Kleve: Kleve: Kulturelle Angebote im Überfluss

Kleve : Kleve: Kulturelle Angebote im Überfluss

Braucht Kleve einen Kulturmanager? Die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt der Rheinischen Post und der Volksbank Kleverland wiegelten ab: Die lebendige Kulturszene könne sich selbst regeln. Einer outete sich als "Museumshasser".

Manchmal können Antworten so einfach sein. Gefragt, ob Kleve einen Kulturmanager braucht, sagte Bürgermeister Theo Braucher schlicht: "Nein". Doch Brauer wäre nicht der, der er nunmal ist, wenn er nicht noch mehr zu sagen hätte. Die Frage deute an, dass der Fachbereich Kultur ein personelles Defizit hätte. "Das sehe ich so nicht. Wohl aber gibt es ein kulturelles Überangebot in Kleve", sagte Brauer.

Bruno Schmitz, selbst so etwas wie ein Kulturmanager, nur eben als Geschäftsmann und nicht als städtischer Angestellter, stellte eine Analyse der Klever Kulturszene an. Sein Credo lautete: "Das Kulturprogramm in Kleve ist ungeheuer vielfältig und wird größtenteils von nicht-städtischen Einrichtungen, in der Regel von Vereinen getragen." Schmitz trug eine Liste des kulturellen Angebots in Kleve vor, die beeindruckte, obwohl sie nicht annähernd vollständig war: Museum Kurhaus, Klaviersommer, Klangfarbik, XOX-Theater, Cinque, Theater im Fluss, Jazzclub, Comedy im Forstgarten, Kino, Radhaus, Karnevalssitzungen, Oktoberfest, Made in Kleve. "Man kann sich ja kaum entscheiden, wohin man gehen soll", sagte Schmitz. Einen Kulturmanager könne man nur einstellen, "wenn er für Kleve außergewöhnliche Projekte entwerfen würde — "beispielsweise eine Oper im Park".

Heinz Bömler, weithin bekannt als "wahnsinniger Puppenspieler", outete sich als regelrechter "Museumshasser". Bewusst pointiert sagte Bömler: "Ins Museum geht doch keiner. Mit dem Geld, das die Förderung eines Museum eine Stadt kostet, kann man die Leute in die größten Museen der Welt fahren." Er selbst erhalte für sein Museum, die Viller Mühle, keine Fördergelder.

Grünen-Fraktionsmitglied Artur Leenders ist der Meinung, dass ein Kulturmanager nur "sein eigenes Gebiet fördern würde. Das ist entweder Literatur, Kunst oder Musik." Leenders sagte weiter, dass er gerne ein "Theater am Niederrhein" sähe. "Das kostet 300 000 Euro pro Jahr — so viel wie die Fähre nach Schenkenschanz", sagte Leenders. Stadtmarketing-Chefin Ute-Schulze Heiming gab zu bedenken, dass ein Kulturmanager auch nur im Rahmen seines Etats wirtschaften könne. "Der hat keine 300 000 Euro, um ein Theater am Niederrhein einzurichten." Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Jörg Cosar stieß ins gleiche Horn: "Erst wenn man über einen Kultur-Etat von mehr als 500 000 Euro verfügt, kann man über einen Kulturmanager nachdenken. Ein solcher Posten würde nur für mehr Bürokratisierung sorgen."

Roland Mönig vom Museum Kurhaus sieht ebenfalls ein großes Kulturangebot in Kleve. "Eine Überfrachtung ist das aber nicht. Kultur ist ein sehr knappes Gut", sagte Mönig. Michael Dickhoff, der Vorsitzende der Klangfabrik, ist überzeugt davon, "dass die Klever Kulturszene deshalb so gut ist, weil nicht so viel von oben verordnet wurde". Sigrun Hintzen, die die städtischen Konzerte organisiert, würde sich über mehr Besucher freuen. Sie gibt zu bedenken, dass der Fachbereich Schule, Kultur und Sport, geleitet von Annette Wier, sehr weit gefasst sei. "Schule nimmt doch einen sehr großen Raum ein", sagte Hintzen. Annette Wier selbst sieht keine Notwendigkeit für einen Kulturmanager. Sie wünscht sich, dass die Kulturschaffenden mehr das Angebot des städtischen Veranstaltungskalenders nutzen würden.

(RP)
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