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Kleve: Sabine Leiting ist neu im Team der Kriminalprävention der Kreispolizeibehörde Kleve

Neu im Team der Drogenprävention : Aufklären statt nur ermahnen

Das Team der Kriminalprävention der Polizeibehörde Kleve hat mit Sabine Leiting Unterstützung bekommen. Sie will Jugendliche auch über Gesetze zu Cannabis aufklären. Gerade wegen der Grenznähe gibt es da oft falsche Annahmen.

Die Kriminalprävention, besonders im Bereich Alkohol und Drogen ist schon immer ein schwieriges Feld gewesen: Die wenigsten Jugendlichen lassen sich wohl von einem einfachen „Mach das nicht“ überzeugen. Sabine Leiting will jetzt frisch an die Aufgabe herantreten, die Jugendlichen nachhaltig aufzuklären und ihnen eher da zu begegnen, wo sie stehen, anstatt sie bloß zu ermahnen. Leiting ist eine Frau, der man das zutraut, weniger von oben herab, als vielmehr auf Augenhöhe mit den Jugendlichen über diese Themen zu sprechen.

Die Kriminaloberkommissarin ist seit kurzem neu im Team der Kriminalprävention der Kreispolizeibehörde Kleve. Ihre Aufgabe ist die Beratungs- und Aufklärungsarbeit rund um das Thema Drogen. Die will sie aber ausdrücklich nicht mit dem berühmten erhobenen Zeigefinger erfüllen. Eher will sie sensibilisieren. „Mischkonsum ist zum Beispiel ein wichtiges Thema“, sagt sie. „Nicht selten haben wir Fälle, in denen Jugendliche erst Alkohol trinken, auf einer Party dann aufputschende Mittel wie Ecstasy nehmen, um dann später, quasi zum Runterkommen, Cannabis rauchen.“

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Ein Problem dabei: Es wird immer schwieriger - gerade etwa bei synthetischen Cannabinoiden - den tatsächlichen Wirkstoffgehalt einer Substanz und deren Wirkung auch nur annähernd abzuschätzen. „Der THC-Gehalt von sichergestellten Proben ist seit den 1990ern ungefähr dreimal so hoch und im Vergleich zu den in den 1960ern üblichen Konzentrationen noch stärker gestiegen“, sagt Leiting. Vielen sei das nicht bewusst, deshalb will sie aufklären.

Die Präventionsarbeit ist für sie auch deshalb so spannend, weil sie schon viele Stationen bei der Polizei durchlaufen hat. Neben ihrer langjährigen Erfahrung im regulären Wachdienst war sie auch bei der Kriminalwache und im Kriminalkommissariat in Goch tätig, arbeitet im Opferschutz und ist jetzt in die Präventionsdienststelle nach Kalkar gewechselt. „Bei Kriminalfällen ist es dann ja eigentlich schon zu spät“, sagt sie. „Die Straftat ist begangen, das ist die tägliche Arbeit“.

Präventiv aufzuklären und Jugendlichen den richtigen Umgang zum Beispiel auch mit Alkohol näherzubringen, liege ihr aber auch aus privater Sicht am Herzen. „Ich habe auch eine Tochter, gehe selbst gerne mal feiern, zum Beispiel beim Karneval“, sagt sie, „Da ist es mir wichtig, dass die Jugendlichen wissen, worauf sie sich einlassen, am besten bevor etwas passiert.“ Gerade während Corona habe vor allem auch der Alkoholkonsum zugenommen, sagt sie. Man müsse die jungen Menschen für die Gefahren sensibilisieren, ihnen mehr Wissen über die tatsächliche Gesetzeslage an die Hand geben.

Leiting geht es aber auch darum, mit einigen hartnäckigen Mythen aufzuräumen. Bestes Beispiel: Die Annahme, eine bestimmte Menge Cannabis grundsätzlich als „Eigenbedarf“ besitzen zu dürfen. „Das entscheidet bei volljährigen Beschuldigten immer noch der Staatsanwalt - nachdem ein Ermittlungsverfahren eröffnet und alle Gesamtumstände geprüft wurden“, sagt sie.

Generell besteht aus ihrer Sicht großer Irrglaube über die strafrechtlichen Unterschiede zwischen Erwerb, Besitz und Konsum von illegalen Substanzen oder über die Gesetze, die in unserem niederländischen Nachbarland gelten. „Aber auch dort ist Cannabis nur geduldet. Und nur wer über 18 Jahre alt ist und einen festen Wohnsitz in den Niederlanden hat, darf es erwerben“, sagt sie. Bei ihren Vorträgen wissen das viele nicht.

Ihre Vorträge und Veranstaltungen wurden auch sehr davon geprägt, dass sie während der Pandemie ihre neue Arbeit angetreten hat. „Es ist natürlich schade, dass bisher so wenige Vorträge in Präsenz stattfinden konnten“, sagt sie, „aber auch die Online-Varianten werden gut angenommen. Und das zu Teil vielleicht sogar aufgrund der Tatsache, dass sie nicht live stattfinden. Während Präsenzveranstaltungen in Schulen oder sozialen Einrichtungen aktuell noch eher die Ausnahme und nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich sind, kann Leiting dem nämlich auch etwas Gutes abgewinnen. „Die Hemmschwelle und Machbarkeit für Eltern, an einem Infoabend teilzunehmen, ist sicher geringer, wenn sie dafür nicht einmal das Haus verlassen müssen“, sagt sie.

Derzeit plant die Präventionsexpertin ihre Info-Veranstaltungen für das zweite Halbjahr 2021. Interessierte, egal ob Eltern, Lehrer, Ausbilder, Betreuer oder andere Multiplikatoren, können sie bei der Kriminalprävention in Kalkar unter der Telefonnummer 02824 880 oder per E-Mail unter sabine.leiting@polizei.nrw.de erreichen.