Künstler, Grafiker und Karikaturist Flint liebte sein Kleve

Kleve  · Walter Flinterhoff wäre am 4. Dezember 100 Jahre alt geworden. Im neuen Heimatkalender erinnert seine Tochter Hildegard Malz an den Klever Künstler, Grafiker und Karikaturisten, der 47 Jahre lang die Geschichte Wesels und Kleves kommentierte.

Das Bild zeigt Walter Flinterhoff an seinem 90. Geburtstag. Der Künstler starb 2013.

Das Bild zeigt Walter Flinterhoff an seinem 90. Geburtstag. Der Künstler starb 2013.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Das Kastell in Kervenheim ist ein kleines Aquarell mit klassischem Bildaufbau: Links begrenzt der dunkle Stamm eines Baumes die Winterlandschaft, das Wasser eines Bachs schimmert blaugrau kalt im Winterlicht, und hinter dem Bogen einer Brücke liegt das Kastell mit Walmdach und Dachreiter. Schneeflecken liegen über den roten Dachziegeln. Im Vordergrund bestimmen einige krumme dicke Zaunpfähle das Blatt, ein paar Drähte zwischen den Pfosten. Walter Flinterhoff malte das winterliche Idyll 1947.

Der Hungerwinter 1946/ 47 gehörte zu den kältesten Wintern in Deutschland und traf das zerstörte Land unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Flinterhoff hatte den Krieg knapp überlebt. In Wesel geboren und in Kleve aufgewachsen hatte er nach Abschluss der Volksschule und einer Ausbildung beim Kaufhof ein Jahr an der Krefelder Werkkunstschule studiert, als die Wehrmacht ihn zur Handelsmarine einzog. Er kam nach Norwegen, nahm Block, Bleistift und Farben mit und porträtierte die Landschaft und ihre Menschen. Dann lief das Schiff, auf dem er Dienst tat, vor Stavanger auf eine Miene und sank. Flinterhoff überlebte knapp und blieb bis August 1945 in einem Internierungslager in Laboe.

 Seine Tochter Hildegard Malz erinnert im neuen Heimatkalender für das Kleverland auf das Jahr 2023 an den Mann, der zwar auch als Künstler, vor allem aber als Grafiker und Karikaturist unter dem Kürzel Flint, das bald Markenzeichen war, in Erinnerung geblieben ist. Fast 47 Jahre kommentierten seine Karikaturen in der Rheinischen Post das Geschehen in Wesel und Kleve. Flinterhoff, der 2013 starb, würde am kommenden Sonntag, 4. Dezember, 100 Jahre alt.

Seine Grafiken und Karikaturen fanden auch ins Museum – ausgestellt im Haus Koekkoek, für immer archiviert und digital zugänglich im Museum Kurhaus Kleve in der digitalen Sammlung. Einen der Ausstellungskataloge zierte ein Titel in dem Flint sich als sympathischen älteren Herrn mit dünnem, wehendem Haar und struppigem Bart zeichnete. Sein so treffsicherere scharfer Strich traf auch hier: Es ist ein schönes, passendes Porträt des Zeichners und „Gebrauchsgrafikers“, wie er vom damaligen Museumsdirektor Guido de Werd betitelt wurde.

Flint liebte sein Kleve, die Kultur der Stadt, ihre Geschichte. Ihr Wappentier, der Schwan, stand meist im Zentrum der Zeichnungen. Oft liebevoll, oft gebeutelt. Seine Zeichnungen waren zugespitzt. Manchmal reichte ein einziger Gegenstand – Beuys Hut gestrichelt etwa, eine dunkle Brille oder die zum Davidstern gestellten Kerzen. Hier verzichtete er sogar auf seinen Text: Schlicht „Gedenktag“ titelte er sein beeindruckendes Werk. Ansonsten waren Flints Karikaturen nicht vom Text zu trennen, der amüsiert das Gezeichnete erklärte, erweiterte, zubiss oder durch den Kakao zog. Reimend wie Wilhelm Busch. Zwar konnte Flinterhoff barsch sein in seinem Urteil, sich für die Sache echauffieren und war doch stets der freundliche ältere Herr, der auch gerne zusammen mit seiner Frau Marga Gäste bewirtete, über Gott und die Welt diskutieren konnte und dabei immer eine dezidierte Meinung hatte.

Hildegard Malz‘ Text im Klever Heimatkalender liest sich auch wie ein Stück Klever Nachkriegsgeschichte. Dazu zeichnet er den hart erarbeiteten wirtschaftlichen Erfolg des Grafikers auf. Vom Hungerwinter über die kurze Zeit in einem kleinen feuchten Haus mit Pilzen auf den Dielen und Plumsklo im Garten über das kleine Reihenhäuschen am Heideberg mit Blick auf die Burg bis schließlich 1972 hinauf auf das Haus am Bresserberg – wieder mit Blick über die Stadt.

Flint hatte immer einen Stift dabei, erinnert sich Hildegard Malz: Spontan zeichnete auch mal den Dirigenten vom Reihenkonzert, das er als Liebhaber klassischer Musik regelmäßig besuchte, nach dem Konzert aus der Erinnerung heraus auf einer Serviette. Flint gestaltete auch dreidimensionale Schaufenster: wie den in seinen Büchern vertieften Bücherwurm für die Buchhandlung Hintzen, schuf unzählige Grafiken und Logos und zeigte seine Bilder bei den Ausstellungen des niederrheinischen Künstlerbundes. Seine Klever Karikaturen, die er bis ins hohe Alter machte, kamen – noch persönlich von ihm übergeben – als Nachlass an das Museum Kurhaus. Wenig später verstarb er 2013 zwei Wochen vor seinem 91. Geburtstag. „Nur einmal noch“ war der Titel der letzten Karikatur.

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