Kleve: Stadt nimmt Stellung zur Netzgruppe

Netzgruppe Kleve : Netzgruppe möchte „Tafel“ für Kinder

Die Stadt weist Vorwürfe zurück. Haas: Beim Gespräch zwischen der Stadt Kleve und der Netzgruppe um die Finanzierung einer „Tafel“ für Kinder sei nicht von einer kommunalen Beteiligung die Rede gewesen.

Der rote Punkt im Fenster der alten Villa an der Klever Emmericher Straße kündet davon, dass es weiter geht: Ein Nebengebäude der Villa der „Netzgruppe“, die jungen Mädchen mit Kindern, obdachlosen Müttern und jungen Frauen, die nicht mehr weiterwissen, ein Essen bietet, ihre Kinder versorgt und Anstöße fürs Leben gibt, wird zur „Tafel“ für Kinder umgebaut. Für Kinder, die in ihrem familiären Umfeld wenig Unterstützung haben, Hilfe bei Hausaufgaben brauchen, in bedürftigen Familien oder bei Alleinerziehenden leben und eine Betreuung nach der Schule möchten. Platz für 20 Kinder soll hier in der so genannten „Kindervilla“ entstehen. Im April hatte die Netzgruppe das Vorhaben der Stadt vorgestellt, im Dezember hatten Ratsmitglieder der Grünen und der CDU angemahnt, warum es da nicht weitergehe (wir berichteten).

Gegen diesen Vorwurf wehrt sich die Verwaltung: Beim Gespräch zwischen der Stadt Kleve und der Netzgruppe um die Finanzierung einer „Tafel“ für Kinder im April 2019 sei nicht von einer kommunalen Beteiligung an möglichen Kosten die Rede gewesen, deshalb habe keine Rückmeldung der Verwaltung zu diesem Thema ausgestanden und deshalb könne man der Stadt auch nicht vorwerfen, sie sei schuld an irgendeiner Verzögerung, sagt Kleves Kämmerer Willibrord Haas, der der zuständige Dezernent für den Bereich Jugend und Familie ist. Es sei im April ein Konzept vorgelegt worden, aus dem hervorgehe, dass die Kosten für das Mittagessen über Sponsoren gedeckt werden sollten, so Haas.

Der Kämmerer betont auch, dass die Förderung des Wohnangebotes für notleidende Frauen klar von diesem neuen Angebot der Tafel getrennt bleiben müsse. „Es ist nicht richtig, wenn die Sachlage nun so dargestellt wird, als hinge das Angebot der ,Kindervilla’ mit der Förderung des Wohnangebotes zusammen“, sagt Haas. Die Zuschüsse der Stadt an die Netzgruppe in Höhe von 60.000 Euro hätten nie in Frage gestanden, sagt Bürgermeisterin Sonja Northing. „Die Irritationen zwischen der Netzgruppe und dem Fachbereich Jugend und Familie bezüglich auswärtiger Frauen lag im Jahr 2018. Der Jugendhilfeausschuss hat im Nachgang dieser Irritationen im November 2018 die Bezuschussung für das Jahr 2019 beschlossen“, so die Bürgermeisterin. Man habe damals auch beschlossen, an einer kreisweiten Lösung für die Finanzierung der Netzgruppe zu arbeiten.

Diese kreisweite Lösung ist inzwischen durch den Haushaltsbeschluss des Kreises Kleve bestätigt: Die Finanzierung der Netzgruppe wird künftig vom Kreis und den betroffenen Kommunen auf den jeweiligen Fall bezogen abgerechnet werden. „Es ist ja auch die grundsätzliche Zielsetzung der Politik, dass wir von einer Pauschalfinanzierung weg und zu einer fallabhängigen Finanzierung kommen werden“, erklärt Haas. Jan Traeder, Leiter des Fachbereichs Jugend und Familie, rechnet sogar vor, dass die Netzgruppe jetzt bei einer 100-prozentigen Auslastung auf Zuwendungen von 135.000 Euro käme. Man habe zudem, so Traeder, eine Umfrage bei den Jugendämtern der Städte im Kreis Kleve gemacht, die sich bereit erklärten, die Fälle aus den jeweiligen Kommunen abzurechnen. Finanziert wird das über Jugendhilfe- (SGB VIII) und Sozialhilfemittel (SGB II). Anfang Februar wird es ein Gespräch geben, in dem Stadt und Netzgruppe Unstimmigkeiten klären wollen, sagen Northing, Haas und Laura Erlenhof von der Netzgruppe.