Kleve: Vier Millionen Euro fürs Stromnetz

Kleve : Vier Millionen Euro für Klever Stromnetz

Die Umspannanlage Kleve wird modernisiert. Vier Millionen Euro fließen unter anderem in neue Transformatoren, damit die Firma Westnetz die Stadtwerke Kleve weiterhin mit Strom beliefern kann. Am Montag kam kurz Hektik auf.

Das ist kein typischer Montagmorgen am Klever Umspannwerk an der Emmericher Straße. Dort, wo sonst nur Technik stumm ihren Dienst verrichtet, ohne dass dafür Personal nötig wäre, ist an diesem Morgen ein reges Treiben. Mittendrin Projektleiter Jürgen Tünnesen, der für die Firma Westnetz das Umspannwerk zurück und dann neu bauen soll. Bis zum Donnerstag hat er dafür noch Zeit, sonst hätte ganz Kleve ab dann keinen Strom mehr. Doch der Zeitplan ist ins Wanken geraten, weil der Schwerlastroller, der einen 76 Tonnen schweren Transformator auf dem Gelände auf ein neues Fundament an anderer Stelle hieven soll, seinen Geist aufgegeben hat. Tünnesens Telefon steht an diesem Morgen nicht mehr still. „Das ist jetzt ein echter Notfall“, sagt er. Und doch bleibt er ruhig. „Irgendwie kriegen wir das hin. ,Geht nicht’ – das gibt es hier nicht“, diktiert er den anwesenden Journalisten in die Blöcke.

Es ist ein riesiges Projekt, das Westnetz in der Schwanenstadt umsetzt. Die komplette Anlage wird auf den neuesten Stand moderner Technik gebracht, um die Stromversorgung der Stadt Kleve inklusive aller Ortsteile auch weiter gewähren zu können. Der Verteilnetzbetreiber Westnetz, eine Tochter des Konzerns innogy, versorgt die Stadtwerke Kleve über derzeit zwei verschiedene Umspannstationen mit Strom. Mit diversen technischen Maßnahmen verstärkt Westnetz das Stromnetz an der Emmericher und passt es den heutigen Anforderungen an.

„Hochspannung! Vorsicht Lebensgefahr“, heißt es auf Warnschildern. Sicherheit hat im Umspannungswerk höchste Priorität. Foto: Marc Cattelaens

Alte Stromleitungen werden demontiert, was zur Folge hat, dass die Stadt die Sportplätze des BV/DJK Kellen weiter entwickeln kann. Zwei neue und sehr leise Transformationen wurden bereits ans Netz angeschlossen. Dafür waren vorab neue gemauerte Standorte, so genannte Trafotassen gebaut worden. Ein neues, sehr leistungsstarkes und mit 74-Tonnen-Energieschwergewicht massives Trafo wurde bereits im Juli auf seinem neuen Standort an den Strom angeschlossen. Am Montag ging es für Westnetz darum, den zweiten, gleichwertigen Trafo mit Unterstützung eines Schwerlastunternehmens auf die zweite, neue Trafotrasse zu hieven. Doch da gab, es wie gesagt, zunächst Probleme.

Projektleiter Jürgen Tünnesen ist für den Umbau verantwortlich. Foto: Marc Cattelaens

Die Umspannanlage an der Emmericher Straße ist die acht älteste in der gesamten RWE-Gruppe. Sie wurde 1928 errichtet, weil die Werke von XOX, Bensdorp und Union entsprechenden Bedarf anmeldeten. Bis heute wurde die Anlage vier Mal neu gebaut. „Der Beton hält 20 Jahre, die schweren Bauteile 40 Jahre, die Technik hält 10 bis 20 Jahre“, erläutert Jürgen Tünnesen. Derzeit ist es vor allem die Hochschule Rhein-Waal, die in direkter Nähe einen enormen Strombedarf hat.

Mit 110.000 Volt kommt der Strom über Hochspannungsleitungen aus Pfalzdorf oder Wesel in Kleve an. Dort wird er dann auf die üblichen 10.000 Volt umgewandelt. Blitzableiter sorgen dafür, dass es bei Gewitter nicht zu Überspannungen und in der Folge zu Störungen oder Ausfällen im Netz kommt. In der Schaltwarte, die auf dem Areal neu gebaut wurde, wird der Betriebsablauf von der Ferne aus überwacht. Durch die Neuanordnung der Betriebsmittel benötigt die Station jetzt weniger Platz, bietet aber eine höhere Betriebs- und Personensicherheit. Die Zufahrt soll künftig nicht mehr über das Gelände der Musikschule, sondern seitlich über die Unilever-Werke erfolgen.

Später am Montag entspannten sich dann auch noch die Gesichtszüge von Projektleiter Jürgen Tünnesen. Ein Ersatzfahrzeug wurde in der Westnetz-Werkstatt Wesel in gefunden, das in Kleve den großen Trafo schließlich doch noch an die richtige Stelle hievte. Alles sieht so aus, als würden die Klever auch am Donnerstag noch Strom haben.