielsweise Hilfe für Risiko-Gruppen beim Einkaufen anbieten möchten, oder, ganz aktuell, auch die Tafeln unterstützen.. Aber auch im Sinne der Internationalen handeln, diesen Studierenden Angebote online vermitteln, ihnen die Zeit, die sie jetzt in Kleve wegen des Kontaktverbots sehr alleine sind, zu erleichtern. Einfach für sie da zu sein.

Wo sehen Sie die Hochschule nach Corona?

Locker-Grütjen Die  Digitalisierung wird hierdurch einen großen Schub bekommen. Wir werden uns für das kommende Semester ganz auf die Lehre und unsere Studierenden konzentrieren. Ich hoffe aber auch, dass wir alle aus Corona lernen, uns zu entschleunigen und aufs Wesentliche zu achten, dass Regierungen, die vernünftig agieren wie unsere, gestärkt werden und der Populismus keine Chance mehr hat.