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Kleve schwimmt sich im Sternbusch frei

Bad-Öffnung : Kleve schwimmt sich im Sternbusch frei

Gestern öffnete das Kombibad erstmals seit der Corona-Krise wieder seinen Innenbereich. Heute ist das Freibad mitsamt der großen Liegewiese für 800 Besucher zugänglich. Gleichzeitig werden beide Areale aber nicht offen sein.

Den Start in ihre erste Freibad-Saison als neue Chefin der Stadtwerke hatte sich Claudia Dercks ganz anders vorgestellt. Immerhin hat das Coronavirus auch im Sternbuschbad für Ausnahmezustand gesorgt. Von hochsommerlicher Leichtigkeit ist rund um das kühle Nass noch keine Spur. Alles dreht sich um die so wichtige Hygiene. „Natürlich würde ich mir Normalität wünschen. Aber wir nehmen die Situation jetzt so, wie sie ist. Es ist unsere Aufgabe, den Klevern etwas zu bieten“, sagt Dercks.

So öffnete sie gestern erstmals nach Beginn der Pandemie wieder den Innenbereich des Sternbuschbads. Am heutigen Montag folgt dann auch der Außenbereich. Klar ist schon jetzt: Die für das „Sternbusch“ legendäre Warteschlange vor dem Eingang wird es in der Freibadsaison 2020 nicht geben. Immerhin können Tickets nur im Internet gekauft werden. Diese werden beim Ein- und Ausgang gescannt, damit genau nachvollzogen werden kann, wer sich wann und wie lange im Bad aufgehalten hat.

Über die Internet-Präsenz können die Verantwortlichen auch die Anzahl der Gäste steuern. Im Innenbereich dürfen es 96 pro Tag sein, rund 800 draußen. Innen- und Außenbereich sollen aber nicht gleichzeitig offen sein. Wenn die Wettervorhersage gut ist, öffne man das Freibad, so Dercks. Jeweils 72 Stunden vorher wolle man eine Entscheidung fällen.

Für jedes Becken gibt es eine feste Höchstanzahl von Personen, die sich abkühlen dürfen. Die Bademeister sind dazu angehalten, darüber zu wachen. Auf der 40.000 Quadratmeter großen Liegewiese sollen Mindestabstände gewahrt werden. Am ersten Tag der neuen Saison waren alle 96 Tickets für den Innenbereich vergriffen. Es seien keine Tickets mehr verfügbar, hieß es auf der Internet-Präsenz. „Es ist wichtig, transparent zu kommunizieren. Ohne ein Internet-Ticket gibt es keinen Zugang“, sagt Dercks. Tickets können auch noch Minuten vor dem Gang zum Bad gebucht werden, insofern noch welche erhältlich sind.

Für den Freibad-Montag waren am Sonntag noch mehr als 700 Eintrittskarten erhältlich. Immerhin war die Wettervorhersage bis zuletzt noch nicht allzu prächtig. Die sanitären Anlagen sind geöffnet, Gleiches gilt für die Umkleiden oder den Spielplatz. Auch der Kiosk und der Crêpes-Stand stehen Besuchern zur Verfügung. Nur der Springturm, der Soccer-Platz und das Beachvolleyball-Feld sind geschlossen. Überall auf dem Areal weisen Info-Tafeln und Pfeile auf dem Boden an, wie sich Badegäste zu verhalten haben.

Der Vergleich mit dem vergangenen Jahr schmerze auch Dercks. Immerhin waren damals mitunter bis zu 4600 Gäste pro Tag im Sternbuschbad. Nun sind es also nur wenige Hundert. Auch wirtschaftlich hat das Folgen. Diesbezüglich dürften die kommenden Wochen und Monate sogar noch einschneidender werden als die Zeit des zweieinhalbmonatigen Lockdowns. „Wir hatten den Betrieb ja gänzlich heruntergefahren. Daher hielten sich fehlende Einnahmen mit eingesparten Kosten die Waage“, sagt Dercks.

Nun aber sei das Personal aus der Kurzarbeit zurück und seien die Becken wieder mit Wasser befüllt. Auch die Heizungen laufen wieder auf Hochtouren. Da allerdings nur ein Drittel der üblichen Anzahl der Gäste zugelassen ist, rechne Dercks in der kommenden Zeit mit erheblichen Verlusten. „Mit diesem Problem kämpfen in diesem Jahr aber alle Bäder“, sagt sie. Mit vielen Bäderbetrieben stünden die Stadtwerke in engem Austausch, etwa mit jenen in Goch, Bedburg-Hau, Bocholt und Emmerich.

Während auch das GochNess seit gestern wieder geöffnet ist, hat sich das Embricana in Emmerich gegen eine Öffnung während der Sommerferien entschieden. Immerhin könne man in dem Kombi-Spaßbad nur äußerst schwerlich die Abstand- und Hygienevorhaben einhalten – so der Aufsichtsrat. Für Dercks ist das eine nachvollziehbare Entscheidung. In Kleve sei die Öffnung auch nur deshalb möglich, weil die nagelneue Infrastruktur eine strikte Trennung des Innen- und Außenbereiches zulasse. „Beides parallel laufen zu lassen, würde auch unsere Kapazitäten übersteigen“, sagt die Stadtwerke-Chefin Dercks.