Kleve tut viel fürs Klima – und will mehr

Klimaschutz : Kleve tut viel fürs Klima – und will mehr

In der Stadthalle stellte Bürgermeisterin Sonja Northing Schülern die Klimaschutz-Bemühungen der Stadt vor. Darunter die Schaffung von Wildblumenwiesen und der Bau der Klimaschutzsiedlung. Der "FFF"-Initiator zeigte sich zufrieden.

Die Proteste von „Friday´s for Future Kleve“, da ist sich der Initiator Daniel Boßmann-van Husen sicher, hätten dafür gesorgt, dass Politik und Verwaltung für das Thema „Klimaschutz“ sensibilisiert worden sind. Bürgermeisterin Sonja Northing signalisierte nun: Die Stadt hat verstanden und bemüht sich im Kampf gegen den Klimawandel. „Egal was andere machen, wir machen was. Ich weiß nicht, ob es fünf vor oder fünf nach zwölf ist. Aber ich weiß, dass wir gemeinsam den Planeten retten wollen“, sagte sie in der Klever Stadthalle. Sie hatte zur Veranstaltung „Gemeinsam für den Klimaschutz“ eingeladen. Hunderte Schüler, Ratsmitglieder und Bürger waren gekommen. Sie begrüßte den vom Haupt- und Finanzausschuss goutierten „Klimanotstand“. „Das ist keine Symbolpolitik, sondern sehr wichtig“, sagte Northing.

Der technische Beigeordnete Jürgen Rauer legte den Klimaschutzfahrplan der Stadt vor. Dieser sei bereits vor fünf Jahren verabschiedet, nun aber überarbeitet worden. „Es war nicht richtig sichtbar, was wir eigentlich alles schon gemacht haben“, sagte Rauer. Die Klimaschutzziele lauten: die Reduktion der Co2-Emissionen auf dem Stadtgebiet um 30 Prozent bis 2030, die Steigerung der Sanierungsquote von Wohngebäuden auf zwei Prozent und die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien an der Stromproduktion auf 50 Prozent. Dabei setze die Stadt unter anderem auf Energieeinsparungen, LED-Straßenbeleuchtung und klimafreundliche Anschaffungen. Zudem solle der Ausbau von Photovoltaikanlagen und Geothermie gefördert werden. Die Schaffung ortsnaher Versorgungsstrukturen und moderner Mobilitätskonzepte fasste Rauer unter den Themenbereich „Klimafreundliche Stadtentwicklung“. Als Beispiele nannte Rauer die Sanierung des Rathauses, des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums und die Einstellung eines Klimaschutzmanagers. „Auch beim Verkehrskonzept müssen wir einen Fokus auf den ÖPNV, die Radwege und Fußgänger legen“, sagte er.

Karsten Koppetsch stellte als Vorstand der Umweltbetriebe das Konzept „Insektenfreundliches Kleve“ vor. In den nächsten Jahren wolle er mehr Wildblumenflächen einrichten. Schon jetzt seien 3,5 Hektar dementsprechend präpariert worden. „Man muss sagen, dass solche Flächen manchmal nicht schön aussehen. Aber man darf sie dann nicht mähen oder pflegen“, sagte Koppetsch. Auch deshalb müsse die Stadt noch bessere Öffentlichkeitsarbeit praktizieren, um die Akzeptanz für solche Projekte zu erhöhen.

Hunderte Klever Schüler interessierten sich in der Stadthalle für den Klimaschutz. Foto: Stade, Klaus-Dieter (kds)

Das Datum der Infoveranstaltung war nicht zufällig gewählt. Gestern nämlich eröffnete Northing offiziell auch die diesjährige Auflage des Stadtradelns. Die deutschlandweite Kampagne ruft noch bis zum 4. Juli dazu auf, öfter mal das Auto gegen das Fahrrad zu tauschen. Bruno Janßen, Lehrer des Konrad-Adenauer-Gymnasiums, der für den Schulweg das Auto stehen lässt und sein Handbike nutzt, motivierte seine Schüler: „Ich sehe jeden Morgen den drohenden Klever Verkehrskollaps vor meinem Fenster. Mit dem Fahrrad ist man im Gegenzug sehr viel schneller und umweltfreundlicher unterwegs.“ Anmeldungen für das Projekt sind noch möglich. Daniel Boßmann-van Husen zeigte sich im Nachgang der Veranstaltung zufrieden: „Dass diese Veranstaltung hier stattgefunden hat, ist ein toller Erfolg für uns. Nun ist Kleve nicht das Paradebeispiel für eine Stadt, in der gar nichts für den Klimaschutz passiert. Aber es geht noch mehr, gerade angesichts des Autoverkehrs bei uns.“ Seine FFF-Bewegung wolle weiter demonstrieren. Am 20. September werde die Gruppe dem internationalen Aufruf Gretha Thunbergs zum Klima-Streik folgen.

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