Kleve: Umbau Versöhnungskirche startet mit neuen Plänen im März

Drei-Millionen-Projekt in Kleve : Neue Pläne für Versöhnungskirche

Kleves große evangelische Kirche wird nach dem Entwurf des zweitplatzierten Wettbewerb-Teilnehmers umgebaut. Die Arbeiten starten im März. Wenn der Umbau 2020 fertig wird, wird die evangelische Kirche in Kellen aufgegeben.

Die Umzugskartons stehen sauber gestapelt im Flur, in der durchgehenden Schrankreihe im Gemeindebüro sind Lücken: Das Büro wird in den nächsten Tagen in einen Container an der Einmündung Feldmannstege in die Hagsche Straße umziehen und bleibt bis 8. März geschlossen. Danach rücken die Bagger an und es beginnen der Neu- und Umbau mit energetischer Sanierung des Gemeindezentrums und des Effa und der Versöhnungskirche.

Die Bauarbeiten sind der Abschluss eines langen Wegs und der Aufbruch in eine neue Zeit. Schon vor zehn Jahren begannen die Überlegungen, das Zentrum zu ertüchtigen, das am Markt Linde in Kleve nicht nur als Kirche, sondern auch städtebaulich einen starken Akzent setzt. Nicht zuletzt auch deshalb wird die evangelische Versöhnungs-Kirche mit ihrem markanten Glockenturm aus Betonteilen in Kürze Denkmal. Jenes Bauwerk, das so perfekt an den Markt gestellt wurde und doch seit seinem Bau in den 1960er Jahren von vielen nicht zuletzt wegen des Turms kritisiert wird.

2016 wurde der Grundsatzbeschluss gefällt, die Kirche umzubauen. 2017 gab es einen Architektenwettbewerb mit fünf Büros, der Wettbewerbssieger wurde gekürt und vorgestellt. Es war damals ein Entwurf, der deutlich mehr in das Erscheinungsbild des Ensembles eingriff, als der Entwurf, der jetzt umgesetzt wird. „Der Siegerentwurf wäre uns zu teuer geworden“, sagt Pfarrer Georg Freuling, der die neuen Entwürfe für die Kirche jetzt zusammen mit Baukirchmeister Matthias Hartnack und Pfarrer Achim Rohländer vorstellte. Man griff – und das ist Wettbewerbskonform – auf den zweitplatzierten Entwurf zurück, den des Büros Dreibund Architekten in Bochum. Dessen Sanierung, Um- und Neubau hält sich in großen Teilen an die alten Gebäudestrukturen entlang der Lindenallee und beim Foyer der Kirche.

Um die Kirche zum Markt hin zu öffnen – das war die Vorgabe der Kirchengemeinde – nehmen Dreibund Architekten die Wände und die schwere, massive wie schöne Kirchentür weg und ersetzen alles mit Glas-Elementen. Das Dach des Foyers und das Betonband bleiben zum Markt hin bis zum Turm erhalten. Auch zur Lindenallee hinaus werden die Mauern durch Glas ersetzt.  Außerdem wird der Kirchenraum ins Foyer einbezogen, so dass man von außen bis in die Kirche hineinschauen und bei großen Gottesdiensten auch das Foyer mitbenutzen kann.

Zwischen Foyer und dem angrenzenden Gemeindezentrum mit seinen Sälen  wird als Neubau das Gemeindebüro errichtet. Das Zentrum wird entkernt und die Erkerfenster herausgeschnitten und durch bodentiefe Fenster ersetzt. Auch auf der anderen Seite des langgestreckten Baus wird viel Glas sein – Transparenz im Gebäude war gewünscht.  An der Flurwand zwischen Foyer und Zentrum werden die Emaillien der alten Kirchentür installiert und angestrahlt, so dass man sie von außen sehen kann.

Das zweigeschossige Effa wird abgerissen und durch ein ebenfalls großzügig mit Glasfronten sich zum Innenhof öffnendes Gebäude  ersetzt.  Zur Feldmannstege wird der Bau des Effa verklinkert, sonst sind alle Neubauten und sanierten Wandstücke des Zentrums verputzt. Kosten darf das Ganze nicht mehr als drei Millionen Euro, sagt Freuling.

Während der Bauarbeiten bleiben sowohl Kirche als auch Zentrum und Effa geschlossen, das Gemeindebüro ist im Container. Die Gottesdienste sind dann Sonntags 10.30 Uhr in der Auferstehungskirche in Kellen, erklärt Pfarrer Rohländer. Auch der Kindergottesdienst soll in dieser Zeit in Kellen sein. Zusätzlich werden jeden Samstag um 18 Uhr Gottesdienste in der Böllenstege gefeiert (außer dem letzten Samstag im Monat). Die Taufgottesdienste sind in der Auferstehungskirche, vier mal im Jahr soll es extra Taufgottesdienste in der Kleinen Kirche geben. Auch Kantor Thomas Tesche geht verstärkt mit seinen Veranstaltungen in die Böllenstege.

Wenn die Versöhnungskirche Ende 2020 fertig  sein wird, wird die Auferstehungskirche von der evangelischen Gemeinde aufgegeben. Das gilt für die Kirche, für das dortige Gemeindezentrum und für die Pfarrwohnung.