Kleve muss in Wohnrum investieren

Wohnen in Kleve : Kleve wächst und muss kräftig bauen

Bis 2040 müssen in der Stadt fast 2500 Wohnungen gebaut werden. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das jetzt im Rathaus vorgestellt wurde.

Mehr als 360 Wohneinheiten sind derzeit in Kleve in Bau. In Bahnhofsnähe und auf dem Union-Gelände. Mehr als 120 Wohneinheiten müssen in den kommenden 20 Jahren in der Kreisstadt jährlich gebaut werden, damit Kleve die Nachfrage nach genügendem Wohnraum stillen kann. Bis 2040 müssen so rund 2430 Wohneinheiten entstehen, davon 2130 als Geschosswohnungsbau und rund 230 als Ein- oder Zweifamilienhäuser. Die deutlich größten Entwickungspotenziale für diesen Ausbau haben Kellen und Materborn und die alten Industrieflächen Union und XOX.

Das ist die Quintessenz der Analyse, wie sich Kleve in den nächsten 20 Jahren entwickeln wird. Dabei geht Gutachter Sven Wörmer von der „Stadt und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH“, der das Gutachten im Zeitraffer im Bauausschuss vorstellte, von einem Wachstum bis 2040 auf rund 55.000 Einwohner (aktueller Stand etwa 51.500) aus. Verstärkt wird die Nachfrage nach Wohnungen auch wegen der Alterung der Gesellschaft. Junge Familie, die ein Einfamilienhaus suchen, können dann nach dem Motto „jung kauft alt“, in die frei werden Häuser ziehen. Wachsen wird Kleve nur durch Zuzug von außen (Hochschule, Migration und Flüchtlinge). Gäbe es diesen nicht, würde Kleve bis 2040 auf rund 42.000 Bewohner schrumpfen.

Die Hauptentwicklungsgebiete sind Kellen mit den Flächen rechts und links des Postdeichs in Höhe des Konrad-Adenauer-Gymnasiums und entlang des Lambeer, dazu in der Unterstadt die Flächen von Union und XOX und Grundstücke entlang der Bahn. In der Oberstadt sind es die Bereiche Schlachthofgelände sowie an der Königsallee und Friedhof, in Materborn südlich der Sportanlagen sowie zwei Flächen im Süden Reichswaldes.

Das sei ein theoretisches Flächenpotenzial von 113 Hektar, so der Gutachter. Außerdem schlägt er vor, Rindern weiter zu entwickeln. Das biete sich derzeit eher an, als Donsbrüggen, da in Rindern die Nahversorgung besser sei, es noch eine Schule und eine Kita gebe. Derzeitige Schwerpunkte der Entwicklung sind bis 2020 rund 30 Hektar, auf denen 651 Wohneinheiten entstehen: die Union sowie die Schlachthof-Fläche mit 40 Wohneinheiten und in Rindern, wo auch 40 Wohneinheiten gebaut werden sollen. Bis jetzt sei die Stadt, so Wörmer, gut aufgestellt, die Wohngebiete machten einen „properen“ Eindruck und der Generationen-Wechsel in den Einfamilienhausgebieten funktioniere. Wörmer empfiehlt, um die Zahl der benötigten Wohnungen erreichen zu können, eine „behutsame“ Nachverdichtung. „Wir reden da von zwei und drei, maximal vier Geschossen“, sagt der Gutachter. Auch in den Ortschaften müsse die Stadt auf gesunde Entwicklungen achten. Richtige Ausbaupotenziale gebe es dort aber nicht – weder die Bedarfe noch die Flächen, so Wörmer. Er rate aber, sich um eine Aufwertung der Oberstraße in Griethausen zu kümmern.

Als Handlungsempfehlung gab Wörmer Politik und Verwaltung mit auf den Weg, vor allem Ortsteile in zentraler Lage mit vorhandener Infrastruktur weiter zu entwickeln. Auch müsse die Stadt beispielsweise durch die Aufstellung von Bebauungsplänen ihren Einfluss wahren. Zusätzlich sei ein Masterplan für die Weiterentwicklung der Union vonnöten. Er empfahl zudem einen Masterplan für die XOX als Wohn-, Kultur- und Gastronomiestandort.

Außerdem schreibt der Gutachter der Stadt den Aufbau eines Baulückenkatasters ins Brevier. Wörmers Faustregel über die Dichte der Bebauung, die sich aber immer in „Abhängigkeit der Lage und der Fläche“ orientieren müsse: Für Einfamilienhausgebiete 20 Wohneinheiten (in diesem Falle also Häuser) pro Hektar, für gemischte Gebiete 20 bis 40 Wohneinheiten pro Hektar und schließlich für den Geschosswohnungsbau 40 bis 60 Wohneinheiten pro Hektar.

Für Senioren müsse das Angebot an barrierefreien Wohnungen in zentraler Lage ausgebaut werden. Für Studentenwohnen empfiehlt Wörmer den Kontakt zur Hochschule zu pflegen. Wichtig sei, zu prüfen, wie man das Gastronomieangebot ausweiten kann. Auf die Frage von Joseph Merges (UK), ob es nicht wichtig sei, auf Parks und Grünanlagen zu achten, hieß es vom Gutachter: Kleve sei schon sehr gut mit Grün und Parks ausgestattet. Vor diesem Hintergrund seinen für junge Familien Kitas und Schulen wichtiger, für ältere Menschen der fußläufig erreichbare Arzt oder Supermarkt.

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