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Kleve: Lebenshilfe Kleverland feiert 50-Jähriges​

Jubiläum am Niederrhein : Wie die Lebenshilfe Kleverland ihr 50-Jähriges feiert

In einem halben Jahrhundert hat der Verein Meilensteine gesetzt für Menschen mit Behinderung. Gefeiert wird das Jubiläum mit einem Kabarett-Auftritt von Rainer Schmidt in der Stadthalle und einem bunten Programm im Wohnpark Materborn.

Als sich die Lebenshilfe Kleverland vor einem halben Jahrhundert gründete, war für behinderte Menschen Vieles anders als heute. Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gab es oftmals kaum. Die gehandicapten Menschen blieben in ihren Familien oder in Heimen, isoliert vom öffentlichen Leben. In Kleve gibt es heute hingegen für behinderte Menschen vielfältige Möglichkeiten der Teilhabe. Sie werden gefördert, können oftmals einer Arbeit nachgehen und leben mitten im Ort. Einen großen Anteil daran trägt die Lebenshilfe Kleverland, die in diesem Jahr mit mehreren Aktionen ihren 50. Geburtstag feiert.

 Los geht es am am Freitag, 26. August, mit einem Kabarett-Abend mit Rainer Schmidt („Keine Hand wäscht die andere“) in der Stadthalle Kleve. Der evangelische Theologe ist seit einigen Jahren von seinem Dienst als Pfarrer freigestellt und seitdem ganz als Freiberufler unterwegs. „Als Kabarettist mache ich mich gerne über alles und jeden lustig – auch und vor allem über mich selbst. Den moralischen Zeigefinger erhebe ich aber nicht – wie sollte ich auch“, sagt der Contergan-Geschädigte über sich selbst. Beginn der Veranstaltung ist um 18 Uhr, Einlass ab 16.30 Uhr. Vor Ort werden sich die Fachbereiche der Lebenshilfe vorstellen. Eine Karte kostet zehn Euro. Kartenvorverkauf: Geschäftsstelle der Lebenshilfe, Dorfstraße 27b in Materborn, ab Montag, 15. August, bis Freitag, 19. August, von 14 bis 16 Uhr und von Montag, 22. August, bis Donnerstag, 25. August, von 15 bis 18 Uhr sowie an der Abendkasse am 26. August in der Stadthalle.

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Darüber hinaus ist ein bunter Veranstaltungstag anlässlich des Jubiläums im Wohnpark Materborn am Samstag, 1. Oktober, geplant. Los geht es um 11 Uhr mit einem ökumenischen Dankesgottesdienst. Im Wohnpark werden Marktstände aufgebaut. Die Bewohner unterhalten die Besucher nach dem Gottesdienst mit Darbietungen, Lukas Kepser singt.

Der Wohnpark in Materborn war sicherlich ein Meilenstein in der Geschichte der Lebenshilfe Kleverland und auch in Sachen Integration von Menschen mit Behinderungen. Hermann Emmers, Vorstandsmitglied der Lebenshilfe Kleverland, erinnert sich noch gut an bewegte Zeiten, nachdem die Lebenshilfe ihre Planungen für den Wohnpark vorgestellt hatte. „Zwischen 2014 und 2016 war die heiße Phase in Materborn. Es gab Menschen, die ihre Vorbehalte lautstark äußerten. Wobei es nur einige wenige waren, die den Widerstand gegen das Projekt initiiert und einen Konflikt heraufbeschworen haben“, sagt Emmers. Inzwischen sei der Wohnpark aber bestens in die Dorfgemeinschaft integriert – „zumal die große Mehrheit uns immer mitgetragen hat“. Emmers betont: „Die Materborner haben die Erfahrung gemacht, dass Menschen mit Behinderungen in der Regel freundliche, zugewandte Mitbürger sind. Anfängliche Vorbehalte haben sich längst aufgelöst.“

Der Wohnpark in Materborn ist nur eine von vielen Einrichtungen der Lebenshillfe. Zwischen 1972 und 1996 wurden 15 Wohnfamilien errichtet, 1986 führte die Lebenshilfe das Betreute Wohnen ein. Im Gründungsjahr der Lebenshilfe gGmbH – Leben und Wohnen (1994) wurde mit dem Pater-Kleissen-Haus in Goch-Kessel das erste Wohnhaus eröffnet. Drei weitere folgen in den kommenden Jahren in Kleve und Huisberden. Schon Anfang der 1990er Jahre gibt es die erste Außenwohngruppe. Seit 1996 betreut die Lebenshilfe auch Kinder in Kindertagesstätten. Bis 1998 werden vier integrative Kitas in Uedem, Nütterden, Schneppenbaum und Kranenburg gebaut und 2008 als Familienzentren NRW zertifiziert. Mit der Kita „Lebensfluss“ in Kleve wurde 2017 die fünfte inklusive Einrichtung eröffnet. Die Lebenshilfe gGmbH engagiert sich auch in der Pflege. Jüngstes Projekt der Lebenshilfe ist ein ein inklusives Viertel an der Wagnerstraße mit 16 Wohneinheiten und drei Wohngruppen mit Quartierszentrum.

„Jeder Mensch wünscht sich einen Ort, an dem er zuhause ist“, sagt die 1. Vorsitzende der Lebenshilfe Kleverland, Gudrun Hütten, „die Lebenshilfe macht das sowie darüber hinaus ein selbstbestimmtes Leben und Teilhabe möglich.“ Mit Stolz und Dankbarkeit erfüllt es sie und alle Lebenshilfe-Mitstreiter, dass dieses einst kleine Projekt nun 50-jähriges Bestehen feiert.