Kleve: Reichswald verkommt zur Müllkippe

Kleve : Reichswald verkommt zur Müllkippe

Kinderzimmer, Kühlschränke, Flaschen - im Forst wird entsorgt, was der Haushalt an Abfall hergibt. Das Forstamt droht mit drastischen Strafen. Doch sind die Erfolgsaussichten, Täter zu fassen, eher gering.

Anita Voigt (52) geht täglich im Reichswald spazieren. Ihr Auto stellt sie auf dem Parkplatz am Britischen Ehrenfriedhof an der Grunewaldstraße ab. Doch schwindet die Lust immer mehr, durch den Forst zu wandern. "Der Wald verkommt", sagt die 52-Jährige. Gestern sammelte sie mehr als 55 Sektflaschen auf, die über den Parkplatz verteilt waren und legte diese an eine Stelle. "Einige waren zerbrochen. Die Splitter sind vor allem für Hunde eine Gefahr", sagt Anita Voigt. Doch bleibt es nicht bei Dreck auf dem Parkplatz. "Ob Kühlschränke, Sofas oder Gartenabfälle - ich sehe bei meinen Spaziergängen immer mehr Unrat herumliegen", sagt sie.

Die Müllberge im Reichswald werden größer. Revierförster Stefan Spinner entdeckt nahezu täglich neue Stellen, an denen Abfall abgeladen wurde. "Im Laufe des Jahres holen wir mindestens zwei komplette Wohnzimmer aus dem Wald. Die Hemmschwelle, den Müll im Wald zu entsorgen, ist spürbar gesunken", weiß der Förster um das Problem. Gründe, warum Bürger ihren Dreck in den Wald kippen, gibt es nach Ansicht von Spinner mehrere: "Wenn etwa ein neuer Einrichtungsgegenstand gekauft wird und man keine Möglichkeit hat, den alten zu lagern bis der Sperrmüll kommt, wird der eben im Wald abgeladen." Auch das Geld, das man bei der Entsorgung an einer Mülldeponie zahlen muss, sparen sich viele lieber.

Mittlerweile gebe es kaum noch Materialien, die nicht im Forst landen, so Spinner. Reste von Hausrenovierungen wie Mörtel, Spanplatten, Pflastersteine oder Kunststoffe bis hin zu Elektrogeräte gehören zum Bild des Waldes. Auch Kühlschränke stehen auf der Wegwerfliste.

"Wir haben letztens 500-Liter-Kanister an der Bundesstraße 504 gefunden. Da muss zunächst untersucht werden, was da überhaupt drin ist", ärgert sich Spinner.

Doch versucht das Regionalforstamt Niederrhein die wachsende illegale Entsorgung von Abfall im Wald zu bekämpfen. "Die Entwicklungen der vergangenen Jahre machen es erforderlich, darauf hinzuweisen, das es man hier eine Ordnungswidrigkeit begeht, die geahndet wird", sagt Forstoberamtsrat Gerhard Thomas. An Bäumen hat die Behörde Schreiben angebracht, die auf mögliche Geldbußen hinweisen, die bis zu 25 000 Euro betragen können. Allein die Erfolgsaussichten, Täter zu fassen, sind recht gering.

Thomas weist auch darauf hin, dass das Abladen von Grünabfällen nicht zu der Rubrik Kavaliersdelikt gehört: "Es können dadurch gebietsfremde Pflanzen eingeschleppt werden." Beim Abladen von Hausmüll besteht die Gefahr, dass sich Tiere etwa an Konservendosen verletzten. Thomas kann es auch nicht nachvollziehen, wenn Abfall auf einem Waldparkplatz abgeladen oder neben den Mülleimer gestellt wird: "Das sind die Leute mit dem halbschlechten Gewissen. Aus der Serie - 'da kommt ja einer, der das wegräumt'."

Für den Forstoberamtsrat ist das Verhalten der Umweltsünder nur schwer zu verstehen: "Wenn ich schon einen Anhänger volllade, dann kann ich den Müll doch auch zum Wertstoffhof bringen. Das kostet nichts und ist völlig legal. Ich verstehe diese Menschen nicht."

(RP)
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