Kleve: Kranz für Marie Schuster auf geschändetem Grabmal

Geschändetes Grabmal : Ein „Kristall“ für Marie Schuster

Marie Schuster-Hiby, die Erbauerin des expressionistischen Hauses Wylerberg, starb vor 70 Jahren. Die Restaurierung des geschändeten Hiby-Grabes ist dank der Deutschen Stiftung Denkmalschutz angestoßen.

Das Haus, das sie erbauen ließ, ist ein herausragendes Denkmal expressionistischer Architektur, entworfen von Otto Bartning. Es thront wie ein Kristall hoch über der Niederung zwischen Kranenburg und Nimwegen. Haus Wylerberg wird heute von der Vereniging Nederlands Cultuurlandschap (VNC) genutzt. Marie Schuster, die Erbauerin, die bis Kriegende in dem Haus lebte, starb 1949, vor 70 Jahren.

Sie war Mäzenin, Kunst- und Musikliebhaberin, die auf Wylerberg expressionistische Schriftsteller und Künstler empfing, dort Konzerte organisierte und versuchte, diese Künstler auch gegen die Verfolgung durch die  Nazis zu schützen. Es entstanden lebenslange Beziehungen und Freundschaften, wie die ihrer Tochter Alice zu Gottfried Benn, Erwin Redslob (Reichskunstwart der Weimarer Republik), Arnold Schönberg und seinem Berliner Schülerkreis. „Das Haus beherbergte nicht nur eine bedeutende Sammlung moderner bildender Kunst mit Werken von Lyonel Feininger, Christian Rohlfs, Heinrich Nauen, Ewald Mataré und Heinrich Campendonk, sondern bot darüber hinaus auch vielen Künstlern Gastfreundschaft“, heißt es voll Stolz in der Geschichte von Wylerberg.

Der Kölner Pianist Heinrich (Henry) Jolles, ein Freund des Hauses, habe hier mehrfach Konzerte gegeben, bis er als Jude gezwungen war, das Land seiner Herkunft zu verlassen, heißt es weiter in der Chronik. Als „heimlicher Gast auf deutschem Boden“ habe er den Wylerberg nach 1933 von Holland aus noch einmal besucht. Nach dem Krieg sei er als Freund der Familie Schuster und als alter Studienfreund von Else Kraus als „brasilianischer“ Pianist wieder auf den Wylerberg gekommen und habe Konzerte gegeben. Marie Schusters Tochter Alice führte nach dem Tod der Mutter das kulturelle Leben in dem Haus fort.

Das Haus selbst geriet in die Wirren des Krieges, blieb aber von den schweren Kämpfen um den Reichswald weitgehend verschont, wurde allerdings geplündert und fiel nach neuer Grenzziehung an die Niederlande. Marie Schuster erlebte die Restaurierung des Hauses nicht  mehr. Sie starb am 14. Mai 1949 in dem notdürftig hergerichteten Häuschen an der Auffahrt zum Wylerberg. Körperlich erschöpft, aber bis zuletzt voller Anteilnahme an dem wiederwachsenden kulturellen Leben in Deutschland, wie die Chronik schreibt.

An den Todestag von Marie Schuster und an ihr wechselvolles Leben erinnert jetzt Jaap Dirkmaat von der Vereniging Nederlands Cultuurlandschap. Dirkmaat legte am Todestag ein Blumengesteck auf das Grab der Familie Hiby-Werth in Kleve, wo sie beigesetzt ist. Der VNC möchte Ende des Sommers mit einer Ausstellung an Marie Schuster erinnern – im von ihr so geliebten Musiksaal des Hauses. Denn ein Besuch des Gebäudes lohnt, der Weg hinauf vom Häuschen an der Auffahrt zu dem nicht mehr ganz so weißen Kristall und in den herrlichen Musiksaal.

In Kleve erinnert derzeit leider nur das Gesteck der Niederländer an die Kunst-Mäzenin. Das vor über zwei Jahren geschändete Grabmal der Familie wird erst im Laufe des Jahres restauriert werden können, erklärt Peter Werth. Der in München lebende Nachfahr der Familie und seine Geschwister haben zwar die Restaurierung der Grabstätte angestoßen, die vor allem durch die Mittel der Deutsche Stiftung Denkmalschutz möglich wird.

Doch müsse noch geklärt werden, wie man die neuen Grabplatten sichern kann, damit nicht gleich der nächste Grabräuber das Edelmetall einsammelt, erläutert Werth eine Forderung des Denkmalschutzes. Auch soll der Engel, der mit seiner Posaune über der Grabanlage wacht, sicherheitshalber vermessen werden. Denn die Familie Hiby ließ die Gussvorlage für den Engel zerstören – er sollte einzigartig bleiben. Ein Scan der Figur würde eine zusätzliche Sicherheit für das Denkmal bringen.

Denn wie Haus Wylerberg ist auch das Grabmal ein Denkmal und gehört zu den besonderen Anlagen auf dem ebenfalls geschützten Klever Friedhof. Zu Füßen des Engels auf der Tumba lagen die Grabplatten mit den Namen, den Geburts- und Sterbedaten. Fein ausgearbeitet und geschmückt. Die Platten sollen so wieder kommen, wieder in Bronze, weil es ja Denkmal ist, so der Denkmalschutz.

Derzeit zeigen nur die Bänder des Gestecks Dirkmaats die Lebensdaten von Marie Schuster, die vor 70 Jahren starb. VNC will die Kosten für die Bronzetafel für Marie Schuster übernehmen.

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