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Kleve: Mutmaßlicher Terrorist konvertierte in Kenia zum Islam

Kleve: Prozess in Düsseldorf : Mutmaßlicher Terrorist konvertierte in Kenia zum Islam

In Afrika war der 30-jährige Klever drauf und dran, Pilot zu werden. Später soll er sich der al-Nusra-Front in Syrien angeschlossen haben.

Ein Nomade mit enger Verbindung zu Natur und Tieren soll der Klever gewesen sein, der seit der vergangenen Woche unter anderem wegen des Vorwurfs der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf angeklagt ist. Das sagte am Freitag ein 31-jähriger Mann als Zeuge aus, der seit Kindheitstagen ein enger Freund des Beschuldigten ist.

Zum Hintergrund: Der Klever soll laut Anklage der Bundesstaatsanwaltschaft 2013 im syrischen Bürgerkrieg für die dschihadistisch-salafistische al-Nusra-Front gegen das Regime von Diktator Baschar al-Assad gekämpft haben. Der Freund, der seinen Lebensunterhalt in Wiesbaden als freischaffender Künstler verdient, ging als Jugendlicher in Katar mit dem Beschuldigten zur Schule.

Auch als der mutmaßliche Terrorist zurück in seine deutsche Heimat und der 31-Jährige fürs Studium gen Wales zog, riss der Kontakt nicht ab. Der Zeuge berichtete, dass es der Lebenstraum seines Freundes gewesen sei, wie sein Vater Pilot zu werden. Einst hätte er ein Angebot von der Fluggesellschaft Qatar Airways bekommen, doch daraus sei nichts geworden.

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So versuchte er etwa im Südsudan und in Kenia als Buschpilot notwendige Flugstunden zu sammeln. In dem ostafrikanischen Land habe er 2012 ein Dasein als Nomade geführt und in Strohhütten gelebt. Dort soll der junge Mann auch zum Islam konvertiert sein. Der Grund soll seine damalige Freundin gewesen sein, die zur Minderheit der Muslime in Kenia gehörte. Der Angeklagte habe sich bloß der Gemeinschaft anpassen wollen, so der Zeuge. Doch war die Hingabe zum Islam wirklich nur der Liebe wegen? Der Vorsitzende Richter äußerte Zweifel: „Es wirkt doch eher so, als wäre das recht gezielt und mit einer gewissen Zukunftsperspektive ausgestattet gewesen.“

Jahrelang hatte der Mann aus Wiesbaden zuvorderst telefonisch und per Messengerdienst Kontakt mit dem Klever. Zuletzt habe man sich 2016 persönlich in Singapur getroffen. Zwar sei der Beschuldigte damals ein gläubiger Muslim gewesen, radikal aber wirkte er nicht. „Er war offen und hat alle respektiert, egal welche Religion oder Weltanschauung“, sagte der Freund.

Er habe von den Vorwürfen gegen den mutmaßlichen Terroristen erst erfahren, als sich das ermittelnde Bundeskriminalamt bei ihm meldete. Die Beamten untersuchten auch die Kommunikation des Freundeskreises. Da nannte der Zeuge den Beschuldigten „Hiba“ (islamisch-arabisch für ,Geschenk Gottes, Gabe´) oder „Durka, Durka“, eine Terroristenfigur aus dem Film „Team America“. Fraglich also ist, ob der Kumpel im Vorfeld des Prozesses tatsächlich nichts von den Vorwürfen wusste.

Ein anderer Freund aus Hamburg, ebenfalls 31 Jahre alt, sagte unter Tränen aus. „Die Situation ist sehr traurig, die Vorwürfe sind sehr krass“, sagte er. Von der vermeintlichen Rolle des Beschuldigten bei der al-Nusra-Front habe er nichts gewusst. Allerdings soll vor Jahren ein Gespräch über Homosexualität und die Rechte von Frauen stattgefunden haben. Damals soll der Klever gesagt haben, dass er nicht über andere urteile, schließlich handele es sich bei Homosexualität um eine Sache zwischen den Beteiligten und Allah.

Der Prozess im sogenannten Terrorbunker in Düsseldorf wird am kommenden Dienstag, 9. November, fortgesetzt. Mit dem Hauptangeklagten sind auch ein 31-jähriger Deutsch-Algerier, ein Deutsch-Amerikaner (34) sowie ein Deutsch-Spanier mit marokkanischen Wurzeln (30) wegen des Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland mitangeklagt. Auch sie stammen vom Niederrhein. Das Trio soll den Mann aus der Kreisstadt mit Geld versorgt haben.