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Kleve: Mitarbeiter bilden Menschenkette für Erhalt des Kaufhofs

Kleve : Menschenkette für Erhalt des Kaufhofs

Galeria Kaufhof befindet sich im Schutzschirmverfahren. Bis zu 80 Filialen sollen geschlossen werden. Die Beschäftigten des Warenhauses in Kleve sind nun für den Erhalt auf die Straße gegangen. Northing unterstützt sie.

Dunkle Wolken hängen über Galeria Kaufhof. Viele der 172 Filialen sind von der Schließung bedroht. In Kleve gehört das Warenhaus mit 5500 Quadratmeter zu den wenigen großen Spielern im Einzelhandel. Die Beschäftigten haben Angst um ihre Arbeitsplätze, sie kämpfen für den Erhalt des Kaufhofs in Kleve.

Der Hintergrund: Galeria Kaufhof befindet sich im Schutzschirmverfahren. In diesem Zusammenhang plant der Sachverwalter und Generalbevollmächtigte ein tiefgreifendes Sanierungsprogramm, das die Schließung von bis zu 80 Filialen vorsieht. An welchen Standorten die Häuser geschlossen werden sollen, steht derzeit nicht fest, das ist eines der zentralen Themen der Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat des Konzerns.

Das Warenhaus in Kleve besteht seit nunmehr 91 Jahren. 51 Mitarbeiter sind dort derzeit beschäftigt. Der Betriebsrat hofft, dass das noch lange so bleibt: „Wir glauben sagen zu dürfen, dass wir schon seit vielen Jahren ein Identitäts prägender Bestandteil der Innenstadt von Kleve sind und als erheblicher Frequenzbringer mit unseren Kunden einen wichtigen Beitrag für eine attraktive und lebendige Klever Innenstadt leisten. Wir sind davon überzeugt, dass von dem Bestehen unseres Hauses der gesamte innerstädtische Einzelhandel und die vielfältigen gastronomischen Einrichtungen in der Innenstadt profitieren. Dies alles möchten wir auch in Zukunft für unsere Stadt bleiben und leisten“, betont Meike Lönnecke vom Kaufhof-Betriebsrat in Kleve.

Am Dienstagmorgen bildeten die Mitarbeiter eine Menschenkette vor dem Kaufhaus. Damit wollen sie auf ihre Lage aufmerksam machen. „Die mögliche Schließung unseres Hauses in zentraler Innenstadtlage wäre auch ein erheblicher Rückschlag für alle Bemühungen, Aufenthaltsqualitäten unserer Stadt zu schaffen und zu revitalisieren. Eine Vielzahl der sehr gelungenen öffentlichen Maßnahmen und privaten Engagements würden nachhaltig beeinträchtigt. Wir glauben fest an die Zukunftsfähigkeit unseres Klever Standortes“, betont Lönnecke. Bis zum 30. Juni soll fest stehen, welche Filialen erhalten bleiben und welche geschlossen werden, sagt sie.

Auch Bürgermeisterin Sonja Northing reihte sich in die Menschenkette ein. „Ich kann für alle Klever sagen: Das ist unser Kaufhof. Ich kenne das Haus schon von Kindesbeinen an, und so geht es vielen Klevern“, sagt Northing. Sie setze sich für den Erhalt des Kaufhauses ein, „damit das Herz von Kleve nicht ausblutet“. Vor allem denke sie jetzt an die 51 Mitarbeiter. „Der Kaufhof ist hier gut frequentiert. Die Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben“ – das hat sie auch der Geschäftsführung des Konzerns geschrieben. Sie fordert die Klever Bürger auf, es ihr gleich zu tun und ebenfalls der Geschäftsführung zu schreiben, damit die Filiale in Kleve erhalten bleibt. Falls der Kaufhof geschlossen würde, entstünde „eine Lücke, die nicht zu füllen wäre“, betont die Bürgermeisterin.

Wirtschaftsförderer Joachim Rasch hat ebenfalls den Kampf für den Erhalt der Kaufhof-Filiale aufgenommen. In dem gemeinsamen Brief an die Geschäftsführung in Essen listet er einige Gründe auf, die aus seiner Sicht gegen eine Schließung des Warenhauses sprechen. Einer der wichtigsten: „Galeria Kaufhof schreibt in Kleve schwarze Zahlen. Das Haus ist ein Magnet im Klever Einzelhandel, ein Leuchtturm. Auch bei unseren niederländischen Besuchern ist es sehr beliebt“, sagt Rasch. Die große Immobilie habe auch eine große Bedeutung für Kleve. „Besonders in der Corona-Krise haben wir gemerkt, dass es in Kleve nicht so viele Geschäfte dieser Größe gibt“, sagt Rasch. Nicht zu vergessen sei, dass das Gebäude „einem Klever gehört“, betont Rasch. Bekanntlich ist damit Multi-Unternehmer Bernd Zevens gemeint.

Rasch ist einerseits guter Dinge, dass vor allem aufgrund der Umsatzzahlen der Standort Kleve erhalten bleiben kann. „Andererseits sind die Umsätze in den großen Städten deutlich größer. Vielleicht fällt Kleve am Ende doch durchs Raster“, sagt der Wirtschaftsförderer. Er werde jedoch versuchen, das zu verhindern. „Ich werde alles in die Waagschale werfen“, so Rasch.