Kleve: Marcel Janßen holt Millionen Euro Fördermittel

Der „Drittmittel-Beschaffer“: 17 Millionen Euro für Kleve geholt

Der Mann ist sein Geld wert: Marcel Janssen findet die Fördergelder - Stadt und Vereine profitieren. Der Vertrag für den „Drittmittel-Beauftragten“ wurde jetzt entfristet. Bald ist er auf der Suche nach Mitteln für die Schleuse.

Mehr als 20 Millionen Euro soll die Schleuse für Kleve kosten. Der Bund gibt bis jetzt allenfalls 50 Prozent. Der Rat und vor allem Kleves Kämmerer  Willibrord Haas wollen aber mehr: Wenn die Förderung eines Neubaus für die vom Wasserstraßenamt des Bundes in Duisburg so vernachlässigte Anlage in Brienen am Altrhein nicht nahezu zu 100 Prozent gefördert wird, ist sie für die Stadt nicht zu stemmen. Das sagt nicht nur der Kämmerer, das sagt auch der einstimmige Beschluss des Rates. Und fügte zugleich an, dass das Geld dafür auch von anderen Stellen kommen kann: Bezirksregierung, Land, Landschaftsverband oder auch EU - überall gibt es Fördermittel. Man muss nur wissen, wie man da dran kommt.

Wissen wie man wo an welche Fördermittel kommt - das ist ein Fall für Marcel Janssen. Janssen ist nämlich der „Drittmittel-Beauftragte“ der Stadt Kleve. 16,9 Millionen Euro hat er in den zweieinhalb Jahren, in denen er für die Stadt Kleve arbeitet, geholt. Für Projekte von mehr als 30 Millionen Euro, Stand Juli 2018.  Damit ist der Beauftragte längst ein „Drittmittelbeschaffer“: 34 Anträge hat er gestellt, 21 wurden bewilligt, neun nicht. Vier laufen noch.

Bis jetzt hat Janssen mehr Geld für die Stadt als Fördermittel  beschaffen können, als er je kosten wird. Mehr Geld hereinholen als die Stelle kostet, das war die Maßgabe des Rates, als er der Einstellung eines Drittmittelbeauftragten zustimmte, nachdem Kämmerer Haas die Schaffung der Stelle auf Antrag der Grünen vorgeschlagen hatte. Deshalb war der Arbeitsvertrag von Janssen zunächst auf zwei Jahre befristet und wurde Anfang des Jahres - er fing im Dezember 2015 an - entfristet.

 Nach dem Abi am Stein-Gymansium und dem Zivildienst machte Janssen eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse Kleve, dann fügte er ein Wirtschaftsstudium in Bocholt an, das er 2008 in den Fächern Marketing und Management abschloss. „Anträge schreiben, die richtigen Kriterien hervorheben, zu sehen, was muss erfüllt sein, damit man den Zuschuss bekommt - das ist im Grunde Marketing“, sagt Janssen.

 Es war gleich ein Großprojekt, das auf den findigen Fördergeldfinder wartete: Die E-Radbahn in einer komplizierten, zweistufigen Antragstellung in die auch noch die Gemeinde Kranenburg und die Hochschule Rhein-Waal eingebunden werden musste. Für das Bauvolumen von 6,5 Millionen Euro bekam die Stadt schließlich 85 Prozent Zuschüsse.

Es folgte die Thermokompaktanlage für das Klärwerk der Stadt. Zunächst dachte die Verwaltung an Zuschüsse von der Bezirksregierung, von der man 30 Prozent erwartete. Doch Janssen fand ein Klimaschutzprogramm, das die Maßnahme mit 80 Prozent förderte. „Es galt aufzuzeigen, dass wir hier ein innovatives Projekt umsetzen, um die Mittel zu bekommen“, sagt Janssen. Die Förderzuschüsse kamen - und das nicht zu knapp: 9,8 Millionen Euro.

Doch der Drittmittelbeschaffer arbeitet nicht nur für Projekte im siebenstelligen Euro-Bereich - es gibt auch kleine Maßnahmen, Maßnahmen auch für Vereine. Wie die „Hörsteine“, die an den Zweiten Weltkrieg erinnern und für die er jüngst für die Steine „Wasser als Waffe“ Zuschüsse von 2000 Euro bekommen konnte. Oder er holte einen Zuschuss für die Zeitung des Vereins Mosaik, als die Euregio die Förderrichtlinien geändert hatte. „Manchmal muss ich aber auch sagen: Dieser Antrag ist leider nicht förderfähig, da wird es keine Zuschüsse geben“, sagt er. Das ist eine zwar unschöne, aber nicht unwichtige Auskunft. „Rund 25 Prozent der Anträge, die ich bearbeite, kommen von außen, von Vereinen oder Kulturtreibenden. 75 Prozent gehen allerdings an die Fachbereiche der Stadt“, sagt er.

Janssen checkt regelmäßig die Förderangebote, die neu aufgelegt sind, fragt, ob sich Fördermöglichkeiten verändert haben oder ausgelaufen sind. „Einmal im Monat mache ich diese Grundrecherche, prüfe, was könnte für uns interessant sein“, sagt er. Hat er etwas gefunden, leitet er das an den entsprechenden Fachbereich weiter. Haben die Mitarbeiter des Fachbereiches das entsprechende Projekt, bekommt Janssen die Fakten zurück und formuliert den passenden Antrag. „Es gibt auch den anderen Weg: Man hat ein Projekt und möchte wissen, ob das gefördert werden kann“, sagt Janssen. Wie bei der Schleuse. Hier sucht Janssen jetzt nach Geldern, die es erlauben, das Projekt vielleicht doch noch zu verwirklichen.

Wer Infos zu Fördergeldern für seinen Verein sucht, kann Janssen anrufen,  Telefon 02821 84228. Auf der Internet-Seite der Stadt Kleve steht zudem ein Formular, das ausgefüllt eine Hilfe für den Drittmittel-Beschaffer ist.

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